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Frühindikator für den Welthandel im freien Fall

Freitag, 28. Januar 2011 , von Freeman um 00:05

Politiker und Medien preisen den Aufschwung des vergangen Jahres in den höchsten Tönen und dieses Jahr rechnen die meisten Experten mit einem robusten Wachstum von mehr als zwei Prozent. Nach Ansicht von Ökonomen wird sich die weltweite Konjunktur weiter erholen und wir gehen rosigen Zeiten entgegen. Wo diese Leute ihren Optimismus herhaben ist ein Rätsel, wahrscheinlich reines Wunschdenken und Propaganda, wegen dem Superwahljahr in Deutschland, denn die Fakten zeigen ein anderes Bild. Einer der Frühindikatoren für den Welthandel ist im freien Fall, nämlich der sogenannte Baltic Dry Index, und der verkündet nichts Gutes.

Dieser angebliche Aufschwung 2010 spürten sowieso nur gewisse Exportbranchen und Experten begründen ihn mit der „internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung“, was auf Deutsch bedeutet, weil die deutschen Arbeitnehmer schon seit Jahren keine richtige Lohnerhöhung bekommen oder verlangen, dumme Arbeitssklaven sind und sich ausbeuten lassen.

Während die Lohnstückkosten in Frankreich um 20% und in Griechenland, Italien und Spanien um über 30% gestiegen sind, liegen sie in Deutschland lediglich 5% höher als vor 10 Jahren. Dieser Kostenvorteil ermöglicht es der deutschen Exportwirtschaft wettbewerbsfähig zu sein. Kostenvorteil bedeutet, die Deutschen arbeiten mehr für weniger, als die Kollegen in den EU-Bruderländern. Dafür dürfen die Deutschen auch noch mit Transferleistungen in Milliardenhöhe diesen überschuldeten Ländern aus dem Staatsbankrott helfen. Willkomen in der Transferunion.

Wenn man billige Sklaven beschäftigt kann man auch billige Produkte herstellen, welche im Ausland eher gekauft werden. Deshalb der gute Export. Der Grund für die "Wettbewerbsfähigkeit" ist nämlich, niemand vertritt die Rechte der Lohnsklaven, denn so was wie Gewerkschaften gibt es in Deutschland nicht mehr, sind alle Teil des Systems und Verräter, und die braven Bundesdödel machen sowieso nie den Mund auf, lassen sich bis zur Armutsgrenze ohne Murren ausnehmen.

Dabei geht ja das gnadenlose Lohndumping erst richtig los, wenn ab 1. Mai die EU Arbeitnehmerfreizügigkeit für diverse Ostblockstaaten wirksam wird. Dann werden die Leiharbeiter aus dem Osten mit Stundenlöhnen von 10 Euro (davon kriegen sie 3) das bisherige deutsche Personal verdrängen. Ja, ab in die Arbeitslosigkeit. Das sind die Vorteile der grenzenlosen Europäischen Union.

Aber sie haben es so gewollt, also dürfen sie sich nicht beschweren. Ja gewollt, wenn immer die gleichen EU-Befürworter ins Parlament gewählt werden. Dabei hat von dieser EU nur eine Gruppe alle Vorteile, die globalen Konzerne und sonst niemand. Sie haben einen riesen einheitlichen Markt ohne Hürden und Grenzen zur Verfügung und stehen über nationale Interessen. Das einzige was sie interessiert, ist wie viel Profit sie mit dem geringsten Aufwand für die Aktionäre rausholen können.

Aber ich will ja auf den Absturz des Baltic Dry Index (BDI) hinweisen und erklären was das bedeutet. Der BDI ist ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten. Da dieser Index die Verschiffungskosten von Rohstoffen, der Vorstufe der Produktion, ermittelt, misst er präzise das Volumen des Welthandels auf der Anfangsstufe.

Je grösser die Anzahl der zu verschiffenden Güter ist, desto grösser ist die Nachfrage und desto höher der Verschiffungspreis. Eine Aufwärtsbewegung des BDI signalisiert einen Anstieg des globalen Handels, eine Abwärtsbewegung das Gegenteil. Das heisst, da der Baltic Dry Index schon seit mehreren Monaten stark am fallen ist und ein Rekordtief erreicht hat, müssen wir mit einem starken Abschwung der Weltwirtschaft rechnen.

Offensichtlich gibt es wenig bedarf Rohstoffe über die Weltmeere zu fahren. Die Schiffe sind leer und der Frachtpreis ist am Boden. Was heisst das? Die Weltwirtschaft brummt eben nicht, sondern verlangsamt sich. Die Produzenten wollen keine Rohstoffe, weil sie meinen ihre Güter nicht verkaufen zu können, weil die Kunden nichts bestellen. Wer ist einer der Hauptkunden für Rohstoffe und gleichzeitig die Fabrik der Welt? China und die brauchen offensichtlich viel weniger Schiffsladungen als auch schon. Also kühlt sich deren Konjunktur ab. Platzt jetzt die Immobilienblase dort?

Das heisst auch weniger Exporte von deutschen Produkten nach China, wenn dort die Wirtschaft schwächer wird.

Zum Höhepunkt im Mai 2008 lag der BDI bei sagenhaften 11’793 Punkten. Dann stürzte er dramatisch bis Ende 2008 in nur 6 Monaten auf 663 ab, fast ein Totalverlust von 95 Prozent!!! Das war dann der Zeitpunkt des völligen Stillstand der Weltwirtschaft.

Dann erholte sich der BDI etwas im Jahre 2009 als die Weltwirtschaft wieder in Gang kam und stieg auf 4661. Jetzt ist er aber seit Mai 2010 kontinuierlich am sinken und fällt in den letzten Wochen dramatisch. Aktuell liegt der BDI nur noch bei 1'186 USD.

Die Behauptung einiger Leute, der BDI ist so tief, nicht weil die Frachtmenge zurückgegangen ist, sondern weil die Anzahl Schiffe und damit die Kapazität sich erhöht hat, ist falsch. Die neuen Schiffe welche möglichweise eine Überkapazität bewirken kommen erst in einem Jahr. Die sehr tiefen Frachraten bedeuten, die Reeder fahren mit Verlust, denn die Treibstoffkosten sind nicht niedriger, machen aber 25 bis 33 Prozent der Betriebskosten aus. Und der zukünftige Schiffsbau wir dadurch auch negativ beeinflusst.

Das heisst, der weltweite Bedarf an Gütern ist im freien Fall und die Aussichten für die Weltwirtschaft sehen sehr schlecht aus. Was die Politiker, Experten und Medien erzählen, es gehe 2011 aufwärts, ist leeres Geschwätz und widerspricht den Indikatoren. Wir nähern uns wieder dem absoluten Tiefpunkt und es könnte der nächste Crash bevorstehen.

insgesamt 7 Kommentare:

  1. Nnn sagt:

    Absolut Deiner Meinung. Eine massive Krise steht bevor. Die Lohntüten werden dabei immer kleiner und die Preise für einfache Grundnahrungsmittel explodieren. Reiner Zweckoptimismus und Augenwischerei. A Bag full of lies, ein Sack voller Lügen!

  1. maikT sagt:

    ist schon nicht schlechts was die juten von oben so alles erzählen , habe mal vor 1,5j für eine container verschiffung nach paraguay angefragt , dort sagte man mir ca alle 4 wochen geht ein schiff raus , die gleiche anfrage habe ich im september 2010 noch einmal gestartet , wo ich hörte export boomt ....
    also im september sagte man mir das alle 4-12 wochen ein schiff in diese richtung raus geht , da nichts mehr läuft ...
    haben unsere imbisswagen ( in industriegebieten ohne konkurrenz ) geschlossen , da niemand mehr geld hat ......
    ich wunderte mich schon die ganze zeit über diese schönen märchen und fragte auch die kunden ob sie was wüßten oder jemanden kennen der etwas bemerkt hat vom ende der krise ??? mir konnte keiner etwas sagen , es kennt auch niemand persönlich jemanden der etwas gemerkt hat ...die bütten redner da oben sollten alleine schon für ihre lügen ins zuchthaus ....oder ne drogen therapie , alkohol entzug ... ???( kiffer sind näher an der realität )
    alleine nur von deutschland zu sprechen , wir sind nicht mal in der krise , die werden wir noch bekommen , das war nur ein kleiner leichter wind , der sturm und hagel kommt erst noch ....überall wo ich bei arbeitern hin höre , überall nur noch das große warten ab dem 15 das der erste bald wieder kommt , es geht keiner mehr richtig aus , geschweige luxus , die überwiegenden kämpfen monat für monat zu überleben ....
    wann werden diese schwachmaten zur rechenschaft für ihr handeln und lügen gezogen ???
    wenn ich mir bei der bank obwohl ich pleite bin kredite unter falschen angaben hole , komme ich in den knast !!!!
    die machen das auch noch öffentlich ....
    der knall kommt und wir werden eh die dummen seien , doch deshalb ist an alle nur zu sagen , horten , alles was geht , lebensmittel , rohstoffe wie metalle , wer weiß wo das noch hin führt ....
    ich habe kommende woche termine um mir ackerflächen an zu sehen , wenns passt ... kann nicht schaden ggf seine lebensmittel , soweit wie möglich selbst an zu bauen :-)))
    euch viel kraft indem was noch alles kommt .. lg

  1. Don sagt:

    Interessant, dass man den Index für die Weltwirtschaft so gut nutzen kann. Der DAX und die anderen Lügenkurven kann man ja manipulieren.

    Ich habe meinen Kids dieses jahr schon gesagt, dass das Trampolin für das neue Kartoffelbeet weichen muss.
    Ich mache mir immer mehr Sorgen um die Zukunft meiner Familie.
    Beten wir, dass es bald vorbei ist.

  1. Justa Ment sagt:

    Ein guter Post! Danke!

    Schau Dir aber bitte mal die Vergleiche des BDI mit anderen Indices an (Link), wie der BDI seit Oktober 2010 völlig aus dem Ruder läuft. Bis dahin ist er nahezu synchron mit anderen Indices (Öl, Commodities, Gold, ...). Aber irgendwas war im Oktober 2010 und seit dem läuft der BDI konträr zu allem anderen. Warum?

    Das Phänomen wird durch erwartete Rückgänge im Welthandel allein nicht erklärbar. Es muss noch was anderes gegeben haben.

    Was? Gab es irgendeine Konferenz, die irgendwas beschlossen hat? Eine neue Erfindung, die Schiffe überflüssig macht? Auslaufen von Patenten?

    Wie gesagt ein erwarteter Rückgang im Welthandel allein kann das nicht hinreichend erklären.

    In Wikipedia (Link, 4. Absatz) wird übrigens noch darauf hingewiesen, dass die derzeitigen Frachtraten für manche Schiffsgrößen schon unter den Kosten liegen.

    Nochmals Dank für diesen Post!

  1. eins verstehe ich nicht: warum hat die anzahl und größe irgendwelcher neuer schiffe auswirkung auf den BDI? sollte nicht einzig und allein die summe des frachtvolumens aller erfassten schiffe sein. ist doch dem BDI egak, ob nun 10 schiffe mit je 1 tonne fracht fahren, oder 1 großes schiff mit 10 tonnen fracht. naja, nichts ist spannender als wirschaft, und ich habe langsam das gefühl, dass es auch kaum etwas gibt, was komplizierter ist.

  1. Der BDI ist mir Vorsicht zu genießen und nur bedingt als Nachfrage-Klimaindex tauglich. Gründe hierfür sind zum einen die Dollarwährung und zum anderen die massiven Kapazitätserweiterungen der Schiffe. Größere Schiffe = effizientere Preisgestaltungen. Dazum kommen noch die vielen Leerkapzitäten akutell, möglicherweise bedingt durch weniger Nachfrage.

    Viel interessanter als den BDI finde ich den VIX.

    http://de.finance.yahoo.com/echarts?s=^VIX#symbol=^vix;range=5y;compare=;indicator=volume;charttype=area;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=off;source=;

    Hier sieht ein Blinder was los ist. Niedrigster Stand seit 3 Jahren.

    Was der VIX bedeutet ist hier nachzulesen:

    http://en.wikipedia.org/wiki/VIX

  1. leser sagt:

    Für den deutschen Durchscnittswähler trifft der Spruch " nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber " voll zu. Schon Exkanzler Schröder ( Scheinsozialist) hat sich mit der Agenda 2010 das Ziel gesetzt Deutschland zum Billiglohnland zu machen, was von der BRD-GmbH-Geschäfschäftsführerin Merkel zu Ende geführt wird.