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Wikileaks - Israel ermordete einen syrischen General

Mittwoch, 22. Dezember 2010 , von Freeman um 00:05

Bis heute konnten erst 1862 von 251'287 diplomatische Depeschen durch Wikileaks veröffentlicht werden, also weniger als 1 Prozent. Wie ich schon mehrmals gesagt habe, wie kann man sich dann ein negatives Urteil über den gesamten Inhalt erlauben. Wer das macht ist völlig unseriös und disqualifiziert sich selber. Denn jeden Tag kommen neue interessante und auch brisante Erkenntnisse zu Tage. So wie in den folgenden als geheim eingestuften Nachrichten, welche die US-Botschaft in Damaskus nach Washington entsandte. Darin geht es um die Ermordung des syrischen General Muhammad Sulayman in Tartus durch einen Scharfschützen und das Israel als Täter in Frage kommt.

Es war der Abend des 1. August 2008, als ein Scharfschütze den 49-jährigen obersten Sicherheitsberater des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in seinem Haus am Meer im Luxus- ferienort Rimal al-Zahabieh, 12 Kilometer nördlich der Küstenstadt Tartus, in den Kopf und Hals schoss. Die Killer benutzten ein Boot um vor das Haus zu gelangen und feuerten vom Meer aus die tödlichen Schüsse. Damit konnten sie die strengen Sicherheitsmassnahmen der Anlage umgehen und nahe genug an das Ziel herankommen, ein Ort der von obersten Figuren des syrischen Staates gerne frequentiert wurde. Eine typische Mordoperation des Mossad.

Das Motiv für die Ermordung: Nach dem Assad im Jahre 2000 Präsident wurde, war Sulayman für den Geheimdienst verantwortlich und war angeblich für die Lieferung von Waffen an die Hisbollah im Libanon zuständig, die Gruppe welche von Israel als Erzfeind betrachtet wird und ihnen 2006 eine empfindliche Niederlage bei der Invasion des Landes bescherte.

Die Ermordung Sulayman im August 2008 folgte dem Anschlag auf den obersten Militärkommandanten der Hisbollah, Imad Mughniyah, in Damaskus im Februar des selben Jahres, der durch eine Autobombe ermordet wurde. Auch dafür wurde der israelische Geheimdienst Mossad als Täter beschuldigt, denn Israel hatte ihn schon lange im Visier, da sie ihn für den Bombenanschlag auf die israelischen Botschaft in Buenos Aires 1990 verantwortlich machten.

Sie verdächtigten ihn auch an der Entführung von zwei israelischen Soldaten, die sich auf libanesischen Territorium befanden, im Juli 2006 beteiligt gewesen zu sein, was Israel als Ausrede nutze, um den Krieg gegen Libanon zu starten. Dabei wurden über 1'500 Zivilisten getötet und ein Grossteil der Infrastruktur der Landes zerbombt.

Dann zur Erinnerung, am 19. Januar 2010 wurde Mahmoud al Mabhouh, 50, ein Mitglied der palästinensischen Hamas, im Al Bustan Rotana Hotel in Dubai in seinem Zimmer durch ein Mossad Killerkommando ermordet. Die Überwachungskameras des Hotels und am Flughafen zeichneten die Attentäter auf, die mit gefälschten EU-Pässen und gestohlenen Identitäten in die Emirate eingereist waren.

Das Israel regelmässig "unliebsame" Personen, die sie als Staatsfeind ansieht, liquidiert steht ausser Frage.

In der Nachricht der US-Botschaft vom 3. August 2008, zwei Tage nach der Ermordung von General Sulayman steht, er wäre die „Liaison“ von Assad zur Hisbollah gewesen und „syrische Sicherheitskräfte hätten schnell alles abgesperrt und die ganze Nachbarschaft des Strandes wo die Erschiessung stattfand durchsucht.“ Offensichtlich konnten die Attentäter aber über das Meer entkommen.

Das Syrien und dessen Führung ständigen Angriffen von israelischer Seite ausgesetzt war, zeigt auch folgende Tatsache: Elf Monate vorher hatten israelische Kampfbomber eine vermutete Nuklearanlage in Kibar am Fluss Euphrat bombardiert und zerstört, angeblich ein spezielles Projekt für das General Sulayman auch zuständig war.

Die US-Offiziellen berichten in ihrer Depesche an das Aussenministerium, Israel wäre der offensichtliche Verdächtige und verantwortlich für die Ermordung von Sulayman und sie schrieben: „Die syrischen Sicherheits- kräfte sind sich voll bewusst, dass die Küstenstadt Tartus als geeigneter Ort einen leichten Zugang für israelische Agenten liefern würde, als eine die mehr im Inland liegt wie Damaskus. Sulayman war keine Person der Regierung die in der Öffentlichkeit auftrat und die Verwendung eines Scharfschützen zeigt, die Attentäter konnten Sulayman visuell aus der Ferne identifizieren.

Im Bericht steht weiter, die syrische Regierung verharrte in Still- schweigen über das Attentat, wahrscheinlich, wie die US-Botschaft vermutete, weil 1. sie nicht wussten wer es getan hat; 2. solche Beschuldigungen (gegen Israel) könnten die laufenden Friedens- verhandlungen mit Israel schädigen; und 3. die Veröffentlichung dieses Ereignis würde noch einen Lapsus des syrischen Sicherheitsapparates aufzeigen.

Die interne Diskussion lässt vermuten, steht weiter im Bericht, der Mordanschlag in Tartus stärkte die Position der syrischen Sicherheits- offiziellen, welche gegen Friedensgespräche mit Israel waren.

Zehn Tage später stand in einem weiteren Bericht, eine Kontaktperson hätte ihnen erzählt, die Ermordung wäre „mehrmals ein Grund für Kontroverse“ in den internen syrischen Regierungsdiskussionen gewesen. „Die Gemüter erhitzten sich während eines Treffens des politischen Rates vom 12. August, als höhere Ränge des Sicherheits- apparates die Weiterführung der direkten Verhandlungen durch die Regierung mit Israel und ihre ‚Grosszügigkeit’ mit dem Libanon in Frage stellten.“ Die Sicherheitschefs behaupteten, Syrien würde Konzessionen machen und nichts handfestes für die Einbeziehung des Libanon und den direkten Gesprächen mit Israel zurückbekommen.

In den Botschaftsnachrichten die Wikileaks veröffentlicht hat steht weiter: “Als Grundlage für die hitzigen Debatten war die Frustration innerhalb des Sicherheitsdienstes, dass die (syrische Regierung) die Ermordung von Sulayman ignorierte. Die Sicherheitsoffiziellen fragten, ‚wenn Israel es getan hat’, warum will die syrische Regierung den Dialog weiterführen?

Dann steht in den Depeschen, dass Washington vorher finanzielle Sanktionen gegen Sulayman in Erwägung zog, als Teil der Plans die Assad-Regierung zu schwächen, aber es schwierig fand es zu tun, weil die Information über ihn so geheim war, man könnte sie nicht der Öffentlichkeit mitteilen.

insgesamt 6 Kommentare:

  1. xabar sagt:

    Sie morden nicht nur syrische Generäle, Hisbollah- oder Hamas-Führer, iranische Atomwissenschaftler, wie erst jetzt wieder, sondern auch Deutsche!

    Der Tod von Uwe Barschel (CDU) in einem Genfer Hotel ging laut Victor Ostrowsky, einem Mossad-Whistleblower, auf eine Mossad-Operation zurück, weil dieser Vertraute von Helmut Kohl und mögliche Nachfolger von ihm sich gegen die schmutzigen Waffengeschäfte Israels auf deutschem Boden stemmte.

    Aber auch andere Deutsche waren von den mörderischen Aktionen von Mossad-Hitteams betroffen, wie Ari Ben-Menashe, ein hochrangiger israelischer Geheimdienstmann, der mehr als 12 Jahre in den höchsten Zirkeln Israels verbrachte, in seinem lesenswerten Buch 'Profits of War' berichtet. Er beschreibt, wie sie neun deutsche Wissenschaftler, die in den achtziger Jahren für den Irak gearbeitet hatten, dazu zwei Pakistanis 'hinrichteten'. Ben-Menashe schreibt (meine Übersetzung aus dem Englischen):

    "In der folgenden Woche wurden acht deutsche Wissenschaftler, die von Ihsan Barboutis Firma in Miami angeheuert worden waren, ..., ausgeschaltet. Auch wurden zwei pakistanische Wissenschaftler umgebracht. Dann wurde ein weiterer Deutsche in einem schweren Auto'unfall' außerhalb von München, als er dort zu Besuch war, getötet. Sein Name war Hans Mayers.."

    (Ari Ben-Menache, 'Profits of War', page 287).

    Zionistischer, ja zynischer, Staatsterrorismus, der 'einzigen Demokratie im Mittleren Osten', die zu verteidigen heute 'deutsche Staatsräson' (Merkel) sei.

  1. orionoxyd sagt:

    Na wie finde ich das denn, dass die Masse davon nicht in dem von Wikileaks bevorzugten Mainstream-Blätter zu lesen bekommt.

  1. xabar sagt:

    1. @Orionoxyd

    Wikileaks kann sich die Blätter nicht aussuchen, sondern muss mit den noch einigermaßen 'liberalen' Vorlieb nehmen (wie Spiegel, Guardian..), in denen noch ein paar gute Journalisten arbeiten, die bereit und in der Lage sind, einige Dokumente auszugraben und zu veröffentlichen, und zwar diejenigen, die den jeweiligen Chefredakteuren oder Verlegern noch genehm sind.

    Da die New York Times einen zionistischen Chef hat, wird der solche Dokumente, die Israel belasten, natürlich blockieren, andere, harmlosere (irgendwelchen Tratsch und Klatsch) aber nicht, um sich die Stories für die Auflagensteigerung nicht entgehen zu lassen. Die fünf Blätter, die die Leaks bringen, profitieren zweifellos enorm von den Stories.

    Ohne diesen Pragmatismus kommt man heute nicht aus.

    Verdächtigungen sind hier fehl am Platz. Man muss sich immer in die Lage der anderen, in diesem Fall von Wikileaks, hineindenken und sich überlegen, wie schwer es ist, in die Mainstream-Blätter mit solchen Sachen hineinzukommen. Das erfordert Kompromisse, die man einzugehen bereit sein muss, will man nicht außen vor bleiben.

    2.

    Ich las noch ein weiteres Dokument zu Israel, in dem beschrieben wird, wie ein angeblicher Drogenboss 2008 per Autobombe auf die exakt gleiche Art in Israel umgebracht wurde, (wahrscheinlich von Shinbet oder Mossad, Shinbet ist der Inlandsgeheimdienst) wie der iranische Atomwissenschaftler, der jetzt in Teheran durch einen von einem Motorradfahrer an seinen Wagen befestigten Sprengsatz (eine Haftbombe) ums Leben kam.

    Der Verdacht liegt nahe, dass auch dies das Werk eines Mossadkommandos war.

    Wir müssen heute deutlich fordern, dass diese Killertruppe aus Deutschland ausgewiesen wird und ihr das Handwerk gelegt wird, und Politiker müssen sich dieser Forderung annehmen, wollen sie, die ständig vor islamistischem Terror warnen, sich nicht völlig unglaubwürdig machen.

  1. Danke Freeman. Ich würde es begrüßen, wenn ein Link zum entsprechenden Cable einfügst. Bin mal gespannt ob noch wer in den MSM den Mumm hat, diesen Fall aufzugreifen.
    Aber Israels Regierung ist schon mit viel schlimmerem ohne Konsequenzen durchgekommen. Mir tuts echt Leid für die Israelis und Palis. Wehe dem, den in die Aufmerksamkeit des Mossad.

    @xabar
    Der Fall mit den 9 deutschen Wissenschaftlern ist in DE nie ans Tageslicht gekommen?
    Sind die ohne Hinterbliebene, alle plötzlich verunfallt oder an Herzinfarkt gestorben?

  1. braveheart sagt:

    anscheinend sind jetzt weitere Dokumente bzgl. Israel veröffentlicht worden.

    Demnach können die Israelis bei Ihrem Kampf gegen die Hamas auf die Hilfe der Palästinensische Autonomiebehörde von Mahmud Abbas bauen.

    Warum wird ausgerechnet jetzt, wo sich in Palästina anscheinen einiges bewegt, da nach Brasilien und Argentinien nun auch Boliwien und Equador Palästina als eigenständige und souveräne Nation anerkannt haben, solche Veröffentlichungen getätigt.

    All die Wochen vorher hat man sich danach gesehnt auch mal was über Israel zu erfahren weil hier und da der Verdacht aufkam das diese ganzen Sachen von Israelis inszeniert seien; und jetzt wo man gerade diese Äußerungen besser nicht gehört hätte, weil dies wieder einen riesen Keil zwischen Fattah und Hamas rammt, obwohl dort insbesondere durch die Intervenierung der Türkei Annäherungen zwischen der Fattah und Hamas angestrebt werden, und Erdogan sogar bei einem Besuch von Mahmud Abbas vor zwei Wochen sich dahingehend geäußert hat, dass sich die Türkei für eine Gründung des Staates Palästina innerhalb der Grenzen von 1967 stark machen werde.

    Ich Vermute mal, dass die Anerkennung Palästinas durch die Südamerikanischen Staaten mitunter auch auf die Bemühungen von Ankara zurückzuführen sind.

    WEF 2009 Davos und "ONE MINUTE" fangen an Früchte zu tragen.

  1. xabar sagt:

    @GläsernerBürger

    Ich kenne die näheren Umstände dieser von Ari Ben-Menashe (einem hochrangigen Israeli, der das beste Verhältnis zum damaligen Premierminister Shamir hatte und der nach seinen Enthüllungen von Israel als 'nicht existent' erklärt wurde) erwähnten Fälle nicht und ich glaube auch nicht, dass damals - ich glaube es war 1988 - etwas darüber ans Tageslicht gekommen ist. Wie auch? Alle unsere Medien, mit vielleicht ein oder zwei Ausnahmen (darunter die junge Welt), sind pro-Israel und decken so etwas zu. Deutsche Interessen sind sowohl unseren Mainstream-Politikern als auch unseren Mainstream-Medien zweitrangig. Man könnte so etwas auch 'Landesverrat' nennen.