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Die alte libysche Fahne ist die neue

Freitag, 25. Februar 2011 , von Freeman um 10:00

Einige Leser haben mich gefragt, was ist denn das für eine Fahne, welche die protestierenden Menschen in Libyen seit neuestem schwenken? Die rot, schwarz, grüne mit Mondsichel und Stern war damals die Fahne unter der Libyen am 24. Dezember 1951 die Unabhängigkeit von Italien gewann. Sie scheint jetzt als Symbol der Freiheit wieder für die pro-demokratischen Kräfte zu gelten. Bis 1969 war es die Flagge des Königreichs Libyen.

Am 1. September 1969 kam es zum Sturz der Monarchie durch das Militär, die zur Ausrufung der Arabischen Republik Libyen führte. Der Vorsitzende des Revolutionären Kommandorates war Oberst Muammar al-Gaddafi. Er führte die grüne pan-arabische Fahne ein und nennt sich selber seitdem Revolutionsführer.

Aufnahmen einer anti-Gaddafi-Demonstration in Tajura von Gestern, wo die neue alte Fahne geschwenkt wird:



Die Politiker und Botschafter, die zurückgetreten sind und sich von Gaddafi abgewendet haben, führen intensive Diskussionen, um eine Gruppe zu bilden, die das Land in Zukunft führen will, berichtet Al Jazeera.

Gaddafi schein nicht zurücktreten zu wollen und versucht mit Geldgeschenken die Bevölkerung zu bestechen. Das staatliche Fernsehen hat verkündet, jede Familie wird 500 Dinar (ca. 300 Euro) erhalten und die Gehälter einiger Staatsangestellten soll um 150 Prozent erhöht werden.

Mittlerweile in Ägypten versammeln sich tausende Menschen am Freitag wieder in Kairo auf dem Tahrir-Platz. Die Demonstranten verlangen von der Militärregierung die Entfernung der Minister, die noch von Mubarak eingesetzt wurden. Sie meinen, die alte Garde muss weg, denn sie sabotiert die Revolution.

- Aus Tripoli wird berichtet, regierungstreue Truppen haben an mehreren Orten der Hauptstadt auf Demonstranten geschossen.

- Die Luftwaffenbasis in Mitiga hat verkündet, sie schliesst sich den anti-Gaddafi Kräften an.

- Die meisten libyschen UNO-Diplomaten in Genf haben ihren Rücktritt erklärt.

- Die libysche Delegation bei der Arabischen Liga in Kairo hat ihre Verbindung zu Gaddafi abgebrochen. Sie haben ihren Namen in "die Repräsentanten der libyschen Bevölkerung bei der Arabischen Liga" geändert.

- Alle Diplomaten der libyschen Botschaft in Neu Dehli Indien sind zur Opposition übergelaufen.

Hier ihre Verlautbarung:



- In Bagdad fanden heute auch Massendemonstrationen zum "Tag des Zorns" gegen die irakische Regierung statt.

insgesamt 14 Kommentare:

  1. d sagt:

    Was ich bei alldem nur Frage:

    Ist es wirklich soviel besser eine demokratie einzuführen, die für die westliche Welt (sprich USA) arbeitet?

    So oder so kommt es mir vor, als würden die lybischen Menschen kaum eine chance auf tatsächliche freiheit haben.

    Denn was Einkommen etc angeht wird es doch höchstwahrscheinlich schlechter, wenn das Öl in den Händen der neuen Führung, die wie gesagt sehr wahrscheinlich pro-amerikanisch handel wird, liegt.

    Nehmt dem Kommentar nicht falsch auf, Gaddafi gehört gehängt, aber ich hab trotzdem zweifel, was die Zukunft Lybiens angeht.

  1. Verteiler sagt:

    Wirklich um und nicht auf 150%? Eine Erhöhung um 150% bedeutet ja, dass man ab dato das zweieinhalbfache verdient... ob sich das finanziell so ohne weiteres bewältigen lässt?!

  1. xabar sagt:

    Wie Gaddafi Söldner anwarb:

    Ich las heute in der spanischen EL País, wie das Gaddafi-Regime afrikanische Söldner anwarb.

    Zwei junge Söldner aus dem Tschad, die von den Rebellen gefangen genommen wurden, verzichteten auf jede Gegenwehr und man schenkte ihnen das Leben. Dann packten sie, Dahara Aissa (15) und sein 18-jähriger Cousin Hagar, aus.

    Man hatte ihnen in Libyen Arbeit versprochen. Also setzte man sie in einen Flieger nach Tripolis. Statt Arbeit wurden ihnen Gewehre in die Hand gedrückt, um damit, wie es hieß, 'Terroristen zu killen'. Als sie jetzt in Shahat (Ost-Libyen) gegen die Rebellen eingesetzt wurden, weigerten sie sich zu schießen, was ihnen das Leben rettete.

    Gaddafis Söldner kommen aus Nigeria, dem Tschad und Mali. Sie erhalten Häuser und viel Geld für ihre Dienste, weit mehr als was sie in einer regulären Armee und in einem normalen Job verdienen können.

    Gaddafi hat also das mitgemacht, was Bush und Blair im Irak im großen Stil aufgezogen haben, nur dass es dort private Söldnerfirmen waren wie Blackwater/XE & Co, die ebenfalls aus der ganzen Welt Söldner für die USA anwarben, um ihren schmutzigen Krieg mitzuführen.

    Kriegshuren.

  1. Kleefeld2001 sagt:

    Ich möchte mal darauf hinweisen dass der alte König Idris von Libyen einst mit den Engländern zur Befreiung von Italien kämpfte.

    Nach dem Krieg wurden die drei Teile Tripolitanien, Cyrenaika und Fezzandes zum heutigen Libyen von der UNO zusammengeklebt und zum Königreich Libyen gemacht an dessen Spitze eben dieser König Idris I. stand.

    Er ist ein direkter Nachkomme des Propheten und gehörte, wie halt der Teil des Volkes aus der Ostregion (um Benghazi) der orthodox islamischen hashimitischen Glaubensrichtung an.

    Der Thronfolger des längst verstorbenen König Idris ist ein Sohn seines Neffen Namens Muhammad Rida der in London sitzt und der Pläne hat und Versprechungen macht (natürlich Demokratie) und die Wiederherstellung eines Königreiches nicht als primär betrachte (und damit auch nicht ausschließt).

    Die Fans die da in London die bewusste Königsfahne (des orthodox islamischen Königreiches) schwingen sind Königtreue Libyer um den Thronfolger.

    Damit dürfte ein Großteil des Geschehens zu erahnen sein.

    Wenn man dann noch weiß dass das alte Königreich mit Benghazi und Tripolis zuerst 2 Hauptstädte hatte kann man auch erahnen das die Menschen der weltlicheren Tripolisregion nach dem Sturz Gaddafis kaum hinter einer Fahne des Königs von Benghazi hinterlaufen werden und dabei Kopftücher tragen.
    Wer die vorliegenden Bilder genau betrachtet wird fast ausschließlich Leute unter 30 sehen und jede Menge Waffen und Trümmer die nicht durch einen unbewaffneten und friedlichen Aufstand entstanden sein können (die Frage wo die Menschen in den Trümmer abgeblieben sind und wo will ich jetzt gar nicht stellen weil das ja in den Meldungen steht und alle Toten natürlich Aufständische sind).

    Man sieht auf den Bildern kaum Frauen und wenn dann mit Kopftüchern und in züchtiger Kleidung.
    In Tripolis ist das deutlich anders.

    Soweit das was ich über die Geschichte und Verhältnisse in Erfahrung bringen konnte.

    Daraus schließe ich für mich dass der Kampf um Libyen erst nach dem Sturz von Gaddafi richtig beginnt.

    Besonders aber frage ich mich wer diesen Aufstand inszeniert und geführt hat denn er muß meiner Ansicht nach von Anfang an bewaffnet gewesen sein da man sonst nicht solche in so kurzer Zeit solche Eroberungen macht (es ist doch wohl klar das nicht alle Menschen in Benghazi gegen Gaddafi sind) und solche Trümmer hinterlässt und mit einer solchen Menge an Waffen in zweifelhaften Händen herumläuft.

    Wo also ist die Führung dieses Aufstandes, wo ist ihr Programm und warum sieht man Niemanden im befreiten TV oder bei CNN oder Al Jazeera.

    Normalerweise ist es doch das erste Bedürfnis erfolgreicher Aufständisches der Welt zu zeigen wer sie sind und was sie wollen und die Welt zum Mitfeiern oder zum Helfen aufzurufen.

    Die Lage dort ist sehr verworren und ich fürchte dass die Libyer noch sehr weit von Demokratie entfernt sind und Libyen möglicherweise in zwei Teile zerfällt.

    Zum Schluß noch die Frage danach ob dieser Aufstand möglicherweise von außen gesteuert wird (siehe London)?
    Möglich ist Alles.

    P.S. Gaddafi wird nicht nur von uns mit Waffen versorgt sondern er wird seit ca. 7 Jahren auch dafür bezahlt Flüchtlingsströme aus Afrika von Europa fernzuhalten und sie bis zur Abschiebung zurück über die Grenze in Lagern zu halten.

    Daher ist davon auszugehen das die Knüppelgarde dort rekrutiert wurde denn eine Anwerbung im Ausland und der Transport innerhalb so kurzer Zeit erscheint mir unrealistisch zu sein.
    Ich gehe davon aus dass er die Flüchtlinge für die er für uns zurückhalten sollte umfunktioniert hat und ihnen ein paar Dollar und die Freiheit in Europa versprochen hat wenn sie sich durchschlagen.

  1. Siehe Deutsche Marineenheiten vor malta, Libyen etc.:

    http://www2.gorchfock.de/

  1. m. sagt:

    Kleiner Zusatz zu der Flagge

    http://de.wikipedia.org/wiki/Panarabische_Farben

  1. xabar sagt:

    Dieser Aufstand in Libyen ist nicht von außen gesteuert worden. Hier schimmern wieder die alten Verschwörungstheorien durch. Es handelt sich um einen spontanen Aufstand, der, inspiriert von der tunesischen und ägyptischen Revolution in Libyen spontan entstanden ist. Er kam selbst für die USA und andere Westmächte völlig überraschend, die alle auf 'Stabilität' in der Region gesetzt haben - auch in Libyen, wo sie sich seit Jahren sich mit Gaddafi auf das Beste arrangiert haben.

    Was für ein Interesse sollten sie an der Beseitigung Gaddafis haben? Er hat besonders seit 2004 praktisch alle Forderungen der USA und anderer imperialistischer Staaten erfüllt und ist dafür mit Waffen und guten Geschäften und mit der Garantie seiner Sicherheit belohnt worden.

    Wenn die Opposition jetzt noch nicht im Null-Komma-Nichts irgendwelche Programme aus dem Hut zaubern kann, so liegt das gerade an diesem spontanen Charakter der libyschen Revolution, die gerade mal eine Woche alt ist.

    Auch das schnelle Präsentieren von charismatischen Führungspersönlichkeiten muss nicht immer ein Vorteil sein, da sie sehr leicht von der Repression ausgeschaltet werden und die Bewegung dadurch lähmen können.

    Das ist ja gerade die Stärke der tunesischen und der ägyptischen Revolution, dass es eine ganze Vielzahl von Gruppen gibt, die allerdings ihre Aktionen inzwischen koordinieren. In Libyen gibt es inzwischen Basiskomitees, die versuchen, die Ordnung in den befreiten Gebieten sicherzustellen.

    Wir dürfen nicht immer die Messlatte vergangener Revolutionen mit Führern, Parteien und fertigen Programmen an die heutige Zeit anlegen, sondern müssen neue Formen akzeptieren, die den politischen Verhältnissen in diesen Ländern angemessen sind.

    Es gilt erst einmal, diese Bewegungen genau zu beobachten und zu analysieren.

    Ein live-feed von Press TV wäre hier sehr hilfreich, weil dieser Sender die Revolutionen nonstop überträgt, um sich wirklich ein genaues Bild von den Ereignissen zu machen. Auch die Kommentatoren, die dort zu Wort kommen, besonders aber die aus Beirut, sind teilweise ganz hervorragend.

  1. free sagt:

    @xabar

    es gibt genügend hinweise und unterschiede, die einen "spontanen" aufstand nicht gerade stützen und auf gegenteiliges hinweisen.

    den (vermeintlichen) wahrheitsfreunden sollte doch klar sein:

    geo-strategie bedarf keiner verschwörungstheorie sondern ist ganz simpel einfach nur konsequentes handeln zur verwirklichung des pudels kern.

  1. xabar sagt:

    @free

    Wenn es so viele Hinweise gibt, dann bringe sie hier. Also welche gibt es konkret, dass es kein spontaner, sondern ein von langer Hand vorbereiteter Aufstand ist, und wer führt Regie? Bitte Belege beibringen.

    Die Wahrheit ist immer konkret (Brecht).

  1. free sagt:

    @xaba

    die umfangreichste zusammenstellung, die die dinge etwas differenzierter betrachtet:

    http://www.mein-parteibuch.com/blog/2011/02/23/washingtoner-versuch-einer-monarchistischen-konterrevolution-in-libyen/

    es empfhielt sich auch, den verlinkungen im text nachzugehen.

  1. xabar sagt:

    @Free

    Es trifft zwar zu, dass bestimmte Kräfte, darunter der ehemalige libysche König al Senussi, der seit Gaddafis Militärputsch von 1969 in London im Exil lebt, jetzt Morgenluft wittern. Er will wieder zurückkehren!! Er wird vom libyschen Volk eine gehörige Abfuhr erhalten. Aber das ist kein Beleg dafür, dass der Aufstand von diesen, also sagen wir monarchistischen Kräften ausgegangen ist.

    Man darf die Trittbrettfahrer nicht mit den Antriebsmaschinen verwechseln.

  1. appe sagt:

    @free hallo gehts noch, alles muss ochc eifnach zu verstehen sein ???
    was jetz thier passiert hat nix merh mti Verschwörugn zutun -

    träumst du noch imemr noch, kannst dus nett zusammenknüpfen was wir seid ca 3 Wochen hier ununterbrichen erleben , durch Freemans berichterstattung ???

    kombineir doch einfach ;)
    erst tunesien,danach Ägypten,Jemen,Bahrain usw usw

    ja sogar Wisconsin ....
    geht dir da keine Lampe auf ???
    kom mal damit klar das du selebr auch was tun soltlest auch revolte! oder warum heir in diesem Blog lüsterst dich danach
    oder nicht,aber du bsit hier, mach die Scheuklappen auf worums heir geht !!!
    die Industrielle Komplex hat seien Strukturen im Darwiischen Reichtum verloren ! die Leute begehren auf,weil sie merken, jetzt oder nie !!

    mag sei ndas wir westlichen alels haben,doch auch wir checken noch nicht immer dasnwir im gleichen Boot sitzen !!! sehr tragsich das ihr imemr noch so verpeilt an euren Ketten herum trapt !!!

  1. free sagt:

    @xabar

    anders gesagt:

    angenommen, sie bilden dort wirklich eine art räterepublk - aus den massgeblich beteiligten, wie in etwa monarchisten, islamisten, stammesvertreter und ein paar demokratische parteien -

    wie sollte dann noch die intervention des westens aufgehalten werden können?
    und die wird kommen, wie es im mom aussieht.

    ich will ja die intention der gewünschten veränderungen dort nicht runterspielen, was ich meine ist nur, m.E. hat der westen seine finger bereits zuviel da drinnen.
    und das geht nicht gut. es dürfte dann zu einem zweiten irak werden.

    die kräfte für die dortige veränderung dürften zu unterschiedlich sein.

    meine kritik bezieht sich daher auf die verbreitete haltung hier bei uns, dass die "bewegung" dort eine friedliche, demokratiefreundliche bewegung wäre und man im zuge der unterstützung derer, dann ausser betracht lässt, dass diese gelegenheit sich der westen ergreifen wird. mit billigender unterstützung der progressiven kräfte bei uns.

  1. xabar sagt:

    @Free

    Der Engländer würde sagen:

    Also alles doom & gloom! Es sieht alles düster aus. Die Revolution wird sowieso vom Westen geklaut. Punkt. Ein Naturgesetz. Der Westen gewinnt immer. Der Westen macht die Gesetze der Revolution.

    So ist das eben. Was will man machen? Man kann eben nichts ändern. Amen. Sehen wir uns lieber die Fußballergebnisse an. Auch das noch!! Bremen hat schon wieder verloren. Ich besauf mich...