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Gibt’s Belgien bald nicht mehr?

Dienstag, 7. September 2010 , von Freeman um 00:05

Die Belgier sollen sich auf eine Aufspaltung des Staates vorbereiten, warnten wallonische Politiker, nachdem eine weitere Gesprächsrunde am Wochenende um das Land zusammenzuhalten gescheitert ist. „Wir müssen uns auf ein Ende von Belgien vorbereiten,“ sagte die Parteivorsitzende der Sozialisten Laurette Onkelinx in einem Interview mit der Zeitung "La Derniere Heure". Diese Einstellung wird auch vom Vorsitzenden der wallonischen Region, Rudy Demotte, eingenommen der sagte, die Zeit ist gekommen mit „allen Optionen“ zu rechnen.

Onkelinx sagte: „Hoffentlich kommt es nicht dazu, denn wenn wir uns spalten, werden die schwächsten den höchsten Preis dafür zahlen. Auf der anderen Seite können wir nicht länger den Wunsch einer grossen Mehrheit der flämischen Bevölkerung ignorieren. Deshalb, ja, wir müssen uns auf ein Auseinanderbrechen von Belgien vorbereiten. Wenn ich mir die Briefe anschaue die ich bekomme, denken viele es ist möglich.

Diese Prognose über das Schicksal Belgiens kommt von Französisch sprechenden Offiziellen, nach dem der wallonische Verhandlungsführer Elio Di Rupo zurückgetreten ist, weil die Gespräche um eine Koalition zu bilden mit der flämischen Seite wieder gescheitert sind. Seit den Wahlen im Juni gibt es immer noch keine Regierung und nur der interimistische Premierminister Yves Leterme handelt in der Zwischenzeit, während der Graben zwischen den flämischen und wallonischen Parteien immer grösser wird.

Das zentrale Thema in dieser Debatte ist der Grad an Autonomie welche die Regionen erhalten sollen. Der flämische Norden will mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Brüssel, aber die finanziell schwächeren Wallonen fürchten eine Verschlechterung ihrer Lage, weil sie von Bundessubventionen abhängig sind. König Albert II hat zwei neue Verhandlungsführer bestimmt, damit ein Konsensus doch noch gefunden werden kann.

Aber es geht nicht nur um das politische Schicksal Belgiens, sondern die Investoren und Ratingagenturen beobachten die Geschehnisse sehr genau. Das Land hat den drittgrössten Verschuldungsgrad im Vergleich zum BIP in Europa. Ein neues Staatsbudget muss her und laut Experten muss dieses drastisch gekürzt werden. Aber ohne Regierung und sogar einer möglichen Spaltung des Landes, sehen die Aussichten dafür sehr trübe aus. Die Finanzmärkte rechnen schon mit einer Trennung.

Die ganze Situation ist sehr emotional und sieht wie bei einer Ehescheidung aus. Der belgische Korrespondent der Pariser Zeitung „Liberation“, Jean Qautremer, beschreibt es so in seinem Blog: “Die französische Seite benimmt sich wie ein erzürnter Ehepartner der vergeblich versucht den anderen zurückzugewinnen, der aber schon weiter gegangen ist.“ Ob die Beziehung zwischen Wallonen und Flamen noch gekittet werden kann wird sich bald herausstellen, aber die vorher als undenkbar gehaltene Scheidung ist durchaus möglich.

Wer profitiert von diesem Zerfall Belgiens? Es mag paradox klingen aber ganz klar die EU-Diktatur in Brüssel. Warum? Weil wenn das Schule macht und andere EU-Staaten auch in einzelne Kultur- oder Sprachregionen auseinanderfallen, und diesen Trend gibt es in Spanien, Italien, Grossbritannien und anderswo, dann werden die Länderregierungen erheblich geschwächt und dafür die EU-Zentralmacht gestärkt.

Deshalb ist es auch das Bestreben der EU-Führung diese Aufteilung in Regionen zu fördern, eine Balkanisierung ganz Europas zu erreichen und die Nationalstaaten zu zerstückeln oder ganz aufzulösen. Sie stecken dahinter, denn sie kommen als Sieger dabei raus, können sich dann als zentrale Ordnungsmacht noch mehr festigen. Teile und Herrsche ist ganz klar wieder am Werk. Nur starke EU-Staaten können eine totale Machtübernahme der EU-Diktatur verhindern, schwache und kleine Regionen nicht, wenn es eh nicht schon zu spät ist.

insgesamt 22 Kommentare:

  1. mail sagt:

    Interessante Idee, dass die EU solche Teilungen fördern und nutzen könnte. Hier in Indien - wo ich grade lebe - gibt es ähnliche Zerfallserscheinungne und etliche Bundesstaaten wurden schon in zwei kleinere gespalten. Trotzdem erkennt die indische Regrierung nichts das 'positive' Potential einen Vielvölkerstaat zu in kleinere Einheiten zerfallen zu lassen - mit einer Zentralregierung.
    Und ich denke, teils tut sie gut daran sich gegen solche Aufspaltungen zu wehren, da im Endeffekt kleinere Einheiten immer auch zu einem erstarkten Interesse der Bevölkerung an Politik und Beteiligung führen. Letzteres kann sich die EU aber nicht leisten.
    Daher glaube ich, dass diese art des 'divide et impera' nach hinten los geht und zwar die Nationalstaaten schwächt, aber das politische Bewusstsein der Basis (der Bürger) stärkt.

  1. drdre sagt:

    Völlig klar gesehen.. d.h. die Schrebergartenmentalität in einzelnen Europäschischen Ländern kann langfristig die noch verbleibende Restdemokratie auflösen. Inwieweit dies aus Brüssel gesteuert wird, darüber ist es schwer zu spekulieren. Es werden sich aber auch, innerhalb des Eu Parlamentes , Gegner gegen solchen Bestrebungen formieren.
    Denn rein monitär sind wir ja schon abhängig von Brüssel. Da werden uns die Entscheidungen schon diktiert.

  1. ..78oe sagt:

    Aber die sogenannten unabhängigen Nationalstaaten sind doch schon allesamt EU-hörig.
    @mail: das erstarkte Interesse ist ja gut, trotzdem kann man die Kleinstländer dann gegeneinander ausspielen, wenn diese sich nicht einigen - und da haben wir das Dilemma wieder...

  1. Milton sagt:

    Teil 1

    Was soll man sagen? Und Hercule Poirot weinte...

    "La Derniere Heure", der Name der Zeitung hat schon beinahe prophetische Qualitäten.

    Als Nigel Farage vor einiger Zeit Belgien ein "nicht-Land", ein "no-land" genannt hat, habe ich nicht verstanden, was er damit gemeint hat, aber jetzt verstehe ich es. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht interessant einen Blick auf das Schweizer Modell zu werfen: Auch hier leben unterschiedliche Kulturräume, also der deutsche, der französische und der italienische Teil der Schweiz relativ friedlich miteinander, resp. Nebeneinander. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die Mentalitäten dieser Sprachregionen erstaunlich unterschiedlich sind. Mit dem islamischen Kulturraum innerhalb der Schweiz verhält es sich allerdings ganz anders, aber das ist eine andere Geschichte.

    Zu glauben, kulturelle Divergenzen müssten nun zwangsläufig zu einer separatistischen Tendenz führen, halte ich für einen Denkfehler. Suchte man in der Alpenrepublik nach separatistischen Bewegungen, deren Mitglieder eine Aufspaltung der Schweiz fordern, so könnte man in der Tat lange suchen.

    Andererseits scheint sich doch überall auf der Welt eine Art von Unfriede gegenüber dem Anderen, dem Fremden auszubreiten. Was aber für soziologische Mechanismen, was für interkulturelle Prozesse spielen sich hier ab? Dass es sich bei solch interkulturellen Konflikten nicht um eine genetische oder soziologische Notwendigkeit handeln muss, zeigt sich in der Alpenrepublik deutlich.

    Gewiss haben die üblichen Verdächtigen, wie die Bilderberger und sonstige Globalismus-Extremisten ein Interesse daran, die Schweiz, wie auch andere Nationalstaaten, in ihrer Integrität und Souveränität zu zerschlagen, damit die daraus resultierenden Teilrepubliken quasi von ihren sprachlichen Mutterländern absorbiert werden können, denn die sind, was die Schweiz anbetrifft, allesamt in der EU, aber ein solches Ansinnen dürfte zum Scheitern verurteilt sein.

  1. Milton sagt:

    Teil 2

    Gerade wenn man sich kulturelle Minderheiten, wie die spanischen Basken betrachtet, so scheinen separatistische Tendenzen vorprogrammiert zu sein. Was aber unterscheidet die baskische Minderheit in Spanien von sagen wir der tessinischen Minderheit in der Schweiz? Besteht das Problem wirklich in der Tatsache des Vorhandenseins unterschiedlicher Kulturen und Mentalitäten? Oder verhält es sich bei der Interaktion zwischen unterschiedlichen Kulturräumen nicht vielmehr so, wie bei der Interaktion zwischen unterschiedlichen Individuen?

    Immerhin besteht ein Mensch aus Milliarden von biologischen Zellen, die jede für sich als Lebenseinheit betrachtet werden kann, und sind diese Zellen nicht auch ganz unterschiedlich? Und doch kooperieren sie auf eine sehr produktive Weise miteinander. Man stelle sich quasi eine kulturelle Gleichheit unter den Zellen vor, sagen wir es gäbe nur Leberzellen, der menschliche Organismus würde daran augenblicklich zugrunde gehen.

    Gerade die biologische Diversität unter den Zellen macht den komplexen menschlichen Organismus erst möglich. Wieso aber sollte eine kulturelle Diversität unter den Lebenseinheiten eines Staates denn dann zu dessen Zerfall führen müssen? Könnte diese Diversität nicht auch zu mehr Stärke führen? Ist es denn eine Schwäche der Schweiz, diese kulturelle Pluralität aufzuweisen?

    Ist es nicht vielmehr so, dass es ein Mangel ist, sei es nun psychischer Mangel, wie Angst, sei es materieller Mangel, wie Geldmangel, sei es spiritueller Mangel, wie die Abwesenheit des Bewusstseins eines liebenden himmlischen Vaters, die uns feindselig werden lassen, die uns gegeneinander aggressiv werden lassen, die dazu führen, dass wir eine Art von egoistischer Gruppenidentität entwickeln, eine Art von kulturspezifischer Prioritätensetzung?

  1. Milton sagt:

    Teil 3

    Ist es nicht gerade der Wohlstand, also die Abwesenheit dieses Mangels, der die helvetische Multikulturalität erst möglich macht? Wem es schlecht geht, der wird egoistisch, und wer alleine zu schwach ist seinen Egoismus verwirklichen zu können, der tut dies eben im Kollektiv. Und Kollektive werden gebildet anhand von kollektiven Eigenheiten, die man aufweist, anhand von kulturellen, sprachlichen, genetischen oder sonstigen gemeinsamen Merkmalen der Identifikation.

    Das Böse ist stets das Andere, das Fremde, das eben jene spezifischen Merkmale der kollektiven Identität nicht aufweist. Und diese Eigenheiten dienen eben gerade dem Zweck Andere, Fremde ausgrenzen zu können. Sie dienen dem Zweck, die Anzahl der einem Kollektiv angehörenden Lebewesen reduzieren zu können, um somit deren Versorgung sichern zu können, indem man den ausgegrenzten Lebewesen die Mittel, ja selbst deren Leben entzieht, und sei es mit brutalsten Methoden.

    Oder anders gesagt, selbst bei einer totalen kulturellen und mentalen Gleichschaltung der Menschen, wird dies Konflikte nicht dauerhaft lösen können, solange es unter diesen Menschen materiellen, psychischen und spirituellen Mangel gibt, und die mit ihm einhergehenden Verteilungskämpfe.

    Man könnte es auch so sagen: Manchmal haben sogar eineiige Zwillinge Streit untereinander. Und wenn die Eidgenossenschaft mit ihrer Pluralität gedeihen kann, dann braucht Belgien nicht an seiner Pluralität zu zerbrechen.

    So ist es.

  1. Bugsi sagt:

    Sagen wir mal die Eu hat die gute gelegenheit ergriffen um teile und herrsche zu ihren gunsten zu bringen.
    Die französisch sprechenden Menschen sind noch nie klar gekommen mit den Flamen.Also nicht wie es sollte.Leider.
    Und das schon bestimmt seit fünfzig Jahren.
    Das Land wird sich teilen.
    Der französich sprechende teil wird bestimmt von Franckreich anektiert und der andere teil eben zu Holland?
    Scheint die einzige lösung zu sein?

  1. Der 3. Weg sagt:

    Es sind immer die kleinen, sprachlich gebundenen Stammeskulturen die über Jahrunderte, wenn nicht zu sagen, Jahrtausende überleben. Darin sieht man die bewährte Grösse eines Kulturvolkes.

    Nur gemeinsam getragener Wohlstand und gemeinsam ertragene Freuden und Leiden schweisst sich zu einer lebendigen Zelle innerhalb der Menschheit als Körper insgesamt zusammen.

    Dies ist ein unbewusster, aber sinnvoller Prozess des menschlichen Wachstums. Jedes Einmischen erzeugt Widerstand. Zwang führt zur Zerstörung. Künstlichkeit zum Zerfall. Das Gruppenbewusstsein darf nicht übergangen werden. Deshalb hat die NWO keine Zukunft! Es ist ein Irrweg. Bildet Gruppen von unten. Sogenannte Genossenschften um dem im Kleinen entgegenzuwirken.

  1. argligsurgel sagt:

    Wenn Belgien wirklich zerfallen sollte, was passiert dann mit Brüssel?? Wird das dann ein Stadtstaat?

  1. Die Strippenzieher wollen nur das wir denken dass alles was passiert von ihnen so gewollt ist und möchten uns sagen dass wir eh keine Chance mehr haben.

    Aber nein so ist es nicht! Ich denke eher je mehr Souverenität die einzelnen Regionen bekommen, desto schneller wird die EU zugrunde gehen. Wenn dann z.B. in Flamen die Nationalisten an die Macht kommen, wieso sollte die in der EU bleiben wollen?

    Oder mal angenommen Südtirol wird ein eigener Staat, werden die Südtiroler in der EU bleiben wollen?

    Also ich möchte sagen: Nicht alles so negativ sehen! Wir haben mehr Freunde als es unseren Feinden lieb ist!

  1. Apeiron sagt:

    Ginge es nach der Südtiroler Bevölkerung würde der Freistaat (dann natürlich unter dem Namen Tirol, denn das heutige Süd-Tirol ist das eigentliche Tirol) wohl eher nicht in der Eu bleiben. Die Zustimmung zur EU sinkt auch hier immer mehr.

    Es gibt in Südtirol immer mehr Diskussionen zum endlichen Los von Rom, vor allem da in Italien die Tendenz zum Faschismus immer stärker zunimmt. Erst letzte Woche fand ein Konzert einer faschistischen Band unter Schutz der Carabinieri (sind Teil des Militärs) in Südtirol statt.
    Zusätzlich versucht die Regierung auch weiterhin die Autonomie auszuhölen und die Italianisierung voranzutreiben (siehe Schilderstreit erst vor kurzem, wo unter anderem mit dem Einmarsch des Militärs gedroht wurde, sollten nicht alle noch einsprachigen deutschen Wegweiser auf den Bergen auf italienisch übersetzt werden, sprich Tolomeis Werk fortgesetzt werden).

    Es fehlt nur noch der erste Stein der alles ins Rollen bringt.

  1. Pascal sagt:

    also ich bin Belgier und wohne auch hier. Wie das Weitergehen soll...keine Ahnung. Was viele nicht wissen; es gibt in Belgien auch eine deutschsprachige Gegend, wir haben hier deutschsprachiges Parlament, Politiker, usw. Wir, also die deutschsprachigen (+- 30000 Menschen) sind dann wohl noch die einzigen Belgier :). Zu Deutschland will, glaube ich, keiner; höchstens zu Luxembourg (wegen der Steuer :) ). Schon sehr spannnende Zeiten.

  1. Grufti sagt:

    Wie regelt der Maastrich-Vertrag die Aufteilung eines Landes?
    Sind automatisch beide Landesteile EU Mitglieder? Wenn nein, muss je ein Beitrittsgesuch gestellt werden?

    Ein Zerfall in Teilländer würde, so meinte ich, nicht unbedingt die Zentrale in Brüssel stärken, sondern eher schwächen. Es gäbe ja immer mehr Länder, deren Interessen unter einen Nenner zu bringen wird kaum möglich sein, sonst müssten sich diese ja nicht aufspalten. Ist Deine Schlussfolgerung nicht ein wenig gewagt? Ist keine Kritik, nur eine Frage.

  1. Markus sagt:

    Ich hätte einen Vorschlag für eine alternative Überschrift:

    Belgien schafft sich ab
    ;)

  1. Sly sagt:

    @ Pascal:

    Weißt Du auch Gründe, warum Deiner Meinung nach niemand aus Eupen-Malmedy wieder zurück zu Deutschland will?

    Gruß,
    Sly

  1. Ella sagt:

    @arglisurgel:
    Bruessel wird dann wohl nach US/ Washington D.C. ein federal District und als Zentralregierung sich in alles einmischen und gleichzeitig " weit" weg sein, von den Tagesproblemen der einzelnen Staaten.
    Die Stadt selbst kann dann einen Ausnahmestatut wie D.C. haben, ein Major mit 13 Cityabgeordneten. Jedoch kann der Congress( europ. Parlament) jederzeit bestimmen welche Gesetzgebung in der Stadt herrscht.

  1. Skeptiker sagt:

    Wem nützt es wenn die EU-Nationalstaaten sich aufspalten?
    -> Brüssel

    Wem nützt es wenn die EU sich aufspaltet in starke Nordländer und schwache Südländer?
    -> USA

  1. drdre sagt:

    @Wenn Belgien wirklich zerfallen sollte, was passiert dann mit Brüssel?? Wird das dann ein Stadtstaat?

    Schöne Frage .) Vielleicht das "Athen" der EU.

  1. xabar sagt:

    Die herrschenden Kreise in der EU, und das ist in erster Linie das deutsche und französische Monopol-, sprich Finanzkapital, werden alles daran setzen, dass separatistische Bestrebungen in Staaten wie Belgien unterdrückt werden. Es ist nicht im Interesse dieser dominanten Kräfte, die die EU kontrollieren - also die großen deutschen und französischen Gesellschaften und Banken - dass es zwei belgische Staaten, statt einen gibt. Damit würde ein Fass aufgemacht werden: Man müsste dann auch den Basken, den Katalanen usw. eine größere Autonomie oder sogar einen eigenen Staat zubilligen. Das will man aber nicht, um das Herrschaftssystem der EU, das man sorgsam über Jahre hinweg aufgebaut hat, nicht von innen heraus auszuhöhlen und um nicht regionale, EU-kritische Kräfte nach oben kommen zu lassen.

    Man ist nur für Teilstaaten wie Kosova oder Bosnien-Herzegovina usw., weil diese Staaten einem Staatenverbund angehörten, nämlich Jugoslawien, der sich der EU-Herrschaft widersetzte und Wert auf seine Neutralität und Unabhängigkeit legte, der sich mit der Dritten Welt verbündete. In so einem Fall ist man für die Kleinstaaterei, aber nicht im Falle von Belgien oder Spanien! Man muss immer unterscheiden.

    Der Aufschwung des Seperatismus hängt damit zusammen, dass viele Menschen sich von der EU-Bürokratie, von der EU-Diktatur, nicht (mehr) vertreten fühlen und mehr zu sagen haben wollen. Er hängt damit zusammen, dass die Verteilungskämpfe zunehmen. Man will keine Steuern an Behörden zahlen, die das Geld in Projekte stecken, die einem selbst fern liegen. Je stärker diese Verteilugnskämpfe werden und je schlechter es der arbeitenden Bevölkerung in den EU-Ländern geht, umso mehr wird diese Tendenz zunehmen. Sie hat nichts, wie Milton meint, mit dem zunehmenden Hang zu tun, dem 'Fremden zu misstrauen'. Diese Geschichte ist das Ergebnis von zunehmenden rassistischen und ausländerfeindlichen Tendenzen, die bewusst von oben in die Bevölkerung hineingetragen werden. Dafür könnte ich Beispiele anführen.

    Es ist also eine ganz andere Kiste.

    Hier gilt es klar zu unterscheiden zwischen dem, was herrschende Ideologie ist, wie der zunehmende Rassismus und die Islamophobie, und den Autonomiebestrebungen, die soziale, wirtschaftliche und auch kulturelle Wurzeln haben und aus der Bevölkerung, also nicht von oben, sondern von unten kommen und sogar emanzipatorischen Charakter haben.

  1. Der 3. Weg sagt:

    Würde Kommunikation und Kooperation dem menschlichen Verstand klargemacht werden können, gäbe es keine Gegensätze mehr sondern eine gemeinsame Aufgabe. Nämlich der Evolution zu entsprechen und ganz einfach Wohlstand für alle zu schaffen. Dann wären die kulturellen Unterschiede eine Bereicherung und kein Störfaktor. Sogar Religion könnte man dann geniessen und würde eine Bereicherung sein anstatt ein Sauertopf.

    Volksgruppen würden zusammenfinden und alles würde sich von selber regeln. Der Glaube an leichtverdientes Geld anstatt in die Hände zu spucken bringt alles durcheinander. Der jetzige Zerfall ist nur der Anfang des kommenden Chaos. Vielleicht geht es so wie mit der Sowjetunion. Man braucht keine Bomben mehr zu schmeissen. Man beginnt zu begreifen, dass es eine höhere Macht gibt die man nicht einkalkulieren kann. Nicht einmal die Schmarotzergilde und die NWO-Jünger.

  1. Pascal sagt:

    @ Sly

    nehme an das diese Meinung noch aus der Krieg/Nachkriegszeit kommt. Oder aber einfach, so wie die Leute halt sind, einfach daran liegt das Deutschland die selbe Sprache spricht wie "wir" und wir deshalb uns durch unsere Nationalität unterscheiden wollen. So wie die deutschsprachigen Schweizer wohl auch nicht zu Deutschland zählen wollen würden. Es fehlt einfach der Gedanke der Einheit; Global gesehen wir als Menschheit.

    übrigens sind wir hier circa 80000 dt-sprachige Belgier; ich korrigiere meine angenommenen 30000 (war ja weit unterschätzt :) ).

    Gruss.

  1. Sly sagt:

    @ Pascal:

    Danke für Deine Einschätzung.

    Gruß Sly