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Warum der Westen im Nahen Osten alles falsch macht

Sonntag, 30. Januar 2011 , von Freeman um 19:08

Die Regierungen des Westens haben in den letzten Jahrzehnten diktatorische Regime in der arabischen Welt gestützt und am Leben erhalten, welche die eigene Bevölkerung unterdrückt und alle Formen der Demokratie verhindert haben. Mit den Aufständen die in Tunesien begannen, jetzt in Ägypten fortgesetzt werden und auch auf Jordanien, Saudi Arabien und Jemen überschwappen können, sind Washington, Paris, London und Berlin in der Zwickmühle, weil sie aufs falsche Pferd gesetzt haben.

Jetzt müssen sie einerseits ihre Alliierten und Partner an der Macht halten, andererseits müssen sie so tun, wie wenn sie die Freiheits- wünsche der Bevölkerung unterstützen und geben ihre heuchlerischen Sprüche ab. Sie wissen nicht, ob sie hinter Mubarak oder hinter der ägyptischen Bevölkerung stehen sollen. Zur Erinnerung, der Westen hat ja auch den Schah unterstützt, bevor er im Iran vom Volk gestürzt wurde. Warum haben sie das gemacht und dabei die von ihnen immer propagierten Menschrechte verraten? Warum stehen sie immer auf der falschen Seite?

Es ist ganz klar warum, weil die Aussenpolitik des Westens und speziell von Amerika, was den Nahen Osten betrifft, nur den Interessen Israels dient, ausschliesslich. Egal wie viel Unrecht in den arabischen Staaten damit schon seit 60 Jahren verursacht wird, nur was Israel will bestimmt die Politik des Westens. Eigentlich hätten sie ihre Aussenministerien direkt nach Tel Aviv auslagern können, denn dort wird gesagt wo es lang geht. Sie haben dadurch Despoten an der Macht gehalten, die mit Israel zusammenarbeiten und das eigene Volk unterdrücken und verraten. Nur, diese Politik rächt sich jetzt und sie wissen nicht was sie tun sollen. Deshalb dieses vorsichtige Taktieren und halbherzige Herumeiern.

Man kann aber die Wünsche und Rechte der Bevölkerung nicht ewig mit Repressalien unter dem Deckel halten. Jetzt kocht der Topf über und die Menschen drücken ihren Unmut auf der Strasse aus, verlangen nach Reformen und lassen sich nicht mehr den Mund verbieten. Die Ägypter haben es satt, seit 30 Jahren mit Mubarak unter Armut, Arbeitslosigkeit, Zensur und Unterdrückung zu leben. Der beste Freund des Westens und Israels muss gehen.

Die Lüge der Despoten, entweder unterstützt ihr uns weiter oder es kommen die Islamisten an die Macht, zieht nicht mehr. Diese Möglichkeit besteht gar nicht, denn die Religiösen sind eine politische Minderheit, wurden brutalst verfolgt und sind nur minimal vorhanden. Die Revolution in Tunesien und in Ägypten werden vom ganzen Spektrum der Bevölkerung getragen und hat mit dem Islam nichts zu tun, sondern mit dem Wunsch nach Freiheit.

Man merkt an den Reaktion der Politiker und den hörigen Medien, wie sie sich jetzt laufend Sorgen um Israel machen, was denn der Wandel in den arabischen Ländern für Israel bedeutet. Sie müssen nach Aussen so tun, wie wenn die demokratischen Bestrebungen, Absetzung der Diktatoren und Wahl einer neuen demokratischen Regierung etwas gutes ist und sie es befürworten. Gleichzeitig verschwinden aber damit die pro-israelischen Regime, was ihre bisherige Aussenpolitik in einem Scherbenhaufen verwandelt.

Es wurde zum Beispiel gemeldet, der Chef des ägyptischen Geheim- dienstes traf sich fast jede Woche mit seinem israelischen Gegenpart und sie besprachen, wie sie gemeinsam gegen die Palästinenser vorgehen können. Ohne der aktiven Mithilfe Ägyptens, konnte die Blockadepolitik Israels gegen Gaza gar nicht aufrecht erhalten werden. Die von Wikileaks veröffentlichen Diplomatendepeschen haben auch gezeigt, Ägypten wurde vorher über den Angriff und der Bombardierung des Gaza informiert, wie man die Hamas damit vernichten kann und wie die pro-israelische Verräter der Autonomiebehörde dann an die Macht kommen, was ihnen aber nicht gelang.

Der Geheimdienstchef Omar Suleiman wurde von Mubarak zum Vizepräsidenten ernannt. Ausgerechnet ihn, der mit den Amerikanern das ganze Rendition- und Folterprogramm durchgeführt hat. Er stellte die Geheimgefängnisse zur Verfügung, in denen die von der CIA entführten „Verdächtigen“ hingebracht und gemartert wurden. Er sorgte für die „Geständnisse“, bevor die Gefangenen dann den Amerikanern zurückgegeben und nach Guantanamo verfrachtet wurden. Aber Suleiman ist nicht nur derjenige, der für Washington die Drecksarbeit macht, sondern er ist wegen seiner Englischkenntnisse, der Verbindungsmann für alle „speziellen Beziehungen“ zwischen Kairo und dem Weissen Haus.

Die Aussenpolitik des Westens im Nahen Osten ist völlig gescheitert und die Menschen in den arabischen Ländern wissen genau, wem sie die jahrzehntelange Unterdrückung durch Diktatoren zu verdanken haben und auch warum. Die Politiker des Westens sind als doppelzüngige Heuchler entlarvt worden, die Despoten stützen, solange sie das machen was den Interessen Israels dient, egal ob darunter die Bevölkerung leidet. Aber damit ist jetzt Schluss. Der beste Fluchtort für Mubarak und seiner ganzen Drecksbande ist nicht Saudi Arabien, sondern Israel, dort ist er als ihr langjähriger Freund sicher herzlich willkommen.

Israel kann nur existieren, wenn rundherum Diktaturen sind, die so tun wie wenn sie Feinde wären, dabei voll kooperieren. Damit kann man den Militärapparat und jede Aggression gegenüber den Palästinensern rechtfertigen und auch durchsetzen. Arabische Staaten die demokratisch sind, vom Willen der Bevölkerung getragen werden und ihre Souveränität zurückgewinnen, sind aus Sicht Israels das schlimmste was ihnen passieren kann. Dann verschwindet die Ausrede und Rolle als armes Opfer, die sie so dringend benötigen.

Warum soll Netanjahu sonst als erste Reaktion am Sonntag gesagt haben, "Israel beobachtet sorgenvoll" die Entwiklung in Ägypten und laut Beobachtern laufen seine ganzen Minister rum wie aufgescheuchte Hühner, weil sich die ganze Lage plötzlich ändert. Mich würde es nicht wundern wenn Israel die Ereignisse als Grund nimmt, um in Gaza oder in den Sinai aus "Sicherheitsgründen" einzumarschieren.

Foto des Tages - Demonstraten tragen einen ägyptischen Offizier im Rang eines Majors auf den Schultern, der ihre Forderungen lautstark unterstützt:

insgesamt 10 Kommentare:

  1. xabar sagt:

    Ich würde mir wünschen, dass jetzt auch die Linkspartei Schlüsse aus den Ereignissen zieht und solchen Leuten wie Gregor Gysi, Dietmar Bartsch oder Petra Pau, die allesamt zur Israel-Fraktion in der Partei zählen, den Laufpass gibt und dass die Zionistenlobby in dieser Partei, Bak Shalom, aufgelöst wird und durch eine Palästinenserlobby 'Viva Palästina' oder 'Freunde Palästinas' ersetzt wird, damit die Glaubwürdigkeit dieser Partei nicht noch mehr Schaden nimmt und damit diese einzige Anti-Kriegspartei wieder wählbar wird.

    Nach außen tun sie so, über Gesine Lötzsch, als wären sie für einen demokratischen Kommunismus und nach innen mauscheln sie in Berlin und anderswo mit der SPD die Privatisierung des sozialen Wohnungsbaus aus. Das wird dann auch teilweise kritisiert, z. B. tut sich da die junge Welt hervor, aber Konsequenzen unterbleiben, sodass die rechten Linken in dieser Partei nichts zu fürchten haben und ungestraft ihre 'Arbeitskreise' ('Forum Demokratischer Sozialismus' ..) d.h. ihre Machtbasen, weiter ausbauen können.

    Ich hoffe, ihr vernehmt die 'winds of change' oder steckt ihr schon bis zum Hals so tief im Berliner Sumpf, dass eure Nasen nichts mehr wahrnehmen außer den modrigen Geruch des allgegenwärtigen Lobbyismus?

    Das, was im arabischen Raum passiert, hat auch und gerade Konsequenzen für die abgewirtschaftete deutsche Außenpolitik, die die Interessen der USA und Israels über die deutschen Interessen stellt. Damit muss endlich Schluss sein!

  1. skywalker sagt:

    auf den Punkt gebracht Freeman! Israel braucht diese pseudo-drohkulisse der Nachbarstaaten die nur nach aussenhin so tut als ob, und so Israel jede Kontrolle in der gesamten Region ermöglicht. Politik der Polarisation und Zwiehtracht.

  1. fethulgulub sagt:

    Ich würde sagen, der Luftballon "TERROR", den die westliche Welt mit viel Kraft und viel viel viel Geld aufgeblasen hat, ist nun endgültig geplatzt. Die Muslime sind ja doche keine Terroristen, die die Diktatur unterstützen oder gar wollen. Sie wollen Demokratie.

    Das muss erst einmal die westliche Welt verdauen.

    Und ob sie auf das falsche Pferd gesetzt haben, @Freeman.

    Ein Wunsch, vom Volke ausgehend, der Wunsch nach Demokratie und Freiheit; das passt ja nun gar nicht in die Denke der Leute, die in den Think-Tanks die Muslime=Terroristen-Theorie entwickelt haben, und auch nicht deren UnterStützern. Womit wollen denn nun die ARD- und ZDF-Talkgäste argumentieren, wenn nicht mit der Zurückgebliebenheit und der fehlenden Demokratie in der arabischen/muslimischen Welt, wenn sich nun hier eine vom Volke ausgehende Demokratie etabliert.

    Müsste nun die westiche Welt nicht voll und ganz hinter der arabischen/muslimischen Bevölkerung stehen, oder existiert hier im Westen in den Grundfesten ein Interessenskonflikt.

    Wir können uns sicher sein, die westliche Welt wird mit allen Mitteln eine repräsentative Demokratie zu verhindern suchen. Würde es denn Sinn machen, eine junge Demokratie in Ägypten oder Tunesien zu unterstützen, während hier bei uns die Demokratie abgeschafft wird? Bekundungen der US-Regierung dienen lediglich dazu international ihr Gesicht zu wahren, sie sind selbst hilflos. Obama hat heute den türkischen Ministerpräsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, angerufen und ihn um Beistand und Hilfe zur Stabilisierung von Ägypten gebeten (angefleht). Da hat er sich aber den falschen ausgesucht. Obwohl es bisher keine offiziellen Erklärungen seitens der türkischen Regierung gibt, bin ich mir sicher, dass die Türkei, auf der Seite der ägyptischen Bevölkerung sein wird.

    Was die westliche Welt angeht, allen voran USA und Deutschland, sie werden mit Leib un Leben die Interessen von Israel zu verteidigen wissen. Auch zu dem Preis, dass sie selbst dabei untergehen.

  1. landbewohner sagt:

    das schlimmste, was den westlichen demokraturen passieren könnte, wäre eine wahrhaftige demokratisierung der arabischen feudalstaaten. und, dank usa und ihrer "beliebtheit" im arabischen raum könnte im nahen osten durchaus eine art neue demokratie entstehen, die auch etwas mit der bezeichnung zu tun hat. die "demokratien" westlicher machart und somit auch israels sähen dann wahrlich alt aus.
    kurioserweise könnten so die rückständigen islamischen länder die zum teil bei ihnen vorhandenen pseudodemokratien -auch in ägypten wurde gewählt- durch wirkliche demokratische staatsgebilde ersetzen und für die bevölkerung der westlichen welt, die immer stärker unter der diktatur des kapitals leidet, wegweisend sein.

  1. KPAX sagt:

    Weil hier einer schrieb :
    Demokratischer Kommunismuss....

    Das schliesst sich völlig aus-eine Horrorvision-

  1. xabar sagt:

    Demokratie und Kommunismus schließen sich keineswegs aus. Kapitalismus und Demokratie schon eher.

    Eine wahrhafte Demokratie kann es nur geben, wenn die mächtigen Banken und Korporationen, besonders aber die Massenmedien, dem Volk gehören. Wir sehen ja heute besonders, dass das Verbleiben großer Massen von Kapital in privaten Händen für die breite Masse der Bevölkerung dazu führt, dass sie nichts zu sagen hat, dass die Menschen von heute auf morgen auf die Straße gesetzt werden können, wenn es einigen Wenigen, die von der Arbeit anderer leben, so passt, die es vorziehen, ihr Kaptial in Billiglohnländer zu verschieben, ohne Rücksicht auf das Schicksal von Millionen von Menschen.

    Eine Horrorvision ist Kommunismus im richtig verstandenen Sinne, nicht im stalinistischen Verständnis (!), lediglich für diejenigen, die die Macht des Volkes fürchten.

    Man darf nicht den Fehler machen, Stalinismus und Kommunismus gleichzusetzen. Man darf aber auch nicht den Fehler machen, sich Angst einjagen zu lassen, weder vor Kommunisten noch vor sog. Islamisten.

  1. Alternativ sagt:

    Warum der Westen etwas falsch macht?
    Ich werde hier paar Zahlen schreiben, dass bisschen mit dem Thema "Nahe Osten" zu tun hat.

    In einer regionalen Zeitung habe ich diese "Asyl - Bewerber Zahlen"

    1. Afganistan 5301 Personen
    2. Irak 5073 Personen
    3. Serbien 4218 Personen
    4. Mazedonien 2319 Personen
    5. Iran 2237 Personen
    6. Somalia 2164 Personen
    7. Kosovo 1439 Personen
    8. Türkei 1221 Personen
    10. Russland 1103 Personen
    usw usw

    Ist von 2010. Zwichen 1991 und 1995 kamen aus Ex-Yugoslawien etwa 350.000 Flüchtlingen.

    Afganistan und Irak führen eindeutig die Statistik. Jetzt frage ich mich. Ist es nicht für alle Beteilligten besser, wenn es keine Kriege gibt? Deutschland bezahlt nicht nur die Kriegstreiberei, sondern auch die Flüchtlinge die hierher kommen. Das sind doch doppelte Unkosten. Wäre es nicht besser, wenn es keine Kriege gibt? Die Menschen würden dann das eigene Land nicht verlassen müssen. Wer will schon seine Freunde und Verwandte, vielleicht auch den ganzen Stamm verlassen? Ich nicht..

  1. VanMethyl sagt:

    Hallo ich hab die Tage gelesen das die Amys den Umsturz in Ägypten schon 2008 geplant haben sollen das geht angeblich aus den Wikileaks Dokumenten hervor. Mir war das schon vorher suspekt auch soll Tunesien ein Test von der CIA gewesen sein das Volk für Revolutionen zu nutzen, nachdem die Farbenrevolutionen in der Ukraine, im Iran und Georgien zerbröselt sind. Ich denke auf gar keinen Fall das die Amys einfach so zusehen werden und einen Kontrollverlust hin nehmen werden. Die Handpuppen im arabischen Raum sind abgefeiert und verschlissen und müssen ausgetauscht werden. Es ist also scheißegal was da passiert es wird sich nichts ändern. Die einzigste Chance die besteht ist, das die Revolutionen nicht nach Fahrplan verlaufen nur dann haben die Völker die Möglichleit was zu verändern.

  1. xabar sagt:

    @VanMethyl

    Hast du die Wikileaks dazu wirklich gelesen? Ich bezweifle es. Ich habe eine ganze Reihe von Cables, die in der US-Botschaft von Tel Aviv aufgezeichnet wurden, gelesen. In einem Cable äußert der israelische Vertreter, ein hohes Tier aus dem Militärgeheimdienst glaube ich die Befürchtung, dass das ägyptische Militär nicht zuverlässig sei, weil es sich über Jahrzehnte geweigert habe, mit Israel gemeinsame Manöver zu veranstalten.

    Also sie befürchteten schon 2009, als diese Mitteilung entstand, Befürchtungen bezüglich der 'Zuverlässigkeit' des ägyptischen Militärs, nicht in Bezug auf die Zuverlässigkeit Mubaraks!

    Gleichzeitig loben die Israelis die 'Zuverlässigkeit' und die Kooperationsbereitschaft der Autonomiebehörde, also der Leute um Mahmoud Abbas sowie die gut funktionierende Zusammenarbeit mit ihnen.

    Was ergibt sich aus diesen Cables?

    Dass man auf die Stabilität der bestehenden Verhältnisse setzt und in dieser Beziehungen nicht immer zufrieden war.

    Ob die ägyptische Revolution erfolgreich sein wird oder nicht, ob sie vielleicht gestohlen wird, kam man zur Zeit entgegen deinen pessistischen Prognosen nicht sagen. Niemand weiß das. Aber wir wissen, dass das ägyptische Volk nicht mehr zurück gehen wird, bevor nicht Mubarak und seine Clique abgetreten sind.

    Was dann wird, kann niemand vorhersagen und weil man es nicht kann, sollte man auch nicht spekulieren, sondern es den Ägyptern überlassen, was sie tun.

  1. . sagt:

    Wie sagte Einstein
    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

    Er vergass die korruption und andere Nettigkeiten der menschlichen DNS