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Wie FT eine falsche Aussage von Merkel verbreitet

Sonntag, 15. Januar 2012 , von Freeman um 00:05

Die englische Version der Financial Crimes (FT) hat einen Artikel über die Reaktion von Merkel betreffend Herabstufung der Eurozone durch Standard & Poors gebracht. Im letzten Paragraph behaupten die Autoren Gerrit Wiesmann und Scheherazade Daneshkhu, Merkel würde sich überlegen, den Versicherungen den Verkauf von Anleihen zu verbieten, wenn diese herabgestuft werden.

Als ich das las dachte ich, das ist ja der Hammer. Ein Verkaufsverbot von Anleihen wenn sie ihr AAA-Rating verlieren? Das wäre der Todestoss für die Eurozone. Ich bin der Sache nachgegangen und fand heraus, diese Aussage in der FT ist völlig falsch, das hat Merkel nie gesagt.

Merkel ist für mich so ziemlich das schlimmste was es an Politikern gibt, aber man darf ihr nicht eine Aussage anhängen, die sie nie gemacht hat. Aus dem Englischen übersetzt steht im Artikel der FT:

"Am Rande des Treffens der CDU zum Jahresbeginn in Kiel, hat Frau Merkel gesagt, sie würde den Ruf ihrer Parteikollegen nach einem Gesetz in Betracht ziehen, welches instituionellen Investoren wie Versicherungen den Verkauf von Anleihen verbietet, wenn ihr Rating herabgestuft wird oder unter dem Investmentgrad fällt."

"Speaking on the fringes of a start-of-year retreat of her Christian Union lawmakers in the city of Kiel, Ms Merkel said she would consider calls from her party colleagues for legislation to bar institutional investors such as insurance companies from selling bonds when ratings were downgraded, or fell below investment grade."

Diese Behauptung der FT ist sofort wie eine Lauffeuer durch die englische Finanzpresse gegangen und die bekannte Seite "Zero-Hedge" hat daraus einen Artikel geschrieben mit der Überschrift "Der Verkauf Ist Verboten - Germany Considers Ban On Sovereign Bond Sales" oder auf Deutsch: "Deutschland erwegt ein Verbot des Verkaufs von Anleihen". Wenn das stimmen würde wäre es eine Sensation.

Aber nach meiner Recherche hat Merkel so etwas nie gesagt. Ihre Aussage war eine ganz andere. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Michael Meister hat bei der Vorstandsklausur der CDU in Kiel den Vorschlag gemacht, Versicherungen sollten nicht mehr gezwungen werden nur Anleihen zu kaufen und zu halten, die ein AAA-Rating haben. Denn wenn eine Herabstufung durch eine Ratingagentur erfolgt, müssen die Versicherungen diese verkaufen, was eine Kettenraktion auslöst.

Diese gilt es zu verhindern, in dem man die Vorschrift ändert und Versicherungen erlaubt auch geringer bewerte Anleihen im Bestand zu haben. Merkel begrüsste den Vorschlag und sagte dazu: "Das ist schon einen Gedanken wert." Die strikten Regeln würden einen "sich selbst verstärkenden Effekt" auslösen. Deshalb sei es sehr wertvoll, "sich das mal anzuschauen und zu überlegen, wo man gegebenenfalls Gesetzesänderungen machen könnte".

Was die FT behauptet und andere Medien übernommen haben ist völlig falsch. Es geht nicht um ein Verkaufsverbot von Anleihen, sondern um die Lockerung des Gesetzes wonach Versicherungen nur Anleihen mit einer "AAA"-Bonität kaufen dürfen. Es geht um eine Liberalisierung, damit auch tiefer bewertete Anleihen gekauft und gehalten werden können. Damit wollen Meister und Merkel einen automatischen Abverkauf bei einer Herabstufung verhindern.

Daran sehen wir was für eine Falschmeldung die sogenannten seriösen Medien wie die meistgelesen Zeitung der Finanzbranche verbreiten und damit die Panik in der Eurozone nur noch verschlimmern. Die Financial Crimes ist doch die Hauszeitung der ganzen Zocker im weltweiten Finanzmarkt und wird sehr ernst genommen.

Die Versicherten sind die Dummen

Die wirklich brisante Aussage von Meister und Merkel und die Konsequenz daraus ist eine ganz andere. Wenn das Gesetz gelockert wird und Versicherungen in Zukunft für die Altervorsorge ihrer Kunden auch Anleihen mit einer geringeren Bonität kaufen dürfen, dann bedeutet das ein höheres Verlustrisiko für die Versicherten. Ist doch klar. Schlechter bewerte Anleihen haben ein höheres Risko sie könnenn nicht zurückbezahlt werden, was einen Verlust der einbezahlten Gelder für das Alter bedeuten könnte.

Das ist doch das wirkliche Thema und das müssen die Kunden wissen, die jeden Monat in Er-Lebensversicherungen einzahlen. Wenn man AAA-Bonität nicht mehr für notwendig hält und der Staat der die Anleihen herausgegeben hat pleite geht, dann sind auch die einbezahlten Gelder weg und die private Altervorsorge futsch. Das heisst, Merkel und Meister wollen das Risiko der Staatspleite auf die Versicherungsnehmer abwälzen, denn die sollen die Verluste tragen. Darüber kann man sich sicher aufregen und dagegen protestieren.

insgesamt 9 Kommentare:

  1. Kasandroo sagt:

    Mal abgesehen davon ob sie es gesagt hat oder nicht
    und ob dieses Schmierblatt Falschmeldungen, die die Finanzmärkte "aufregen" druckt, zeichnet sich genau dies von dir am Ende beschriebene Bild tatsächlich ab, zumindest habe ich da so ein Gefühl.

    Deswegen habe ich schon vor einiger Zeit meine private Altersvorsorge gekündigt. Nichts ist hier Sicher ausser die Unsicherheit von allem. Und mein "Vermögensberater" dieser vorbildliche "Gutmensch" war so entsetzt und argumentierte: Dann ist aber dein Versicherungsschutz auch erloschen. "Ach nee! Waren wir auch in der Schule", dachte ich.

    Wir sind doch alle nur kleine Eichhörnchen, legen was für schlechte Zeiten zurück, na ja und wenn wir so dumm sind und die Vorräte nicht mehr finden, bei dem wo wir sie versteckt haben, leben wir halt von der Hand im Mund, klingt ungerecht aber könnte ja der Wahrheit entsprechen. Wer dem Glauben unterliegt, dass irgendwann einmal jemand so gut ist und dir deine leckeren Nüsschen wieder gibt, die du mal bei ihm versteckt hattest, klammert sich zu sehr an diese "Sicherheit".

    Wie kann uns das Geld, was wir eigentlich ja nicht mögen, das Gefühl von Sicherheit geben? Das ist ziemlich paradox, wenn nicht sogar eine kranke Denkweise.

    Ich denke Unsicherheit ist die wahrere Sicherheit, wenn man sich drauf einlässt und sich im Strom des Lebens treiben lässt, klar es könnte ein Wasserfall kommen, aber es liegt an uns selbst ob wir diesen bemerken und handeln oder ob wir mit ihm in die Tiefe stürzen. Auch wenn der Weg länger wird, man kurze Zeit laufen muss, Wasserfälle kann man jedenfalls umgehen, soweit ich weiß.

    Friede!

  1. strongtools sagt:

    Ich bin froh, täglich mehrfach auf eine Nachrichtenseite zuzugreifen (Schall und Rauch eben), die stimmig und ausbalanciert ist, wo der gesunde Menschenverstand zu spüren ist, und eine Wachheit, ein Höchstmass an Bewussheit die Basis bildet.

    Auf diesen Artikel bezogen: Wahrheit hat es nicht nötig, Partei zu ergreifen, mit den Wölfen zu heulen, das Fähnchen in den Wind zu halten.

    Freeman heisst vielleicht auch so, weil er eben frei ist von dererlei.
    Dank ans Universum hierfür!

  1. Simon Putin sagt:

    Das wir eine Wirtschafts-und Finanzkrise haben, ist natürlich Fakt! Allerdings wird diese immer mehr künstlich verstärkt und diese falschen Artikel wie in der FT sind dafür der Beweis! Es soll mit aller Gewallt ein Kollaps herbeigeführt werden, allerdings darf dieser nicht zu plötzlich kommen, die müssen immer noch Zeit genug haben um den nächsten Schritt einleiten zu können. Natürlich ist die Falschmeldung von der FT schon ein Hammer, aber vielleicht wurde das von der Machtelite genauso geplant, damit man eine ganz bestimmte Reaktion erklären kann! Meistens sind solche Artikel kein Zufall und genauso gewollt! Mich würde es nicht wundern, wenn man Deutschland später die Schuld für die Krise in die Schuhe schieben würde und damit man dann vielleicht einen Krieg über den Zaun brechen kann. Irgendwie so ähnlich könnte es passieren, was wir natürlich alle nicht hoffen wollen. Erstmal ist wohl der Iran und der Syrien dran und so wie es aussieht, wollen diese Psychopathen gerne Atomwaffen einsetzen. Diese Gefahr sehe ich immer mehr auf uns zu rücken, das ist wirklich ein sehr großes Problem um das man sich wirklich kümmern muss. Natürlich werden die Psychopathen den Einsatz von Atomwaffen oder B und C Waffen vorher rechtfertigen, immerhin soll die Geschichte ja gut für Sie aussehen! Wenn man sich genau anhört oder durchliest was der US und der Israelische Militärapparat so für Geschütze auffährt oder im Hintergrund vorbereitet, dann kann man sehr sicher sein, das Atomwaffen eingesetzt werden sollen. Wenn das tatsächlich passiert und diese Waffen auf Staaten fallen die selber keine Atomwaffen haben, dann werden diese bestimmt B und C Waffen einsetzen! Ich bin mir absolut sicher, das diese Zehnarien bereits alle durchgespielt wurden. Dafür gibt es extra spezielle Abteilungen, die den ganzen Tag solche "Spiele" durchführen. Die haben Tricks auf Lager, von denen haben wir noch nie gehört und können uns es noch nicht mal vorstellen, wie diese funktionieren. Deshalb darf man sich nicht auf einer Seite schlagen im Krieg, denn man weist nie ob man gerade für bestimmte Dinge benutzt wird. Krieg ist ein Spiel der Machtelite und wir werden dafür benutzt. Die Machtelite will jetzt zum großen Showdown ausholen und nach deren Plänen, sollen ganz viele Menschen sterben. Wir dürfen uns für deren Spiele nicht benutzen lassen, ansonsten sind wir verloren. Die Zeit ist jetzt reif das wir Bürger uns die Macht wiederholen und das darf nicht mit Gewalt sein. Wie auch immer, man muss jetzt absolut auf der Hut sein, dieses Jahr wird höchstwahrscheinlich das Entscheidungsjahr für uns einfachen Menschen sein. Es ist ein Krieg gegen uns Menschen, die Machtelite gegen uns!

  1. Naja - eine Änderung der Regeln, die besagen, dass alle Anleihen unter AAA zu verkaufen sind, ist doch ein Verkaufverbot, wenn auch BBB-Anleihen als GUT gelten und daher nicht unter den vorgeschrieben Verkaufszwang mehr fallen.

    Im Grund geht es nur darum, dass bei einer Herabstufung Deutschlands, die Anleihen nicht mit einem Schwung auf den Markt kommen.

    Das gleiche Prinzip befolgt die EZB schon seit langem. Ramschpapiere gelten dort längst als Sicherheit.

    Doch auch hier unterhält man sich über Auswirkungen, eine Ursache ist nirgends in Sicht.

    Leider verweigern sich die Beobachter immer wieder der Tatsache, dass es keine Sicherheiten mehr für Geld gibt.

    Es wird auch die Tatsache bei Seite geschoben, dass "frisches Geld" für die Bezahlung der Leister benötigt wird. In der heutigen Vorstellung von Wert ist Leistung lediglich ein Kostenfaktor in der Wertschöpfungskette - kein Wert.

    Folglich sind bei allen mir bekannten Lösungen nicht einmal ansatzweise der wirklichen Ursache ein Augenmerk geschwenkt worden.

    Eigentum und die daraus erfolgende Wertschöpfung wieder umzuverteilen ist keine Lösung, sondern eine Auswirkungsbehandlung, wie alle Änderungen, die wir im Lauf der letzten Jahrhunderte erlebten.

    ... wie: Abschaffung des Goldstandards und die darauf folgenden Beschlüsse - BASEL I bis III.

    Der rational denkende Mensch ist einfach nicht im Stande, Eigentum aufzugeben und zu sehen, welche Konsequenz dies innerhalb seiner Vernunft, die er als Bewusstsein wahrnimmt auslöst.

    Er erkennt nicht, dass sein Wille lediglich auf der Annahme begründet ist, dass Eigentum natürlich sein.

    Ein rational denkender Mensch kann nicht nachvollziehen, dass seine Vorstellung von "natürlich" falsch ist. So ist er lediglich im Stande einen Kuhhandel abzuschließen und einen demokratischen Staatskapitalismus zu entwickeln, was in der Konzeption des demokratischen Privatkapialismus von heute entspricht.

    Die Konvergenz ist in Gang. Der demokratische Privatkapialismus übernimmt den Humankapital-Führungsstil des Kommunismus in Form von Wirtschaftsregierungen.

    Darüber sollte der Mensch nicht schockiert sein, schließlich ist jede Demokratie eine ökonomisches Führungsorgan. Seine Entscheidungen sind ausschließlich und nur von Wirtschaftlichkeit getragen. Im Großen, wie im Kleinen.

    Es ist lediglich eine Illusion, dass in diesem Wertesystem eine Demokratie den Primat über die Wirtschaft erlangt. Es ist unmöglich. Die Hoffnung, lässt den Willen daher immer irren.

    So landet der Mensch immer wieder im Hamsterrad der Wertschöpfungkette. Momentan sind die Menschen lediglich darauf ausgerichtet, das Hamsterrad so zu justieren, dass es zu ihrem Vorteil läuft ohne dass sie rein müssen.

    Das ist der Kampf der NWO - wobei ich keinen Unterschied zwischen "anerkannter" NWO und deren Gegner erkennen kann.

    LG

  1. drdre sagt:

    Sicherlich muss man bei den Meldungen bei der Wahrheit bleiben, das bedeutet natürlich nicht im Umkehrschluss, dass die Aussagen von Frau Merkel für den Bürger positiv sind, wie du hier schon richtig geschrieben hast. Letzendlich wird dies so laufen, dass man die Risiken auf den Bürger abwälzt. Dies hat man bis jetzt ja immer getan.
    Gut, ist auch die Einlassung von Linde Chef Reitzle, der sich einen Austritt Deutschlands aus dem Euro vorstellen kann. Dies würde zwar kurzfristig für einen Einbruch des Exportes sorgen und eine Erhöhte Arbeitslosigkeit nach sich ziehen,so Reitzle, letztlich würde Deutschland aber gestärkt daraus hervorgehen. Dies steht fast auf einer Linie mit den Aussagen von Prof. Hankel, der dies vor Jahren schon ausführte.
    Nur damals waren dies Verschwörungstheorien die keiner Ernst nahm und hören wollte.

  1. freethinker sagt:

    Die USA führen einen Wirtschaftskrieg gegen Europa mithilfe der Ratingagenturen, oder?

  1. drdre sagt:

    "Die USA führen einen Wirtschaftskrieg gegen Europa mithilfe der Ratingagenturen, oder?"

    Nach eigenen Aussagen wohl nicht. Im Grund wäre dies , so S&P ein ganz normaler Vorgang. Und so schlecht wäre dies für Frankreich auch nicht. Aber wie schon gesagt, diese Agenturen sind ja nicht frei sondern arbeiten für Auftraggeber. Und wer die Musik bezahlt, darf sich auch was wünschen.. Immerhin scheinen diese Agenturen im eigenen Land wohl auf beiden Augen blind zu sein.

  1. ebm_bln sagt:

    Hallo - zum Thema Lebensversicherungen

    Wenn man sich mit Thema etwas intensiver beschäftigt, so bleibt folgendes festzustellen:

    Die Kunden sind IMMER die Dummen!

    1. LV bieten kaum eine Rendite, die ÜBER der Inflation liegen.

    2. LV-Unternehmen kaufen Staatsanleihen, bei denen die RenditeZinsen vom Steuerzahler/Kunden selbst erwirtschaftet werden (müssen). Kunden geben also (indirekt) noch Geld dazu, damit Sie eine LV-Leistung erhalten.

    3. Das Versicherungsaufsichtsgesetz §89 schreibt vor, dass bei einer drohenden Auszahlungskrise (zBsp. wegen abgewerterter Staatsanleihen-Bonität) eines LV-Unternehmens, zwar die Auszahlung gestoppt werden kann, jedoch der Kunde WEITERZAHLEN muss.
    Link: http://www.versicherungsgesetze.de/versicherungsaufsichtsgesetz/0089.htm

    weitere Infos, als Video-Interview

    http://www.alpenparlament.tv/playlist/483-kapitalvernichter-lebensversicherungen

    Wer also (noch) eine LV hat - sollte mal darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller wäre aus diesem Kapitalvernichtungskreislauf auszusteigen...

    greetz Ein-Besorgter-Mensch :-)

  1. Janne sagt:

    Tja Leute, ...ich lebe hier in Schweden. Hier ist die Staatliche Rente schon seit einiger Zeit inFonds umgelegt worden. Jeder einzahlende Arbeitnehmer muss nun schon seit einigen Jahren ständig selbst entscheiden, auf welche Fonds, mit welchem Risko er setzt. das war bis 2008 ja noch ganz lustig - nur finden sich heute kaum noch Anlagemöglichkeiten mit positiven Renditen. Die Verwaltungskosten und Kosten für jeden Fondwechsel lassen die Prognose für die zu erwartende Rentensumme Jahr für Jahr schrumpfen. Ich hab aufgegeben, da noch Zeit zu investieren. Am Ende ist sowieso nichts mehr da... Könnte man sich das Geld jetzt auszahleung und in Gold oder Silber anlegen, hätte man sicher mehr davon.

    LG