Nachrichten

Oberste Militärs wechseln in Jemen die Seiten

Montag, 21. März 2011 , von Freeman um 12:05

Drei Kommandeure der jemenitischen Armee haben ihre Unterstützung für die Regierungsgegner verkündet und den Rücktritt von Präsident Ali Abudullah Saleh verlangt. Brigade- general Ali Mohsen al-Ahmar, Befehlshaber für die nordwestliche Militärzone und für die 1. Panzer- division sagte am Montag, er hat seine Truppen zum Schutz der Protestierer eingesetzt. Zwei weitere ranghohe Offiziere haben sich dem General angeschlossen.

Bei einer Pressekonferenz sagte General al-Ahmar: “Jemen leidet unter einer ausgedehnten Gefahr. Der Mangel an Dialog und die Unterdrückung der friedlichen Demonstranten im öffentlichen Bereich hat zu einer Krise geführt, die jeden Tag schlimmer wird.

Und weil ich die Emotionen der Offiziere und Anführer des Militärs spüre, die Teil der Bevölkerung und ihre Beschützer sind, verkünde ich in ihrem Namen unsere friedliche Unterstützung der Revolution der Jugend und ihrer Forderungen und wir werden unsere Pflicht erfüllen.

Dieser Seitenwechsel kommt nach dem 40 Demonstranten von bewaffneten Sicherheitskräften in der Hauptstadt Sanaa am Freitag getötet wurden. Sie wurden von Hausdächern von Scharfschützen auf einem Platz in der Nähe der Universität mit einem Kugelhagel niedergeschossen. Fluchtwege seien von der Polizei mit brennenden Reifen und Feuerwänden aus brennendem Benzin verstellt worden.

Am Freitag haben einige Minister wegen der Tötung ihren Rücktritt erklärt. Der jemenitische UNO-Botschafter, Abdullah Alsaidi, erklärte auch seinen Rücktritt aus Protest. Am Sonntag hat dann Saleh sein gesamtes Kabinett entlassen. Offenbar wollte der Präsident damit einem geplanten Massenrücktritt von Kabinettsmitgliedern zuvorkommen, die gegen sein blutiges Vorgehen damit protestieren wollten.

Laut Al Jazeera hat der Chefredaktor der Yemen Post gesagt, der Seitenwechsel der Armee bedeutet das Ende für Präsident Saleh.

Hakim Al Masmari sagte: “Es ist vorbei, jetzt wo 60 Prozent der Armee sich mit den Protestieren solidarisieren. Wenn Ali Mohsen al-Ahmar das verkündet, dann ist das ein klares Signal, das Spiel ist vorbei und er muss sofort zurücktreten.

Mittlerweile sind Panzer in der Haupstadt aufgefahren und sie stehen vor dem Palast des Präsident, vor der Zentralbank und dem Verteidigungsministerium.

Laut Al Jazeera hat Professor Mourad Alazani der Universität Saana gesagt: "General Ali Mohsen al-Ahmar ist sehr beliebt - die Leute die im ganzen Land Angst hatten sich den Protesten anzuschliessen, werden jetzt keine mehr haben."

insgesamt 10 Kommentare:

  1. Mister Pilz sagt:

    Ich hoffe, dass es ein gutes Ende nimmt... die Welt ist im Wandel.. hoffen wir mal zum Guten!

  1. aedil sagt:

    Ich finde das einfach großartig !
    In nicht allzu ferner Zukunft werden auch wir hier in Europa uns unserer Regierungen und feudalistischen Geldsysteme entledigen.
    Und dieser Tag ist nicht mehr fern !

  1. Der 4. Weg sagt:

    Man kann nur staunen. Es bewegt sich etwas das so manchem nicht gefallen dürfte.

    Auch in Südamerika ist das Militär schon lange nicht mehr nur eine Marionette die man dazu benützt auf seine eigenen Landsleute zu schiessen. Der Volkswillen wird so langsam ernst genommen.

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
  1. mauricehh321 sagt:

    Was passiert wenn nach einer erfolgreichen Revolution
    (In Jemen, Saudi Arabien), die Machthaber nicht mehr mit dem Westen kooperieren?

    Neuer Krieg ?

  1. Lebenskunst sagt:

    Vor ein paar Tagen hiess es noch in Japan "nur noch ein Tag für den Supergau" und jetzt hören wir gar nichts mehr. Ist Libyen so spannend dass wieder alles vergessen geht? Oder...

    Meine Logik sagt mir; wenn nichts passiert ist, dann würde es heissen "das schlimmste wurde verhindert" (wir sind Helden), aber wenn man nichts hört, gehe ich davon aus, dass der Supergau stattgefunden hat. Welche Regierung würde ein solche Nachricht raus lassen wie; Supergau stattgefunden, 40 Millionen nicht evakuierbar, Tokio stirbt?

    Was meint ihr dazu?

  1. xabar sagt:

    Das ist die Wirkung von friedlichen Massenprotesten: dass wenn sie nur lange genug andauern und in die Breite wachsen, eines Tages Risse in der herrschenden Klasse entstehen, die der Anfang vom Ende eines unterdrückerischen Regimes sind.

    Jetzt sind nicht nur Teile der Armee auf die Seite der Revolution übergewechselt, sondern auch fünf Botschafter in europäischen Staaten, dazu die Botschafter in Syrien, in China und noch einige andere, aber was wichtiger ist: ein wichtiger Stammesführer, der des Haschid-Stammes, zu dem Abdullah Saleh selbst gehört, ist ebenfalls auf die Seite der Revolution getreten.

    Auch der Gouverneur von Aden hat dies getan und die Houthis kontrollieren inzwischen den Norden des Jemen.

    Nur noch eine ausländische Intervention kann das pro-amerikanische Regime retten.

    Und diese Intervention gibt es bereits: die Saudis sind seit einigen Monaten im Lande und auch die USA haben vor einiger Zeit 'Einsätze gegen Al-Qaida' geflogen, ohne dass dies an die große Glocke gehängt wurde.

    Aber: Sie sind ja nun in Libyen beschätigt und überall können sie nicht sein. Wird die jemenitische Revolution vom Eingreifen des Westens in Libyen profitieren?

  1. xabar sagt:

    @Checkpoint Charlie

    Könntest du die Quelle angeben, aus der du die Zahlen entnommen hast? Danke im Voraus.

  1. @xabar
    Kein Thema!

    Die Quellangaben der meisten Zahlen hatte ich ja bereits angegeben aber offensichtlich nicht gut gekennzeichnet.

    Die Zahlen hinsichtlich der Schuldensituation sind von "The Economist" Hierzu eine umfangreiche Karte: Link

    Die "Barreserven" sind wie bereits geschrieben geschätzt. Für mich klingen die 200 Milliarden Dollar trotzdem nicht überzogen. Es handelt sich hierbei auch um das gesamte Auslandsvermögen Libyens d.h. Gaddafis und seiner fünf erwachsenen Söhne, der libyschen Notenbank sowie zahlreiche staatliche Einrichtungen. Laut Spiegel liegen diese Gelder alleine in Deutschland in Höhe von über 10 Milliarden euro vor und befinden sich bei der Bundesbank und 13 weiteren Geschäftsbanken mit Sitz in Deutschland. Und das ist nur das, was bekannt ist. Hinzu kommen noch die Gelder in diversen Tarngesellschaften, Strohmännern, Hedgefonds und natürlich das gesamte libsche Inlandsvermögen. Hier ein Beispiel, wo die 200 Milliarden "reserves" genannt werden: Link

    Die Zahlen über die Erdöl und Ergasreserven: Link

    Was die Sozialleistungen anbelangt gibt es dazu eine Umfangreiche Analyse von Paula Russo aus dem Jahre 2004. Laut meinen Recherchen haben sie sich seitdem deutlich verbessert. Hier die PDF Datei zu dem Bericht von damals: Link

    Und als letztes:
    Pro-Kopf Einkommen Libyens: Link
    Und als Vergleich, das von Polen: Link

  1. @xabar
    Kein Thema!

    Die Quellangaben der meisten Zahlen hatte ich ja bereits angegeben aber offensichtlich nicht gut gekennzeichnet.

    Die Zahlen hinsichtlich der Schuldensituation sind von "The Economist" Hierzu eine umfangreiche Karte: Link

    Die "Barreserven" sind wie bereits geschrieben geschätzt. Für mich klingen die 200 Milliarden Dollar trotzdem nicht überzogen. Es handelt sich hierbei auch um das gesamte Auslandsvermögen Libyens d.h. Gaddafis und seiner fünf erwachsenen Söhne, der libyschen Notenbank sowie zahlreiche staatliche Einrichtungen. Laut Spiegel liegen diese Gelder alleine in Deutschland in Höhe von über 10 Milliarden euro vor und befinden sich bei der Bundesbank und 13 weiteren Geschäftsbanken mit Sitz in Deutschland. Und das ist nur das, was bekannt ist. Hinzu kommen noch die Gelder in diversen Tarngesellschaften, Strohmännern, Hedgefonds und das gesamte Inlandsvermögen Libyens. Hier ein Beispiel, wo die 200 Milliarden "reserves" genannt werden: Link

    Die Zahlen über die Erdöl und Ergasreserven: Link

    Was die Sozialleistungen anbelangt gibt es dazu eine umfangreiche Analyse von Paula Russo aus dem Jahre 2004. Laut meinen Recherchen haben sie sich seitdem deutlich verbessert. Hier die PDF Datei zu dem Bericht von damals: Link

    Und als letztes:
    Pro-Kopf Einkommen Libyens: Link
    Und als Vergleich, das von Polen: Link