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Israel erlaubt Ägypten Truppenstationierung im Sinai

Montag, 31. Januar 2011 , von Freeman um 18:00

Laut israelischen Offiziellen haben sie einer Stationierung von ägyptischen Soldaten auf der Sinai-Halbinsel zum ersten Mal seit Unterzeichnung des Friedensvertrages vor 30 Jahren zugestimmt. Der Grund seien die andauernden Protestaktionen welche das ägyptische Regime gefährden. 800 Soldaten sollen in den Sinai verlegt werden, ägyptisches Gebiet, welches bisher entmilitarisierte war. Israel ist über seine Südgrenze besorgt und die Palästinenser könnten die Ereignisse in Ägypten nutzen, um Waffen rein zu schmuggeln, meinen sie. Die ägyptischen Soldaten sollen das verhindern.

Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten beinhaltet damals die Klausel, Israel räumt den Sinai, den sie durch den Krieg erobert hatten, dafür stationiert Ägypten keine Truppen dort. Das jetzt Israel so schnell doch ägyptische Truppen erlaubt, ist ein Zeichen, wie besorgt sie über einen Sturz ihres befreundeten Diktators sind.

Der israelische Präsident Shimon Peres bestätigte mittlerweile die positive Einstellung des Landes gegenüber Mubarak und sagte: “Wir haben bisher und haben immer noch einen hohen Respekt“ für Mubarak. „Ich sage nicht, er hat alles richtig gemacht, aber er hat eines gemacht, für das wir ihn alle danken: Er hat den Frieden im Nahen Osten erhalten,“ sagte Peres am Montag.

Was Israel unter Frieden versteht, ist aber nicht was man sonst darunter meint. Es ist die Friedhofsruhe mit tausenden palästinen- sischen Gräbern und einer entrechteten Bevölkerung, die im grössten Freiluftgefängnis der Welt dahinvegetiert.

Eine Kugel in den Rücken durch Uncle Sam

Israelische Zeitungskommentatoren drücken ihren Unmut über die Vorgehensweise von Washington gegenüber Mubarak deutlicher aus und nennen es ganz offen Verrat. Aviad Pohoryles der Zeitung Maariv schrieb einen Artikel mit der Überschrift: „Eine Kugel in den Rücken durch Uncle Sam“. Darin beschuldigt er Barack Obama und Hillary Clinton, sie würden eine naive, selbstgefällige und engstirnige Diplomatie, ohne Beachtung der Risiken, betreiben.

Wer berät die eigentlich?“ fragte er, „der Mob auf den Strassen von Ägypten? Wie kann man den Kopf der Person verlangen, der vor fünf Minuten noch ihr bester Alliierter war ... und fast die einzige zurechnungsfähige Stimme im Nahen Osten?

Und Ari Shavit sagte in der Haarez, Obama hat einen „moderaten ägyptischen Präsidenten, der loyal zu den Vereinigten Staaten steht,“ verraten, „der Stabilität und Zurückhaltung fördert.

Um die arabische Bevölkerungsmeinung zu gewinnen, riskiere Obama den Status der Supermacht und eines verlässlichen Alliierten, meint er.

In ganz Asien, Afrika und Südamerika sehen die Staatsführer, was zwischen Washington und Kairo abläuft. Jeder versteht die Botschaft: Amerikas Wort ist wertlos ... Amerika hat sie nicht mehr alle.

Wie ich schon in meinem vorhergehenden Artikel berichtet habe, Israel ist in Panik über was in Ägypten passiert und will den Status Quo der Diktatur erhalten, egal ob die ägyptische Bevölkerung einen demokratischen Wandel wünscht. Die angebliche "einzige Demokratie" im Nahen Osten will keine Demokratie bei den Nachbarn. Ist ja auch klar warum, mit Diktatoren lässt es sich besser Vereinbarungen treffen, die das Volk nicht will.

Aber Israel muss sich da keine Sorgen machen. Washington ist ja nicht dumm, sondern sie ziehen eine Show ab, um den Anschein auch gegenüber ihren eigenen Leuten zu wahren. Die Verhandlungen zwischen Pentagon und der ägyptischen Armee laufen auf Hochtouren. Sie haben ihnen nicht umsonst Milliarden an Militärhilfe gegeben. Wahrscheinlich wird gerade bestimmt, wer der Nachfolger von Mubarak sein soll, damit das ägyptische Volk beruhigt ist. Die hörige Machtstruktur soll die gleiche bleiben.

Ob die Ägypter das durchschauen und akzeptieren, ist eine andere Frage. Was man bisher beobachten kann, werden sie sich nicht abspeisen lassen.

Folgendes Video zeigt den neuen Stolz der Ägypter auf ihr Land und die Solidarität untereinander. Das Motto lautet: "Ägypten sauber halten!"

insgesamt 8 Kommentare:

  1. Israel liefert Waffen für die Polizei und DumDumGeschosse und verbotenes Tränengas an die Armee Ägyptens.
    http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/120411-proteste-in-aegypten-kairo-importiert-waffen-aus-israel
    Die Armee zieht sich aus den Zonen der Verbrüderung mit dem Volk zurück. Die Armee beginnt Betonsperren um wichtige Gebäude und auf zentralen Plätzen Kairos zu errichten. In einem minutenlangen Monolog berichtet im Live Stream von Al Jazeera englisch eine nicht namentlich genannte Korrespondentin (telefonisch vom Tahrir Platz, heisst es) von der Angst der Ägypter im siebten Tag des Volksaufstandes gegen den Diktator.

    Den Menschen ginge es in erster Linie gar nicht um Freiheit. Viel wichtiger seien ihnen Sicherheit. Sicherheit. Sicherheit. Vor allem vor den Plünderungen und dem Vandalismus und dem ganzen Chaos.
    http://www.radio-utopie.de/2011/01/31/agypten-ticker-volksaufstand-tag-7/#more-47249
    Offensichtlich setzt Mubarak auf die Kumpanei mit Israel, die Frage wird sein, ob ihm die Armee folgen wird.
    Der Rückzug der Armee kann bedeuten, dass morgen beim Marsch der Millionen die Polizei und Sicherheitskräfte und agent provokateur ein chaos anzurichten versuchen werden, um dann mit Militär Ruhe und Ordnung massiv durch zu setzen. Die uneingeschränkte Rückdeckung Israels hat Mubarak dabei.

  1. m. sagt:

    Der sog. neue Vize, Omar Suleiman, ist auf jeden Fall ein absolut schräger Vogel. Unter seiner Regie wurden die Aussagen Erfoltert mit denen das CIA dann vor dem Kongress sagen konnte, Saddam Hussein hat Verbindungen zu Bin Laden bzw. "Al-ach ihr wisst schon"
    Womit dann Bush's "Achse des Bösen" "bewiesen" war.

    Hier wird das aufgedröselt:
    http://www.newyorker.com/online/blogs/newsdesk/2011/01/who-is-omar-suleiman.html

  1. Eliah sagt:

    Hmmm Gedanken Gedanken, ob der Funke vielleicht überspringt? Nach Klagenfurt Wien Berlin? Schön langsam bekommt ja auch die Öffentlichkeit mit, wen die sogenannten westlichen Demokraten unterstützen!
    Hmmmm Zeit wirds

  1. Die Frage nach dem Verhalten des Militärs und der Polizei sollte auch wichtig für uns Europäer sein.

    Der die Aufstände in den Ghettos niedergeschlagen hat als Innenminister ist nun Präsident von Frankreich.

    Die Wehrpflicht wird in Deutschland abgeschafft, die Armee umgebaut, Bundeswehreinsätze im Innern ein Thema. Die Ausweitung der Polizeigewalt seit Heiligendamm zementiert. Agent Provokateur installiert.

    Und auf allen Kanälen kommt der Volksaufstand im Nahen Osten.

    Die ANDEREN, das sind WIR!

    Wir können kaum was machen, außer dazulernen, falls es irgendwann mal bei uns soweit ist.

    Doch sollten wir uns vorallem Gedanken über ein danach machen, statt uns anstecken zu lassen und blindlings auf die Straße zu rennen. Eine Revolution reicht oftmals für ein Leben lang. Die Energie und der aufgestaute Ärger und die Wut ist dann für lange Zeit weg.
    Da sollte vorher schon klar sein, was Artikel 146 des Grundgesetzes für eine Bedeutung hat.

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
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  1. xabar sagt:

    Was wir auch inzwischen wissen, ist, dass Israel Mubaraks 'Sicherheits'kräften spezielles Tränengas geliefert hat. An einem Einsatz mit diesem Tränengas kam erst vor 14 Tagen eine Palästinenserin ums Leben, die gegen die Apartheid-Mauer friedlich demonstriert hatte. Ich habe die Bilder gesehen, wie sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Sie starb dort.

    Es hieß von israelischer Seite, sie sei an einer 'Vorerkrankung' gestorben. In Wirklichkeit wurde sie regelrecht 'vergast'.

    Netanyahu, der niveauvolle israelische Ministerpräsident, hat die ägyptischen Demonstranten als 'streunende Hunde' bezeichnet.
    Natürlich ist es bei einer solchen rassistischen Einstellung nur logisch, dass alle Mittel erlaubt sind, um solche arabischen Tiere von der Straße zu vertreiben.

  1. Chris sagt:

    könnte mir vorstellen, das die Amerikaner einigermaßen ratlos sind, wie sie in Zukunft ohne Diktaturen zu unterstützen, die Völker ruhig und kontrollierbar halten wollen. Denn egal wie sie es verkaufen..den Leuten wird es deshalb langfristig niemals besser gehn (vielleicht sind die hohen Analphabetenquoten sogar ein Segen um einen Teil der Propagande zu entgehn)..und wenn man sich die Vergangenheit anschaut und die momentane wirtschaftliche Lage insbesondere der Amerikaner..kann man wohl nicht auf ein Einlenken (wenn das aus der Sicht der Machthaber überhaupt eine Option ist) hoffen..sondern eher auf übelsten AKTIONISMUS..nach dem Motto: um jeden Preis..was ich nicht hoffe