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Wenn man so gehasst wird sollte man gehen

Donnerstag, 27. Januar 2011 , von Freeman um 14:30

In Ägypten herrscht nicht nur eine vom Westen gestützte Diktatur seit 30 Jahren, sondern auch ein penetranter Personenkult. In jeder Strasse und jeder Ecke ist ein Bild von Hosni Mubarak aufgestellt, genau wie in kommunistischen oder faschistischen Diktaturen.

Der Personenkult ging so weit, die hörigen Medien haben sogar Bilder gefälscht, um ihn wichtiger aussehen zu lassen als er ist. Siehe: "Ägyptische Zeitung photoshopt die Realität".

Guckt euch das Video an, was die Massen jetzt mit seinen Bildnissen machen. Wenn die ägyptische Bevölkerung den Präsidenten so hasst, warum dann noch an der Macht bleiben? Wie ich in einem anderen Artikel geschrieben habe, "Mubarak, pack deine Sachen und hau ab, Saudi Arabien wartet auf dich!"



Hier der Link zu einer Liste von Sprüchen, welche die Demonstranten von sich geben oder auf Plakate schreiben.

"Oh Mubarak, geh für immer oder sonst wirst du morgen getötet"

"Hau ab du Verräter, du hast dein Land an Israel verkauft"

"Erhebt eure Stimme noch mehr, damit jeder Feigling es hört"

"Würde und Freiheit ist die Forderung aller Ägypter"

Laut neuesten Meldungen weilt Mubarak immer noch in Sharm el Sheikh und schwingt dort Reden. Aber seine eigene Regierung fordert ihn jetzt auf vom Amt zurückzutreten.

Für Freitag sind im ganzen Land Grossdemonstrationen geplant.

Foto des Tages, der Tiananmen Moment:

insgesamt 18 Kommentare:

  1. xabar sagt:

    Es gilt nicht nur Mubarak zu stürzen - darin sind sich glaube ich fast alle Ägypter heute einig - sondern das System Mubarak, das tief bis in die Strukturen der Polizei, der Sicherheitskräfte und der Geheimdienste hineinreicht, zu stürzen. Dieses Cronie-System hat jener Mubarak auch mit ausländischer Hilfe über Jahre aufgebaut und gefestigt. Kein Land außer Israel und Kolumbien hat so viele Subventionen aus dem US-Haushalt, also vom US-Steuerzahler, erhalten wie dieses - und ohne diese Hilfe hätte es der Tyrann nie und nimmer 30 Jahre auf seinem Thron aushalten können. Er wäre nach ein paar Jahren schon gegangen worden.

    Auch wenn Mubarak gehen muss, damit hat der Kampf für ein demokratisches, soziales und islamisches Ägypten erst begonnen.

  1. NuID sagt:

    Wann passiert das mit Wahlplakaten in Deutschland? s

  1. Er wird gehen müssen.Den das (sonst so protegierte) Militär wird sowieso einen Nachfolger bestellen müssen da MuBarak krank ist.
    El Baradei ist im Gespräch aber er hat nicht so viel Rückhalt bei einigen Gruppen die ihm vorwerfen nicht lange genug im Lande in der Opposition gewesen zu sein.Ich denke die USA werden Druck auf die ägyptischen Militärs machen einen Diktator aus deren Reihen einzusetzen...
    El Baradei hat den USA ja Probleme bei der "Suche" nach den "Massenvernichtungswaffen" gemacht..und diese bloss gestellt!
    Es sei denn- El Baradei ist auch nur ein Schauspieler der insgeheim für die NWO arbeitet?!

    http://derstandard.at/1295571014797/Portraet-Mohamed-ElBaradei-Hoffnung-der-Opposition

  1. Nnn sagt:

    Go Mubarak, go AWAY!

    PS: Penetrant war Ben Ali auch in Tunesien. Jeder Bäcker, jeder Fleischer, jeder Coiffeur MUSSTE sein klebriges Portrait aufhängen

  1. notanumber sagt:

    Wir können vielleicht Zeugen von etwas grösserem werden!

    Gemäss Ria Novosti erfasst die Protestwelle nun den Jemen.
    Zitat Ria Novosti:
    "In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind laut France Presse am heutigen Donnerstag tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um den Rücktritt des seit 1978 amtierenden Präsidenten Ali Abdullah Saleh zu fordern."
    http://de.rian.ru/politics/20110127/258189188.html

    Nnn kann nun schreiben Free Tunesien, Free Ägypten und Free Jemen!

  1. 0815reader sagt:

    http://www.youtube.com/user/caironow2011

    kairo die nacht von 25.01 auf 26.01.
    es wird gezeigt wie die demonstration gewaltsam aufgeloest wurde.

  1. xabar sagt:

    @NuID

    "Was passiert mit den Wahlplakaten in Deutschland?"

    Gar nichts.

    Unser System ist viel raffinierter angelegt als das ägyptische Mubarak-System.

    Der Personenkult soll natürlich dazu beitragen, ein Herrschaftssystem zu stabilisieren, soll Kritik abfangen und den jeweiligen Herrscher mit der Aura der Allwissenheit umgeben. Aber der Nachteil: Dass, wenn das Volk einmal aufgewacht ist, wie jetzt in Ägypten, dann hat es einen Fokus, auf den es seine Wut konzentrieren kann, was dazu beiträgt, eine Volksbewegung zu stärken. Bei uns vermeidet man so etwas, weil man weiß, dass das Beste, was dem hiesigen Herrschaftssystem passieren kann, wenn bestimmte Personen oder Parteien abgewirtschaftet haben, eine neue Person oder eine 'neue' Partei bereit steht, die man als Scheinalternative anbieten kann.

    Also das Abreißen von Merkel-Plakaten wäre hier völlig nutzlos, weil andere Personen, die noch nicht verbraucht sind, die Rolle Merkels übernehmen können. Auch deshalb hat es eine Volksrevolution bei uns schwerer.
    Der Kampf muss bei uns gegen das ganze korrupte System geführt werden, wozu alle Parteien, einschl. der Linken, gehören.

  1. Nnn sagt:

    @Götz v. Berlichingen
    'Ich denke die USA werden Druck auf die ägyptischen Militärs machen einen Diktator aus deren Reihen einzusetzen...'
    Seien wir mal nicht zu negativ eingestellt lieber Götz von Berlichingen und lassen wir uns hoffen, dass das ägyptische Volk es schafft, eine gute neue Regierung zu eindringlich zu fordern - und sie auch bekommt! Ich denke, sie haben irgendwie mehr Demokratie verdient als wir - immerhin gehen sie auf die Strasse und sterben dafür.

  1. Nnn sagt:

    @xabar
    'Der Kampf muss bei uns gegen das ganze korrupte System geführt werden, wozu alle Parteien, einschl. der Linken, gehören.'
    Ich kann Dir in allem, was Du da gesagt hast, nur beipflichten. Unser System ist eben Intellektuellen-Kompatibel. Wir haben kollektiv auch immer noch zu grosse Angst, um en Masse auf die Strasse zu gehen. Und wir sind selbstverständlich sehr konditioniert durch ständige VERBildungs-Verblödung. Aber mir fällt auf, das immer mehr Menschen die Kiste abschalten und selber die Wahrheit recherchieren. Ich hab grosse Hoffnung, ob für Tunesien, Aegypten oder für hier. 2011 scheint ein spannendes Jahr zu werden!

  1. skywalker sagt:

    @ Mubarak

    schwing keine Reden mehr,
    dein volk hasst dich um so mehr,
    geh in frieden fort
    dann ist Ägypten ein freier Ort.

    Die Pyramiden von Gizeh sollen in altem Glanz erstrahlen,
    und allen Menschen ihre wahre Herkunft offenbahren.

  1. xabar sagt:

    @Nnn

    Auch ich stimme mit dir in fast allem überein und teile deine Meinung bzgl. Mubarak.

    Morgen nach dem Freitagsgebet wird es ernst, Hosni Mubarak: Millionen werden zusammenströmen und ob du nächste Woche noch in Kairo sitzt oder schon auf dem Weg in die USA oder nach Saudi Arabien bist, werden wir sehen. Pessimismus ist überhaupt nicht angebracht lieber @Götz! Ägypten wird eine demokratische und islamische Revolution haben: Nationalisten, Islamisten, Demokraten, Sozialisten alle zusammen in einer großen Volkskoalition. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.

  1. pacino sagt:

    Ja, NuID, das will ich auch wissen. El Cheffe soll doch mal einen kordinierten Aufruf an uns starten und uns aufrufen an einem bestimmten Datum auf die Straße zu gehen, Banner (ASR etc.pp.) an die Fenster hängen, damit wir sehen wie viele wir sind die aktiv mitmachen. Und die dinge beim namen nennen! Wir sind viele, allein nur die die täglich hier sind, tausende!
    Am besten noch mit den ganzen anderen alternativen Medien verabreden und dann das ding durchziehen, wie lange sollen wir noch warten?
    Haben die einfachen bürger in tunesien und ägypten mehr mumm als wir in den alternativen medien? Und jetzt der jemen. Aber es muss eben koordiniert sein!
    Auch wenn viele weiterschlafen nach so ner demo, es würde vielle wachrütteln, denke ich, hoffe ich, ein versuch wärs wert oder haben wir was zu verlieren? Alle auf einmal oder gibt’s was tragendes dagegen einzuwenden? Vielleicht würde das ganze dadurch etwas beschleunigt werden!? Und das europäische ausland würde auf uns schauen.
    Ich frage euch? Dann lasst es hier raus!
    Wir deutschen in zentraleuropa haben da bestimmt eine tolle signalwirkung an alle anderen europ. Alternativen…
    Wir haben hier nun einen unerträglichen zustand erreicht! Oder auf was warten wir?
    Ich bin bereit!

  1. QWERTZ sagt:

    @xaber,

    es ist wichtig im Kopf frei zu sein. Dazu gehört auch die uns zum knabbern vorgeworfenen Knochen (Begriffe) klar zu verstehen und richtig zu nutzen.

    Um es vorwegzunehme, ich habe nichts gegen eine Demokratie (Herrschaft des Volkes, nicht unbedingt von Parteien …), im Gegenteil. Obwohl auch eine selbstbestimmte Gesellschaft, Normen und Werte braucht die nicht mit 50% willkürlich zur Disposition stehen…

    Um es auf den Punkt zu bringen, ich hätte von dir erwartet dass du entweder

    NationalISTEN, IslamISTEN, DemokrISTEN, SozialISTEN

    schreibst, oder

    Nationalen, Muslime, Demokraten, Sozialen (wobei das Eine nicht das Andere ausschließt).

  1. xabar sagt:

    @Quertz

    Das Wort 'Demokristen' existiert nicht.

    Du stellst Begriffe gegenüber wie Muslime-Islamisten, Soziale-Sozialisten, obwohl ein solcher Gegensatz tatsächlich in der Sprache, so wie sie verwendet wird, nicht existiert. Jeder, der im besten Sinn sozial eingestellt, kann auch als Sozialist gelten. Wenn bezahlte Meinungsmacher bei uns bestimmte Begriffe versuchen, negativ zu besetzen wie den Begriff 'Islamisten' (pfui!) oder 'Nationalisten', kann ich nichts dafür.

    Muslime sind auch Islamisten im eigentichen Sinne: Sie treten für ihre islamische Religion ein und dafür, sie frei und ungehindert praktizieren zu dürfen. Also sind sie auch Islamisten.

    Auch über den Begriffe Nationalismus braucht man nicht zu streiten. Jemand, der dafür eintritt, das seine Nation nicht von anderen unterdrückt und ausgeplündert wird wie die ägyptische z. B. heute, kann als Nationalist bezeichnet werden, was z. B. in der englischen Sprache völlig legitim ist.

    Bei uns versucht man, auch diesen Begriff praktisch auf die schwarze Liste zu setzen, damit man Leute einfach als Nationalist (gleich Faschist) ausgrenzen kann, um sich so weitere Diskussionen über reale Inhalte zu ersparen.

    Mit der Sprache wird Politik betrieben: Der eine sagt 'Terrorist' und der andere sagt 'Freiheitskämpfer', je nachdem wo du politisch stehst.

  1. Fatima sagt:

    Ich hoffe für ALLE Völker, nicht nur die im arabisch-orientalischen Raum, dass sie endlich ihre Freiheit erlangen. Allerdings genau wie in Tunesien wird es nicht reichen, einfach den Diktator zu vertreiben. Wer kommt danach? Die Israelis zittern ja schon vor den Muslimbrüdern.
    Zum Personenkult, das ist eine Frage der Kultur, was Westler nicht so recht nachvollziehen können vielleicht.

    Das hat jetzt nichts mit Mubarak speziell zu tun, das ist im orientalischen Raum generell üblich, den Regenten überall abzubilden, sei er im Volk nun beliebt oder nicht. Oder eben den Staatsgründer. In der Türkei hängt auch in jeder Dönerbude der Atatürk rum. Bzw. noch.

    Auch im Iran sieht man überall die Bilder des Revolutionsführeres Ayatollah Khamene´i, meist zusammen mit Ayatollah Khomeini, dem Gründer des Islamischen Staates. Der Anblick ist für mich allerdings weitaus angenehmer als ein Atatürk oder ein Mubarak.
    Möge Gott uns allen helfen...der Zionistenschreiberling Ulrich Sahm macht schon Stimmung gegen europäische Muslime in dieser Beziehung:

    "Diese geballte Entwicklung vor der Haustür Europas ist noch nicht abeschlossen. Für Europa sind das keine politischen Prozesse in der Dritten Welt, jenseits der mit Mauern und Zäunen gegen Wirtschaftsmigranten abgeschotteten EU. Die türksichen Kopftuchträgerinnen bestimmen längst nicht nur in Istanbul und Ankara das Straßenbild, sondern auch in Berlin und im Ruhrgebiet. In Frankreich haben Millionen Migranten aus dem Maghreb schon das Potential, nicht nur Vororte von Paris in Flammen aufgehen zu lassen sondern als Wählermasse den Kurs der Republik mitzubestimmen."

    http://www.hagalil.com/archiv/2011/01/26/unruhen/

    Womit wieder klar wäre, wer hier Zwietracht ins Volk trägt.

  1. xabar sagt:

    @Fatima

    Du solltest nicht von 'Westlern' sprechen, weil das abfällig klingt.

    Das Phänomen des Personenkults ist keineswegs nur eine 'orientalische' Erscheinung. In der damaligen Sowjetunion gab es einen extremen Personenkult zur Verherrlichung Stalins.

    Auch wir haben unsere Ikonen, z. B. Che Guevara, der wie ein Popstar behandelt wird. Warum? Damit sich niemand mit dem, wofür er stand, intensiv beschäftigt, nämlich mit dem Befreiungskampf in Lateinamerika.

    Personenkult ist auch noch nicht, wenn man bestimmte Bilder aufhängt. Es ist mehr: Es ist systematische Lobhudelei, die tief in die Gesellschaft eindringen soll, damit sie ihre wahren Feinde nicht erkennt und einem Götzen hinterherrennt. Diejenigen, die einen Personenkult aufbauen, denken sich etwas dabei: Sie versuchen, die Menschen emotional zu packen, ihnen das Denken abzugewöhnen, sie versuchen, künstlich Sympathien zu schaffen für Menschen, die es nicht Wert sind, um dadurch Herrschaftsverhältnisse zu stabilisieren. Aber eine Herausstellung von bestimmten Persönlichkeiten, die viel für ihr Land oder die Menschheit getan haben, ist kein Personenkult. Wenn heute in Venezuela und anderen Ländern Lateinmerikas Simón Bolívar herausgestellt wird, dann ist dies kein Personenkult, sondern ein Geraderücken der Geschichte, ein Sich-Erinnern an große Persönlichkeiten, die für die Entwicklung des Landes eine enorm positive und fortschrittliche Rolle gespielt haben.

  1. Fatima sagt:

    Sorry, sollte nicht böse gemeint sein, da ich ja selbst ein "Westler" bin.
    Ansonsten stimme ich dir zu.

  1. skywalker sagt:

    @ xabar
    "Personenkult ist auch noch nicht, wenn man bestimmte Bilder aufhängt. Es ist mehr: Es ist systematische Lobhudelei, die tief in die Gesellschaft eindringen soll, damit sie ihre wahren Feinde nicht erkennt und einem Götzen hinterherrennt. Diejenigen, die einen Personenkult aufbauen, denken sich etwas dabei: Sie versuchen, die Menschen emotional zu packen, ihnen das Denken abzugewöhnen, sie versuchen, künstlich Sympathien zu schaffen für Menschen, die es nicht Wert sind, um dadurch Herrschaftsverhältnisse zu stabilisieren."

    Sehr richtig beschrieben! Genau so ist die damit verfolgte Psychologie zur Lenkung eines Volkes, Lenin war ja auch so eine Leitfigur in der UDSSR...