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Anruf bei Fed-Chef Ben Bernanke

Donnerstag, 20. Januar 2011 , von Freeman um 20:00

Hier eine Aufzeichnung eines Gespräches zwischen dem Vorsitzenden der People’s Bank of China, Zhou Xiaochuan, und dem Präsidenten des Federal Reserve System, Ben Bernanke, das uns zugespielt wurde.

Ben: Hallo, wer ist da?

Xhou: Ja, hier ist Zhou Xiaochuan.

Ben: Wie? Ich hab nichts beim Chinesen bestellt.

Xhou: Nein, hier ist nicht Ihr Chinese um die Ecke, hier ist der Vorsitzender der People’s Bank of China, Zhou Xiaochuan, aus Peking. Sie wissen, der, der Ihre ganzen Treasury Notes kauft und grösster Gläuber ist.

Ben: Ach so, ja natürlich, ... und ein freundliches "Ni hao'" an Sie.

Xhou: Shalom.

Ben: Ja, das ist mein Zweitname, ... duzen wir uns?

Xhou: Nein, ich wollte Sie nur begrüssen.

Ben: Ach so, ja richtig und Friede auch mit Ihnen.

Xhou: Ich will Ihnen nur unseren Beschluss der letzten Ratssitzung mitteilen, nach dem wir mit dem Vorsitzenden des Staatsrates und mit dem Staatschef Hu Jintao uns beraten haben. Ich hoffe Sie sitzen.

Ben: Wieso? Ach so, jetzt kommt ein Witz.

Xhou: Ja, könnte man sagen.

Ben: Also, legen Sie los, ich liebe Witze.

Xhou: Sie können Ihren Plan, für 600 Milliarden Dollar Treasury Notes zu kaufen, aufgeben.

Ben: Machen sie Witze? Wir haben das in unserem obersten Gremium, im Federal Open Market Committee, mit 10 zu 1 beschlossen. Das kann ich nicht einfach ändern.

Xhou: Wir glauben, das ist keine weise Finanzpolitik. Es wird den Wert des Dollars erheblich senken und Ihr Amerikaner werdet weniger Waren bei uns kaufen.

Ben: So sehe ich das nicht. Damit stützen wir die Banken und den Aktienmarkt, mit dem Geld wird mehr investiert, die Amerikaner haben wieder Arbeit und kaufen dann mehr billigen Plunder ... ich meine schöne Sachen von Euch.

Xhou: Sie überschwemmen den Markt mit Dollars, was diesen an Wert verlieren lässt, was die Importpreise erhöht, womit die Amerikaner sich weniger aus dem Ausland leisten können.

Ben: Ach, das ist die alte Denke. Das ist die überholte Logik von Adam Smith und Milton Friedman und diesen Spinnern der Wiener Schule. Wir machen die neue Ökonomie.

Xhou: Wir sehen das anders. Wir ziehen die alte Ökonomie vor.

Ben: Den Keynesianismus?

Xhou: Nein, älter.

Ben: Aber nicht die marxistische Wirtschaftstheorie von Marx und Engels?

Xhou: Nein, noch älter.

Ben: Aber doch nicht den Merkantilismus?

Xhou: So nennt Ihr das. Wir nennen es das Export getriebene asiatische Wirtschaftswunder.

Ben: Aber die Merkantilisten wollten Gold horten. Ihr hortet kein Gold, sondern unsere Treasury Notes.

Xhou: Deswegen ruf ich ja an.

Ben: Wegen Gold?

Xhou: Nein, wegen der amerikanischen Staatsverschuldung.

Ben: Was ist mit der?

Xhou: Die ist viel zu hoch.

Ben: Sie tönen wie Ron Paul.

Xhou: Ach ja, Kongressabgeordneter Ron Paul. Ich habe gehört, er wird der Vorsitzende des Finanzausschusses. Mit ihm werden Sie noch interessante Diskussion führen.

Ben: Oh … da rede ich lieber mit Ihnen über die Verschuldung.

Xhou: Wir haben festgestellt, ein Rückkauf der Treasury Notes in Höhe von 600 Milliarden durch Quantitive Easing, also mit Gelddrucken, wird die Verschuldung erhöhen und gleichzeitig die Zinsen senken.

Ben: Ja, das denken wir auch. Niedrige Zinsen sind gut.

Xhou: Aber wir besitzen Staatsschulden von Euch in Höhe von 1 Billion Dollar.

Ben: Ja, Ihr solltet noch mehr davon kaufen.

Xhou: Aber wenn der Kurs des Dollar fällt, dann haben wir einen Wertverlust.

Ben: Und? Ihr solltet trotzdem mehr kaufen.

Xhou: Wir haben entschieden weniger zu besitzen.

Ben: Ach ja, wie viel weniger?

Xhou: 600 Milliarden weniger.

Ben: ...

Xhou: Dr. Bernanke? ... Ben? … sind Sie noch da?

Ben: Ja, bin noch da. Mir ist nur der Hörer aus der Hand gefallen.

Xhou: Wir haben entschieden, jedes mal wenn die Fed ihre monatlichen 75 Milliarden an Treasury Notes kauft, werden wir für 75 Milliarden welche verkaufen.

Ben: Das ist aber nicht Ihr Ernst? Das würde die Zinsen steigen lassen.

Xhou: Ja, aber denken Sie daran, wir besitzen sehr viel von Euren Staatsschulden. Wir müssen eine bessere Verzinsung haben.

Ben: Aber höhere Zinsen würden zu einer Rezession in den USA führen.

Xhou: Eine Rezession ginge ja noch, das wäre eine Verbesserung. Sie sind in einer tiefen Depression, die bald im Staatsbankrott endet.

Ben: Unmöglich, wir kaufen uns da raus, mit Quantitive Easing.

Xhou: Unmöglich. Wir denken es ist besser für uns, weniger von Euren Schulden zu besitzen, die nie und nimmer zurückgezahlt werden können.

Ben: Ach, haben sie keine Angst. Wir sind ja bei uns selber verschuldet.

Xhou: Nein, im Gegenteil, ihr schuldet es uns.

Ben: Das war nur bildlich gesprochen.

Xhou: Klar. Wir werden am Schluss auf einem Berg an wertlosen Schuldscheinen sitzen.

Ben: Ach was, die sind so gut wie Gold.

Xhou: Da ihre Papiere null Zinsen bringen, denken wir Gold ist besser.

Ben: Aber Gold kann man nicht essen.

Xhou: Die Treasury Notes auch nicht.

Ben: Aber wenn Ihr Dollars verkauft, fällt der Preis.

Xhou: Super, jetzt haben Sie es endlich kapiert.

Ben: Aber wenn Ihr Treasury Bonds verkauft, kann das eine Lawine auslösen. Die Zentralbanken der ganzen Welt würden auch damit anfangen.

Xhou: Das ist möglich.

Ben: Aber damit verringert sich der Wert Eures Bestandes noch mehr.

Xhou: Das stimmt. Wenn wir sehen, die Japaner verkaufen, dann werden wir alles was wir haben auf den Markt werfen, um das Zeug loszuwerden, bevor der grosse Ansturm kommt.

Ben: Aber das gebe einen Crash des Dollar!

Xhou: Das ist möglich.

Ben: Sie bluffen.

Xhou: Das ist möglich. Aber nur um Sie nochmal auf unseren Beschluss hinzuweisen, wir werden Treasury Notes jeden Monat in gleicher Höhe wie Sie kaufen, verkaufen.

Ben: Dollar für Dollar?

Xhou: Ja. Aber ich mach Ihnen einen Vorschlag. Kaufen Sie sie von uns, wir geben Ihnen einen Mengenrabatt.

Ben: Ihr Chinesen wollt mit allem ein Geschäft machen.

Xhou: Wieso? Wir geben Ihnen einen Mengenrabatt, wie wir es jeden geben werden, der uns eine Ladung abnimmt. Weg mit dem Zeug.

Ben: Aber ich habe schon meinen Kumpels bei Goldman Sachs versprochen, nur von ihnen die Treasurys zu kaufen.

Xhou: Ja, die Jungs können dann mit Front Running einen riesen Gewinn wieder einfahren. Aber nicht auf unsere Kosten.

Ben: Ich muss mir das überlegen.

Xhou: Ja, tun Sie das. Shalom!

Ben: Das ist wirklich mein Zweitname.

Xhou: Wenn Sie Ihre Schulden mit Geldrucken kaufen, werde Sie einen ganz anderen Zweitname von uns bekommen.

Ben: Welchen denn?

Xhou: Papiertiger.

Inspiriert von Garry North

insgesamt 13 Kommentare:

  1. Freidenker sagt:

    sehr geil! gut geschrieben und leider traurige wahrheit!

  1. claus sagt:

    Sehr lustiges Telefonat!
    Ab Februar startet übrigens das chinesische Jahr des Tigers … da passt der "Papiertiger" dann gut rein.

  1. Der 4. Weg sagt:

    Sehr realistisch. Das dürfte der Wahrheit sehr nahe kommen. Denn so sieht es bei diesen Menschen doch aus. Man kann diese Zocker doch gar nicht mehr ernst nehmen.

  1. jetzt stellt sich die frage: wäre es gut, wenn dieses gespräch so stattfinden würde oder haben wir noch eine alternative?

  1. drdre sagt:

    Nicht unrealistisch.. die Chinesen positionieren den Yüan schon als Alternative zum Dollar. Die Chinesischen Banken haben 2010 schon mehr Kredite vergeben als die Weltbank. Ca. 110 Mrd. Dollar.
    Insofern wird, falls es nicht ein Umschwenken der Finanzpolitik der Amis gibt , eine Konfrontation mit den Chinesen im Währungsbereich kaum ausbleiben..
    Daher auch die Anbiederung bei dem Besuch des Chinesischen Staatspräsidenten HU Jintao.
    Und dieser brachte ja auch Aufträge im zweistelligen Mrd. Bereich mit für die US Wirtschaft..Ja und man sprach von US Seite sogar die Menschenrechte an, und der Chinesische Staatspräsident räumte immerhin ein Manko ein und versprach Besserung.. na sieh mal an. Allerdings halte ich mich da lieber an den Spruch eine Ökonomen der sagte: Wer 50 % der Waren eines Staates abnimmt, der hat immer Recht.. so ähnlich kann man das wohl sehen.

  1. Justa Ment sagt:

    Was mich immer wieder staunen lässt, dass es immer noch - gerade unter den Kritikern usanischer Politik oder wie auch immer man das nennen mag - so viele Enthusiasten gibt, die den Dollar unbedingt retten wollen. Soll er doch den Bach runter! Ich mein' das ist doch genau das was gerade die Kritiker der jetzigen angelsächsischen Politik wollen! Und, ja, für eine Weile wird der Preis des Goldes steigen! Freut' euch! Weil sobald der Dollar (und damit der Dominanz der USA) in der ach so befürchteten Krise kollabiert, würde ich dann gerne mal sehen, wie Heiner Gold in die Metzgerei geht und mit seiner Gold Else ein Rumpsteak kauft. Oder vom Förster 'n Klaffter Holz - darauf freu' ich mich dann, auf die Gesichter.

    Nochmal und zum mitschreiben: die USA waren nie ein Hort der Freiheit (von Brüderlichkeit und Gleichheit (vor dem Gesetz) ganz zu schweigen). Die USA haben sich als Kolonie von Little Briten unabhängig erklärt um Profite selbst einzusacken - das ist alles, das war alles und das wird für die paar Tage ihrer verbleibenden Existenz auch alles bleiben. [Nur zur Erinnerung: wo welches Geld auch immer fließt, ist einer der zahlt und einer der kassiert. Wenn jemand Profit macht, macht ein anderer Verlust! Weil, nicht wahr, Geld ist nur der Gegenwert aller Güter und Dienstleistungen. Und nach dem Profit, also nachdem gezahlt wurde, hat jetzt ein anderer Anspruch auf Güter und Dienstleistungen, weil er ja jetzt das gezahlte Geld, den Profit, hat.]

    Und kommt mir nicht mit Ron Paul! Erstens reaktionär bis in die Knochen (von wegen Menschenfreund!) und auch der will nur die alte Größe der ZSA (Zusammengezwungenen Staaten von Amerika) wieder herstellen (Restauration, lieber Xabar, anstelle von Revolution! Reaktionär anstelle von progressiv.) Im Klartext: Auch der will nur wieder Profite machen wie in alten Zeiten.

    Bei mir schneit es zwar gerade, aber wie im April scheint gleichzeitig die Sonne. Also, lasst uns des Dramas fünften Akt genießen! In zehn Jahren gibt es auf der ganzen Welt dann STAMOKAP, den staatsmonopolistischen Kapitalismus (chinesischer Prägung). Göttlich, das Geschichte so ironisch sein kann! Die Alt68er (bin leider zu jung) lachen sich schäpps!

    Für Schweizer und andere Berg- oder Talvölker: nehmt euer Pfeifli und euer Frauli, setzt auch vorm Haus gemeinsam auf's Bänkli und genießt das Schauspiel! Ich mein, wann kann man schon mal von zuhause, vom Bänkli vorm eigenen Hüttli, zusehen wie die Titanic in die Tiefe rauscht? Und all' das Gold, das da mit rauscht! Oh mein Gott! Meiner! - Licht! Mehr Licht!

  1. xabar sagt:

    Mir wurde zugespielt, dass es sich bei dem, der dieses wikileaksmäßige Gespräch abhörte, um jemand handeln soll, der Schwietzerdütsch spricht und einen sprechenden Hund besitzen soll, der sich ab und zu zum politischen Tagesgeschehen äußert!
    Wow!! Ich meine, wuff!!

  1. Kommt zum Schluss die Peer Economy?

  1. In der heutigen Welt des >Maya<(Illusion und Täuschung) kommt dieses virtuelle Telefongespräch der Wahrheit sehr Nahe!Chapeau!
    Was soll man sonst noch dazu sagen..???

  1. Suuuper!!! Ich habe Tränen gelacht,
    schön geschrieben, fachlich ok und gespickt mit Giftpfeilen. Herzerfrischend! Leider nicht als veröffentlichtes Wikileaks-Dokument im Umlauf...schaaaade! ;o)

  1. Ella sagt:

    Auf National Inflation Assocation.com ein passender Artikel dazu" Obama missinforming Public about US Dollar und Yuan" vom 21.Jan. 11

    Die haben auch gute Videos z.B. "End of Liberty" ( ueber 1Std) How the US is heated for a total societal collapse - the most important Film of all Time.

  1. Christine sagt:

    Nachdem alle anderen Infos zum Thema gelöscht sind,(youtube, etc.) Hu Jintao hatte vor dem Betreten von Amerika mitgeteilt, dass...
    "Ein vom Dollar beherrschtes Weltwährungssystem hat nach Ansicht von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao keine Zukunft. !!!! Die Dominanz der amerikanischen Währung sei ein "Produkt der Vergangenheit", erklärte Hu in am Montag veröffentlichten Interviews mit der "Washington Post" und dem "Wall Street Journal" - kurz vor einem Gipfeltreffen...
    das wäre früher einer Kriegserklärung gleich gekommen, oder?