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Interview mit Professor Wilhelm Hankel

Dienstag, 8. Januar 2013 , von Freeman um 12:05

Die Neue Luzerner Zeitung publizierte in der heutigen Ausgabe vom Dienstag, 8. Januar 2013, ein bemerkenswertes Interview mit dem deutschen Ökonomen und Euro-Kritiker der ersten Stunde, Prof. Dr. Wilhelm Hankel. Auf einer ganzen Seite an prominenter Stelle führt der Journalist Kari Kälin ein Interview, das es wahrlich in sich hat. Es ist eine Wohltat zu lesen, mit welch messerscharfem Sachverstand Wilhelm Hankel das Euro-Desaster analysiert und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt.



Zur Erinnerung, am kommenden Samstag den 12. Januar wird Prof. Hankel einen Referat im Hotel Montana in Luzern zum Thema "Der Euro am Abgrund?" halten. Unbedingt anmelden und dabeisein.

Interview Kari Kälin:

Wilhelm Hankel, wie ginge es Deutschland und den Euroländern heute ohne Euro?

Wilhelm Hankel: Glänzend. Deutschland stünde wirtschaftlich besser da als die Schweiz. Die meisten Euroländer befänden sich heute nicht in einer Krisensituation.

Weshalb?

Hankel: Wir hätten eine Reihe von Wechselkursbereinigungen und Währungsaufwertungen in Staaten wie Deutschland, Österreich oder den nördlichen Ländern erlebt. Wir hätten die Inflationsgefahr im Griff. Die südlichen Krisenstaaten befänden sich dank Abwertung der eigenen Währung auf dem Weg zur Genesung. Die griechische Drachme hätte an Wert verloren. Heute gilt die Unsinnsgleichung, dass ein Euro in Griechenland so viel Wert ist wie in Deutschland. Doch die Kaufkraft liegt in Griechenland gemäss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) um 40 Prozent tiefer als in Deutschland. Mein Fazit: Ohne Euro ginge es ganz Europa besser. Die Gemeinschaftswährung hat die heutige, katastrophale Lage heraufbeschworen.

Ist der Euro noch zu retten? Oder steht er am Abgrund?

Hankel: Wahnsinn kann man nur eine gewisse Zeit lang betreiben. Was die Schweizerische Nationalbank mit den Eurokäufen macht, betreibt die EU auf monströse Weise im Grossen. Während die Schweizerische Nationalbank «nur» den Wechselkurs stabilisieren will, «rettet» die EU auf noch monströsere Weise ganze Volkswirtschaften und hält sie künstlich auf einem Stand, den sie längst nicht mehr haben. Aus währungs- und finanzpolitischer Sicht sind Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal bankrott. Die Euroretter vollführen eine Bankrottverschleppungspolitik, die sich nicht auf alle Ewigkeit aufrechterhalten lässt. Sie ist nicht zu bezahlen. Die Summen, die im Spiel sind, sind viel zu gross. Die Gesamtverschuldung in der südlichen Eurozone beläuft sich auf rund 13 Billionen Euro. Das entspricht viermal der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Sind die Sparprogramme, welche die Troika Griechenland aufzwingt, nicht zielführend?

Hankel: Nein. Hier wird ein Patient quasi ohne Betäubung operiert. Die Euroretter erwarten auch noch, dass die Menschen die Einbussen bei den Einkommen, Renten und Sozialleistungen klaglos hinnehmen. Man kann aber gerade jungen Menschen nicht eine Zukunft ohne Perspektiven, ohne Aussicht auf eine Arbeit, zumuten. Wäre Griechenland nicht in der Eurozone, hätte es seine Währung schon vor Jahren abwerten und eine vernünftige, nationale Wirtschaftspolitik mit eigenen Wechselkursen und eigenen Zinsen verfolgen können. Die heutige Situation führt zum Beispiel dazu, dass Griechenland im eminent wichtigen Tourismussektor aus Kostengründen viele Kunden an die Türkei verloren hat. Athen wird von Brüssel fremdbestimmt.

Sie haben den Euro schon als «lebenden Leichnam» und Missgeburt bezeichnet. Dramatisieren Sie? Momentan herrscht an den Märkten ja eine relative Ruhe.

Hankel: Die Ruhe an den Märkten ist vergleichbar mit der Selbstberuhigung eines Selbstmörders, der von einem Turm springt und sich während des freien Falls sagt: «Es ist ja noch nichts passiert.» Das ist reiner Selbstbetrug.

Sehen Sie einen Ausweg aus der Eurokrise?

Hankel: Ich verrate meine konkreten Vorschläge, die ich an meinem Vortrag vom nächsten Samstag in Luzern präsentieren werde, noch nicht en détail. Die Ironie ist: Man könnte den Euro retten, indem man ihn in Kombination mit nationalen Währungen weiterführt, in einem Verbundsystem mit den von ihm verdrängten alten Währungen. Der Euro wäre dann wie im alten Goldstandard: das «Gold Europas». Wenn auch nur aus Papier oder elektronischer Materie und nicht aus dem gelben Metall. Der Euro konnte niemals nationale Währungen ersetzen, er konnte nur als Alternativwährung fungieren, eben wie früher das Gold im Goldstandard. Kehrte man dahin zurück, hätte das mehrere Vorteile. In der EU verschwände der Graben zwischen Ländern mit und ohne Euro. EU und Eurozone wären identisch. In Kombination mit der nationalen Währung könnten sogar Länder wie die Schweiz, England, Russland oder Norwegen zu Euroländern werden.

Wenn die einzelnen Staaten zu ihren Währungen, also zum Beispiel die Griechen zur Drachme, zurückkehren, hätte das doch verheerende Folgen. Die Griechen würden bei der Ankündigung dieses Schrittes zur Bank rennen und sofort ihre Guthaben sichern.

Hankel: Im Gegenteil: Die Aussicht auf Wiedereinführung der alten Währungen würde einen Freudenrausch auslösen. Nicht nur in Deutschland, wo die D-Mark fast so ein Mythos ist wie der alte Kaiser im Kyffhäuser. Man müsste den Menschen nur klarmachen, dass es sich um einen Währungs-umtausch handelt und nicht um eine Währungsreform. Und dass dieser Umtausch nicht mit einer Wertverminderung ihrer Guthaben einhergeht.

Hat der Euro nicht auch gute Seiten? Die mühsamen Wechselkurse entfallen, Touristen müssen nicht andauernd in die Wechselstube. Das ist doch unter dem Strich praktisch.

Hankel: Jede Bequemlichkeit hat ihren Preis – auch diese. Im Falle des Euros ist der Preis auf Dauer unbezahlbar. Ausserdem ist diese Bequemlichkeit billiger zu haben: am Geldautomaten im Ausland. Er kann inzwischen umrechnen.

Was ist Ihrer Ansicht nach das Grundübel am Euro?

Hankel: Der unverantwortliche Leichtsinn, mit dem Politiker zwingende ökonomische – und menschliche – Gesetze ignoriert haben. Ökonomisch ist es widersinnig, dass sich Staaten mit unterschiedlichen Volkswirtschaften eine Währung teilen. Staat und Währung gehören zusammen. Was versteht denn eine «staatenlose» Zentralbank wie die EZB von den Problemen der ihr anvertrauten 17 Länder? Die sind doch in Griechenland anders als in Deutschland oder der Schweiz. Und: Was bei 17 Euro-Ländern nicht funktioniert, wie soll denn das, wie vorgesehen, bei 28 EU-Ländern klappen? Und dann die menschliche Seite. Die Menschen manifestieren ihre Bedürfnisse mit dem Geldschein. Er lässt erkennen, was sie wirklich wollen, und auch was nicht. Man sieht es jetzt an der Flucht aus dem Euro – nicht nur in den Krisenländern der Eurozone. Einer der grossen Ökonomen der Wiener Schule: Eugen von Böhm-Bawerk, Lehrer des heute viel zitierten Friedrich August von Hayek, hat das bereits vor 100 Jahren in seinem grundlegenden Essay «Macht oder ökonomisches Gesetz?» klar gelegt. Eine Politik, die gegen ökonomische Gesetze und damit gegen menschliche Grundbedürfnisse regiert, zieht immer den Kürzeren. Diese Erfahrung machen derzeit auch die Euroretter. Nur, sie hätten sie sich – und den Menschen, für die sie da sind – ersparen können. Was jetzt passiert und noch passieren wird, war auch schon vorher klar.

Hatten diverse Staaten nach der Wiedervereinigung nicht einfach zu viel Angst vor einem starken Deutschland mit einer starken D-Mark?

Hankel: Noch bevor 1992 der Vertrag von Maastricht über die EU unterzeichnet wurde, forderten Giulio Andreotti, Margaret Thatcher und François Mitterand, die Staatchefs von Italien, Grossbritannien und Frankreich, den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl dazu auf, der Währungsunion beizutreten. In einem Brief schrieben sie, ein zu starkes Deutschland mit einer zu starken Währung störe Europa und könne nicht hingenommen werden. Nachdem der Euro eingeführt worden war, hat Frankreich als erstes Land die Stabilitätsregeln gebrochen und ein zu hohes Staatsdefizit gemacht. Deutschland zog mit, vermutlich aus Solidarität, damit Paris nicht allein als schwarzes Schaf dastand. Das war eine politische Dummheit der damaligen rot-grünen Regierung.

Sie haben 1998 vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht gegen die Einführung des Euro geklagt. Danach hatten Sie Pariastatus. Der Spiegel bezeichnet Sie als «renitenten Professor». Wie haben Sie das erlebt?

Hankel: Der Kreis meiner Fans hat sich verändert. Die Politiker meiden mich. Aber wenn ich irgendwo im Café sitze, setzen sich Menschen spontan zu mir. Ich bin mit diesem Tausch zufrieden. Politiker und Medien schneiden mich, das Volk schätzt mich. Meine Homepage wird tausendfach angeklickt. Die Menschen honorieren meinen Einsatz für sie, Deutschland und Europa. Das tut mir gut.

Die Einführung des Euros konnten Sie nicht verhindern.

Hankel: Natürlich nicht. Aber leider haben sich alle Befürchtungen, die ich zusammen mit Wissenschaftskollegen vorgebracht habe, erfüllt. Entgegen dem Eindruck in der Öffentlichkeit haben wir durch unsere Verfassungsklagen doch einiges erreicht. So hat das Gericht festgehalten, dass die Eurozone eine «Stabilitätsgemeinschaft» sein muss. Wenn dies nicht der Fall sei, habe jede deutsche Regierung das Recht, die Währungsunion wieder zu verlassen. Mit unserer zweiten Klage gegen den Euro-Rettungsfonds EFSF haben wir im Mai 2010 einen weiteren Teilerfolg erzielt, als es um die Hilfen an Griechenland ging. Das Gericht hat festgelegt, dass die Regierung nicht «auto-matisch» Budgetüberweisungen vornehmen darf. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss jeweils vorher das Plazet des Parlaments einholen. Das verstand sich nicht von selbst. Und ausserdem gibt es dank diesem Urteil keine Eurobonds, also keine EU-Staatsanleihen.

Sie haben im letzten Sommer auch gegen den dauerhaften Rettungsschirm (ESM) geklagt.

Hankel: Das Hauptverfahren steht noch aus. Dann wird das Gericht auch prüfen, ob die Europäische Zentralbank unbeschränkt Schrottanleihen kaufen darf oder ob das den Rahmen der europäischen Gesetzgebung sprengt. Wir sind zuversichtlich. Unser bester, wenn auch unfreiwilliger Verbündeter ist der europäische Gerichtshof (EuGH). Seine Rechtsbrüche und -verdrehungen sind so unglaublich, dass sie das deutsche Verfassungsgericht gar nicht hinnehmen kann. So hat der EuGH zum Beispiel für rechtens erklärt, dass Eurostaaten für andere Eurostaaten haften – obwohl es die EU-Verträge in der No-Bailout-Klausel strikt verbieten. Doch der EuGH «hilft» den Rettern, indem er die damit verbundenen Milliardenzahlungen als «normale Kredite» interpretiert. Das ist ungeheuerlich. Denn dieses Geld finanziert keine realen Investitionen, es verschwindet in schwarzen Löchern.

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat Sie wegen Ihrer Kritik am Euro als geschichtslosen Fachidioten hingestellt. Was sagen Sie ihm jetzt?

Hankel: Wenigstens hat er mir nicht die Fachkompetenz bestritten. Im Übrigen: Er hat Deutschland nur Geld gekostet hat, während ich mit dem «Bundeschätzchen», das ich in meiner Zeit als Leiter der Abteilung «Geld und Kredit» im Bundeswirtschaftsministerium Ende der 1960er-Jahre erfunden habe, der Staatskasse mehrere 100 Milliarden D-Mark eingebracht habe. Es war unser markwirtschaftliches Gegenstück zum «Volkseigentum» der früheren DDR. Der Bürger wurde mit seinen Spargroschen am Staatsvermögen beteiligt und erhielt dafür – als Quittung – ein gut und progressiv verzinstes, kursschwankungsfreies Wertpapier. Es war fast ein halbes Jahrhundert lang der Renner am deutschen Kapitalmarkt. Ausserdem wurde es x-fach imitiert: von Sparkassen, Volksbanken usw. Leider hat die Bundesregierung jetzt zu Jahresende seinen Vertrieb eingestellt, nachdem sie es schon während der letzten Jahre kaum noch verzinst hat. Es ist eine kolossale Dummheit, denn gerade jetzt kommt es darauf an, möglichst grosse Teile der Staatsschuld im Lande zu behalten – und der Bundesschatzbrief war das ideale Papier dafür.

Heute sind Sie ein viel geladener Redner, im deutschen Politmagazin «Cicero-Liste» figurieren Sie auf der Liste der 500 bedeutendsten deutschen Intellektuellen. Eine Genugtuung?

Hankel: Ja. Aber es ehrt die Juroren. Sie zeigen, dass sie Kritiker respektieren und nicht auf jeden Phrasendrescher reinfallen.

Die europäischen Staatschefs eilen von Krisengipfel zu Krisengipfel und sprechen Abermilliarden zur Rettung von Pleitestaaten wie Griechenland. Was bewirkt dieser Aktivismus überhaupt?

Hankel: Die deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft hat das Wort «Krisenroutine» zum Unwort des Jahres gekürt. Das Skandalöse ist, dass die Politiker nicht schlecht von ihrer Krisenroutine leben. Die Spesen sind gewaltig. Nur wofür? Die Krisenroutiniers zeigen mit jedem ihrer Gipfel einmal mehr, dass sie gar kein Konzept zur Lösung der Eurokrise haben. Sie verschleudern Billionen Euro, ohne eine Bilanz vorzulegen, aus der klar ersichtlich wäre, wofür. Seit Ausbruch der Eurokrise hat allein die Europäische Zentralbank rund 5 Billionen Euro gedruckt. Oder elektronisch verschickt. Ein materieller Gegenwert dafür ist nirgends zu erkennen. Im Gegenteil: Die Wirtschaftsleistung der Eurozone geht zurück. Es handelt sich also um Geldschöpfung ohne Wertschöpfung. Tatsächlich sind die 5 Billionen sind in den Bankenapparat der Eurozone geflossen. Die Banken haben das Geld mangels ausreichender Kreditnachfrage an der Börse angelegt. Die Frage, die sich jeder stellen muss, lautet: Wann kommt der nächste Schwarze Freitag? Es gibt genügend Parallelen zu den 1920er-Jahren. Auch damals wurde die Geldmenge bei mässigem Wachstum zu stark ausgeweitet. Irgendwann platzt die Blase, weil jemand zu viele Posten auf einmal verkaufte und die Kurse einbrachen, an jenem ominösen Freitag teilweise um bis zu 90 Prozent. Das kann sich wiederholen.

Hat überhaupt noch jemand den Überblick über all die Konstrukte, dank denen die Krisenstaaten der Eurozone aus dem Schuldensumpf finden sollen?

Hankel: Nein. Und ich frage mich, ob dahinter nicht Absicht steckt. Wenn jemand den Überblick hätte, wäre das Entsetzen über die verschwundenen Billionen ja noch grösser. Die Verschleierung ist Teil der Politik der Euroretter. Kämen die ganzen Konsequenzen dieser Übung ans Tageslicht, sie wäre schnell beendet. Gibt es einen intelligenten Politiker, der längst erkannt hat, dass ein Abbruch der Eurorettung nötig wäre? Ich sehe keinen. Leider gibt es genug dumme Politiker in Europa, die die Augen zu und weiter machen.

Sind diese Rettungsschirme denn nicht eine Art Marschallplan wie nach dem Zweiten Weltkrieg, dank denen die verschuldeten Staaten wieder auf die Beine kommen könnten?

Hankel: Ich arbeitete als junger Volkswirt im deutschen Marshall-Plan-Ministerium, als dieser Plan umgesetzt wurde. Der Marshallplan ist der Beweis für die klassische Theorie, dass man Kapital nur durch Arbeit bilden kann. Und dass man, um arbeiten zu können, genügend zu essen haben muss. Um aufzubauen, muss man etwas leisten. Die Eurorettung funktioniert nach dem umgekehrten Prinzip: Geld ohne Leistung. Es wird ein Status quo zementiert. Leider ist es der der Pleite.

Die Schweizerische Nationalbank kauft grosse Mengen an Euro – Ende November sass sie auf einem Devisenbestand von 174 Milliarden Euro – um den Wechselkurs von 1.20 zu verteidigen. Können Sie das nachvollziehen?

Hankel: Ich liebe die Schweiz, aber verstehe die panische Furcht der Schweizer Behörden vor der Aufwertung des Frankens nicht. Sie ist völlig unberechtigt. Die D-Mark hat in ihren letzten 25 Lebensjahren ständig aufgewertet. Deutschland wurde in dieser Zeit nicht ärmer, sondern immer reicher. Das würde auch in der Schweiz passieren. Wer exportiert, muss auch importieren. Die Importe werden bei einer starken Währung ständig billiger, auch für Wirtschaft und Industrie. Sie gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit. Mein früherer Chef, Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller von der SPD, sagte damals: Jede DM-Aufwertung ist eine Ausschüttung von «Sozial-Dividende an das deutsche Volk». Man kann sich mehr im Supermarkt kaufen und reist günstiger ins Ausland. Das gilt auch für die Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank verschwendet Volksvermögen, wenn sie Geld in einer Währung anlegt, die es wahrscheinlich schon bald nicht mehr gibt. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand? Der Schweizer Sinn fürs Reale?

Die EU hat den Friedennobelpreis erhalten. Ihr Kommentar?

Hankel: Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Seit wir den Euro haben, nehmen die Gehässigkeiten und Animositäten unter den europäischen Völkern in einem erschreckenden Ausmass zu. Die zu rettenden Euroländer haben sich nicht gerade überschwänglich für die vielen hundert Milliarden Euro, die sie als Hilfe erhalten haben, bedankt. Bei den nächsten Milliarden werden sie es auch nicht tun. Ich kann nicht nachvollziehen, was sich das Nobelpreiskomitee bei der Verleihung dieses Preises gedacht hat. Nicht die EU sichert den Frieden Europas, sondern die Einsicht, dass man einen Dritten Weltkrieg weder braucht noch bezahlen könnte.

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Hinweis: Im Februar erscheint im Wiener Signum Verlag Wilhelm Hankels (83) neues Buch «Die Entschärfung der Euro-Bombe. Bessere Alternativen für die Eurorettung.»

insgesamt 28 Kommentare:

  1. drdre sagt:

    Hier wird in erschreckender Klarheit dargestellt, dass diese Politik , die von Merkel u. Co. betrieben wird ins Desaster führt. Ferner hat man die CAC , die Collective Handlungsklausel eingeführt, ein Anschlag auf die Ersparnisse der Bürger. Dies riecht nach geplantem Schuldenschnitt und rücksichtsloser Enteignung.Alle neuen Staatsanleihen sollen ab Jan. diese Klausel enthalten. Dieses ist ein weiterer Mosaikstein der Umverteilung in der EU von unten nach oben. Frage: Was wird der Bürger sich seitens der Politik noch alles bieten lassen müssen. Die ungeheuren Summen , die man jetzt schon im Namen des sog. "Europa" verbraten hat, sind an die Banken und Hedge Fonds, sowie in Rüstungsprodukte geflossen, oder im Korruptionsgschungel der Bürokratie versickert. Während die Bevölkerung immer mehr den Weg in die Verarmung geht .
    Hauptexperimentalfeld in diesem Sinne bleibt Griechenland. Hier wird getestet was ein Volk aushält.

  1. Tertius sagt:

    Vielen Dank für dieses Interview!

    Es tut der Seele gut zu wissen, dass es trotz der 'political correctness' kompetente Fachleute gibt, die es um der Wahrheit willen wagen ihren guten Ruf in den elitären Zirkeln aufs Spiel zu setzen.

  1. Skeptiker sagt:

    Das Hauptproblem ist und bleibt das auf Zinseszins basierende ungedeckte Schuldgeldsystem, sowie das Geldschöpfungsmonopol der Zentralbanken.

    Alle FIAT-Währungen sind dem Untergang geweiht, egal ob es sich um Dollar, Euro, Pfund, Yen, Deutschmark, oder Drachme handelt!

  1. couchlock sagt:

    Prof. Hankel hat schon länger meinen höchsten Respekt, nicht nur seine Analysen und sein Sachverstand, vor allem auch seine Charakterfestigkeit und sein Mut erheben ihn meilenweit über das grosse Heer der Speichellecker und charakterlosen Karrieristen!
    Dieser Mann verdient unser aller Respekt, er ist ein VOLKSVERTRETER! Genau wie Prof. Schachtschneider. Was tut es gut, solche Worte zu lesen...

  1. IrlandsCall sagt:

    Hankel, Schachtschneider, Popp & Co reden immer von Fehlern der Politik. So als wenn unsere geliebte "Elite" unser Bestes wolle, aber durch Unkenntnis oder Inkompetenz die derzeitige soziale Euthanasie von 400 Millionen Europäern und deren Enteignung verursacht hätten. Das klingt aber unglaubwürdig. Ich denke, dass die Politiker in EUtopia genau das tun, wofür sie von der globalen Finanzmafia bezahlt werden. Eben die soziale Euthanasie von 400 Millionen Europäern und deren Enteignung. So herum betrachtet "lösen sich die Wiedersprüche auf, aber der Zorn steigt" (frei nach Georg Schramm)

  1. 111hucky sagt:

    Wenn man den normalen Bürgern zwei einfache Formeln beibringen könnte, wie die mathematische Formel 1+1=2 oder 1+2=-1, nämlich folgende: 1. Sobald Politik und Medien euphorisch eine Person oder ein Ereignis feiern oder hochpushen, ist absolute Alarmbereitschaft notwendig. Meist wird hier die Lüge zur Wahrheit. 2. Wird eine Person oder ein Ereignis von Politikern und Medien negiert, auseinandergerissen, kritisiert, wird sich darüber lustig gemacht oder sonstige Maßnahmen ergriffen , aus Wahrheiten Lügen zu machen, kann davon ausgegangen werden, dass diese Person die Wahrheit sagt, bzw. Recht hat oder deses Ereignis tatsächlich stattgefunden hat.
    Es ist so einfach geworden, diese Lügenbande zu durchschauen, in dem man sich diese einfachen Sätze jedesmal vor Augen führt, sobald etwas ganz besonder hervorgerufen oder verteufelt wird.

    Ich dankr Prof. Hankel ebenfalls für das Interwiev und seinen Mut, den Euro_Wahnsinn nicht schön zu reden, sondern berechtigte Kritik zu äußern, selbst auf Kosten des "Guten Rufes".

  1. Hankel verbreitet die Lüge von den "dummen" Politikern. Völliger Schwachsinn, er deckt das Politgesindel nur und streut den Unbedarften Sand in die Augen. Sorry, ist so!

  1. Hankel verbreitet das Märchen von den "dummen" Politikern. Bullshit!

  1. humanity sagt:

    @ Skeptiker

    ...dito...

    es ist einfach so...............

  1. mikem777 sagt:

    Dass die Besitzer der Luzerner Zeitung ein solches Interview überhaupt noch zulassen, ist wirklich erstaunlich. Immerhin sagt Hankel die Wahrheit, und die Wahrheit zu publizieren, das ist heute einfach nicht mehr politisch korrekt.

    Man kann den EU-Sklaven ja vieles zumuten, nur nicht die Wahrheit. Wo würden wir denn da hinkommen, wenn jeder die Wahrheit kennen würde?

    Die Wahrheit ist das Privileg der Elite. Deshalb funktioniert Demokratie auch nicht mehr, weil nur die Elite die Wahrheit kennt. Das ist zumindest die perverse Logik der Elite.

    Manchmal bekommt man schon den Eindruck, als ob es in ganz Deutschland nur ein halbes Dutzend Ökonomen geben würde. Ich meine, wo sind die hunderten von Ökonomen der vielen deutschen Universitäten geblieben, die ähnlich wie Hankel Kritik äussern an den unhaltbaren Zuständen?

    Es ist ja nicht so, dass es sich hier um extreme Sichtweisen handelte, denn das was Hankel sagt, entspricht eigentlich nur dem gesunden Menschenverstand. Und dass er recht hat, das kann man ja nun überdeutlich an der Krise erkennen. Seine Prophezeiungen sind ja längst wahr geworden.

    Aber wie ist es möglich sämtlichen Ökonomen sämtlicher deutscher Universitäten einen Maulkorb zu verpassen? Oder wie ist es möglich sämtlichen Hochschulprofessoren und Dozenten für Ökonomie eine derartige Hirnwäsche verpasst zu haben, dass diese offenbar alle mit der Politik der EU einverstanden sind und keinerlei Kritik an ihr äussern?

    Ich meine, was ist eigentlich passiert mit der angeblichen freien Lehre und Forschung an den Hochschulen? Wie hat eine derartige Gleichschaltung je geschehen können? Eine Gleichschaltung der Medienlandschaft könnte die westliche Demokratie gerade noch verkraften, aber diese Gleichschaltung an den Universitäten wird der Sargnagel des Westens sein.

    Jetzt wird auch klar, warum die Elite und deren politische Handlanger in der Vergangenheit so eifrig darum bemüht waren die Hochschulen zu reformieren. Das Böse wird stets als das Gute getarnt.

    Werden diese Professoren bedroht, werden sie erpresst, sind sie alle Mitglieder einer geheimen Bruderschaft, haben sie alle keine Ahnung von den Zuständen, sind sie alle geistig Debil, haben sie keine Ehre, haben sie keine Selbstachtung?

    Das macht es auch so schwer für den Durchschnittsbürger aufzuwachen, denn er sagt sich zu recht, wenn die Zustände wirklich so schlimm wären wie Hankel sagt, dann gäbe es doch bestimmt mehr Professoren, die sich wie Hankel kritisch äussern würden.

    Offenbar sind die Vorstellungen, die wir über die Freiheit der Lehre an den Hochschulen gehabt haben, völlig falsch. Vermutlich läuft es in der BRD heute eher so wie in der damaligen DDR. Zumindest würde dies das merkwürdige Verhalten jener Ökonomen erklären. Feige Karriere-geile Jasager überall, könnte man sagen.

    Unsere Vorstellungen über die angebliche westliche Pressefreiheit waren ja auch völlig falsch, wie wir jetzt erkennen können. Spätestens seit dem 11. September hat das wohl auch der Dümmste kapiert. Von fairer und ausgewogener Berichterstattung keine Spur.

    Hankel hat gewiss recht, aber was nützt es einem Recht zu haben, wenn niemand glaubt, dass man recht hat?

    Die Lüge ist sehr populär heutzutage.

    Aber ist es nicht so, dass die meisten Menschen die Lüge der Wahrheit vorziehen, wenn die Wahrheit ihre Komfortzone verletzt? Eine angenehme Lüge ist ihnen eben lieber, als eine unangenehme Wahrheit. Und sie werden einen sehr hohen Preis für diese idiotische Einstellung bezahlen müssen.

  1. couchlock sagt:

    Die schlauen, eingeweihten Politiker sind doch in der Minderheit, aber in den entscheidenen Posten,.logisch. Dann gibt es die Masse an in Sachfragen dummen Politiker.
    Die Idee,.daß er absichtlich in diesem Punkt täuscht, paranoide! Es ist seine ehrliche Meinung und da hat er auch ein Recht drauf.
    Hier gibt es einige, die so in ihre Sicht der Dinge verliebt sind und meinen,.die reine Wahrheit zu kennen und sich nicht hinterfragen, hören gar nicht richtig zu, wozu auch,.sie wissen ja alles...
    Es geht hier um die finanzielle Analyse und da ist der Mann TOP.

  1. @ couchlock

    Hankels ökonomische Sichtweisen mögen ja wirklich alle richtig und gut sein. Nur was bringt das, wenn er im selben Atemzug weiter die Mär von den "dummen" Politikern erzählt?

    Politiker sind hochintelligente, gerissene Leute oder wie naiv bist du eigentlich? Können sich Politiker nicht alle wissenschaftliche Expertise dieser Welt einholen und die Lage mit einem Federstreich verbessern, wenn sie es denn WOLLTEN?

    Nein, sie wollen es nicht. Das widerspricht ihrem Plan respektive dem Plan der "Schattenmächte". Dass der Michel dies nicht blickt, okay, aber dass viele ASR-Blogger diesen Knochen ebenso kauen, stimmt mich nachdenklich.

    Hankel ist doch nicht blöd, er hat selber mal für den politischen Betrieb gearbeitet bzw. Expertise bereitgestellt. Meint ihr, der weiß nicht, was gespielt wird? Stichwort BRD GmbH, Deutschland Vasall der USA?

    Mit der politischen, viel wichtigeren Wahrheit kann er doch in einem Zeitungsinterview nicht rausrücken.

    Bitte, es ist an der Zeit folgende Prämisse zu akzeptieren: Spitzenpolitiker sind skrupellose Massenmörder!

  1. Hallo zusammen und allen hier ein 2013 nach seinen Vorstellungen :)

    Hat einer zufällig noch diese Ausgabe der LZ mit dem Interview und ist gewillt sie nach Deutschland zu schicken? Würd auch das Porto übernehmen :)

    Ihr könnt mich hier kontaktieren:
    azitterback1@gmx.de

    Danke schonmal.

  1. Der 4. Weg sagt:

    Der Hankel sagt nicht die Wahrheit. Er verdeckt die Wahrheit. Im Grunde ist er Systemtreu. Und das System ist faul wegen dem Zinsundzinseszins.

    Das herumgeeiere um den Euro ist makaber und unnütz. Er ist es nicht mehr wert sich um ihn zu kümmern. Er wird fallen und ein Chaos wird entstehen. Was dann kommt liegt in der Hand von einflussreichen Durchblickern.

  1. Hardy sagt:

    Großen Respekt vor diesem mutigen Mann und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, heute den 10.Januar.

  1. xabar sagt:

    Hankel ist zwar kein Sozialist, aber trotzdem habe ich den größten Respekt vor diesem 'bürgerlichen' Ökonomen.

    Drdre hat etwas sehr Treffendes gesagt:

    An Griechenland wird ausgetestet, um zu sehen, was ein Volk aushält.

    Eine kleine Anmerkung zu den 'dummen' Politikern:

    Es kommt nicht darauf an, ob sie dumm oder schlau sind, sondern darauf, welche Rolle sie spielen, welche Funktion sie ausüben.

    Und die allermeisten sind Rädchen im Getriebe des Finanzkapitalismus, der zum Untergang verurteilt ist. Dass sie das nicht erkennen, ist allerdings eine Dummheit.

  1. Skeptiker sagt:

    @ xabar

    "Und die allermeisten sind Rädchen im Getriebe des Finanzkapitalismus, der zum Untergang verurteilt ist. Dass sie das nicht erkennen, ist allerdings eine Dummheit."

    Warum bist du dir so sicher, dass der Finanzkapitalismus dem Untergang geweiht ist ???

    Der Zinseszins sorgt für die zunehmende Konzentration des Geldes in wenigen Händen (Analogie: die Schwerkraft sorgt für die Zusammenballung von Materie im Universum).

    Die Eliten nutzen die erkaufte Zeit, um ihre Papierforderungen in reale Werte umzutauschen. Nach dem Crash werden sie also wieder die Reichen und Mächtigen sein !!!

  1. jayem sagt:

    Dumme Politiker? mmh...
    FIAT-Money - easy money!
    Politiker lieben dieses easy money, weil sich der Staat und seine Machtelite damit beliebig verschulden können und sie ihren Wählern immer wieder Versprechungen machen können. So bleiben sie an der Macht.
    Dumm ist das nicht - nur geisteskrank!

  1. medienpirat sagt:

    Hauptproblem ist meines Erachtens natürlich das auseinander klaffen von Realwirtschaft & Finanzwirtschaft.

    Umsatz: 1:400
    Gewinn: 1:10

    Danach kommt die Geldmengenausweitung. Nur durch die Geldschöpfung von privaten Banken kommt Geld in die Welt.

    Der Zins & Zinseszins verteilt "nur" um. Von Arm zu Reich (besonders obere 0,01%)

  1. xabar sagt:

    @Skeptiker

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das die Industrie und damit die Arbeitsplätze eines Landes systematisch vernichtet?

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das den Menschen nur noch Arbeitslosigkeit und Billigjobs und der Jugend nur noch Perspektivlosigkeit bieten kann?

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das nur noch Schulden und Bubbles produziert und keine realen Werte mehr?

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das sich nur noch durch Kriege retten kann?

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das den Graben zwischen arm und reich immer tiefer werden lässt?

    Die Antwort:

    Keine.

  1. Skeptiker sagt:

    @ xabar

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das die Industrie und damit die Arbeitsplätze eines Landes systematisch vernichtet? -> diese Arbeitsplätze werden nach Asien verlagert, weil dort der größte Bevölkerungszuwachs stattfindet.

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das den Menschen nur noch Arbeitslosigkeit und Billigjobs und der Jugend nur noch Perspektivlosigkeit bieten kann? -> in den BRICS-Ländern sieht man das sicher anders. Ein gerechter globaler Ausgleich sozusagen.

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das nur noch Schulden und Bubbles produziert und keine realen Werte mehr? -> Das ist nur in der Endphase eines FIAT-Geldsystems so.

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das sich nur noch durch Kriege retten kann? -> schau in die Geschichte der Menschheit zurück, dann bekommst du die Antwort.

    Was für eine Zukunft soll ein System haben, das den Graben zwischen arm und reich immer tiefer werden lässt? -> in der Evolutionstheorie nennt man so etwas Selektionsprinzip.

  1. xabar sagt:

    @Skeptiker

    Das Gesetz der natürlichen Auslese ('Selektionsprinzip'), das Charles Darwin entdeckt hat, gilt in der Biologie, aber nicht in der Sozialwissenschaft.

    Es auf die Gesellschaftswissenschaften zu übertragen, nennt man in der Logik eine 'falsche Analogie'. Einen ähnlichen Fehler begehen die Sozialdarwinisten.

    Dein Einwand hat also keine Gültigkeit.

  1. Tony sagt:

    Herr Prof.Hankel,danke für den Klartext,,aber wie sollten denn die Schweizer KMU über die Runden kommen wenn die SNB nicht eingeschritten wäre,,mit €/SFr.1.20..z/Zeit arbeiten wir 10 Stunden und erhalten im Export den Gegenwert von nur,,so 7,5 Stunden,,somit wäre es doch nötig dass die Schweiz alles um ca.30,,35 % abwerten sollte damit wir wieder mit = langen Speissen arbeiten könnten,,oder die KMU lösen sich alle früher oder späterNotgedrunge auf,,

  1. Skeptiker sagt:

    @ xabar

    1) Ich habe 5 Einwände vorgebracht, nicht nur Einen!

    2) Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften haben Eines gemeinsam -> Sie vermitteln im Gegensatz zu Naturwissenschaften keine objektiven Fakten, sondern spiegeln subjektive (Mehrheits)Meinungen bzw Ideologien diverser Wissenschaftler wider.
    Darum vertreten namhafte Ökonomen wie Keynes oder Hayek auch völlig gegensätzliche Positionen.
    Somit ist deine Aussage "Dein Einwand hat also keine Gültigkeit" für mich eher belustigend :-)

  1. xabar sagt:

    @Skeptiker

    Die Ausgangsfrage war, ob der heutige Finanzkapitalismus eine Zukunft hat oder nicht. Für mich hat er keine Zukunft, weil er den einfachen Menschen, der Mehrheit der Bevölkerung, keine Perspektive bietet. Er gehört auf den Müllhaufen der Geschichte, dahin wo auch andere Systeme wie die Sklavenhaltergesellschaft oder der Feudalismus gelandet sind. Systeme haben wie alles ein begrenztes Haltbarkeitsdatum.

    Viele, die damals im Feudalismus gelebt haben, konnten sich auch nicht vorstellen, dass dieses System eines Tages durch ein anderes abgelöst werden würde. Aber es ist dann doch passiert, weil es einen gesetzmäßigen geschichtlichen Prozess gibt.

    Wenn du meinst, dass dieses Monster eine Zukunft hat, so will ich dir den Glauben daran nicht nehmen.

    Was die Frage der Objektivität von Gesellschaftswissenschaften angeht, so machst du den Fehler, die bürgerlichen Sozialwissenschaften zu verabsolutieren. Du vergisst, dass es neben den bürgerlichen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften auch noch eine marxistische Wissenschaft gibt, der ich folge, die die Frage der Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnisse anders beurteilt.

    Aber ich glaube, das auszudiskutieren, würde zu weit führen.

    Ich würde deshalb vorschlagen, dass wir unsere Diskussion beenden, weil wir nicht auf einen Nenner kommen.

    Es hat mich trotzdem gefreut, dass wir unsere Standpunkte hier austauschen konnten und würde mich freuen, wenn wir wieder zusammen diskutieren können.

  1. Skeptiker sagt:

    @ xabar

    Ich danke auch dir für die interessante Diskussion, auch wenn wir auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sind !!!

    Falls es dich interessiert, fasse ich meine persönliche Sichtweise der Dinge im Folgenden kurz zusammen.

    Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit Systemtheorie beschäftigt (Theorie von komplexen dynamischen Systemen).

    Die beiden Gegenpole Evolution und Entropie sind grundlegende Mechanismen im Universum.

    Entropie ist das Maß für Unordnung in einem abgeschlossenen System. Die Entropie nimmt im Universum laut 2. Hauptsatz der Thermodynamik ständig zu, bis hin zum Wärmetod des Universums.

    Durch die Evolution nimmt - im Gegensatz dazu - die Ordnung in einem abgeschlossenen System (zB auf unserer Erde) ständig zu.
    Einzelne Entitäten vernetzen sich zu immer komplexeren Systemen.
    Die treibenden Kräfte dabei sind die Wechselwirkungen zwischen den Entitäten im anorganischen Bereich (Abstoßung/Anziehung) sowie im organischen Bereich (Konkurrenz/Kooperation).
    Quanten, Quarks, Nukleonen, Atome, Moleküle, Aminosäuren, Proteine, Einzeller, Vielzeller, Pilze, Pflanzen, Tiere, Menschen, Familien, Gemeinden, Regionen, Länder, Staaten, Staatengemeinschaften, Menschheit, künstliche Intelligenz?

    Physikalische Evolution: Quanten, Quarks, Nukleonen, Atome
    Kosmische Evolution: Sonnensysteme, Galaxien, Galaxiehaufen, Galaxiesuperhaufen, Filamente
    Chemische Evolution: Moleküle, Aminosäuren, Proteine
    Biologische Evolution: Einzeller, Vielzeller, Pilze, Pflanzen, Tiere, Menschen
    Kulturelle Evolution: Familien, Sippen, Gemeinden, Regionen, Länder, Staaten, Staatengemeinschaften, Menschheit
    Technische Evolution: Computer, Internet, Künstliche Intelligenz

    Die Evolution hat immer nur ein Ziel, nämlich die Weiterentwicklung zu höherer Komplexität und damit zu höherer Ordnung. Die einzelnen Entitäten/Individuen spielen bei dieser Entwicklung nur eine untergeordnete Rolle und zwar als Ressource. Wir als einzelne Menschen, wollen diese Tatsache natürlich nicht wahrhaben und wehren uns gefühlsmäßig dagegen.
    Es ist unbestritten, dass die Erde die gesamte Menschheit (auch wenn es 12 Milliarden Menschen sein werden) locker beherbergen und ernähren könnte. Aber dies beinhaltet eben nur die Erfüllung der Grundbedürfnisse, lässt aber die kulturelle, wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche Weiterentwicklung außer Betracht, und nur darauf kommt es bei der Evolution wirklich an. Die Qualität des Superorganismus Menschheit ist vorrangig gegenüber der Quantität der einzelnen Entitäten/Individuen (Vergleich aus der Biologie: es befruchtet nur ein einziges Spermium eine Eizelle, die restlichen Millionen Spermien sterben ab).
    Es gibt auch in der Menschheit Eliten, welche sich durch besondere Fähigkeiten und glücklichem Zufall von der breiten Masse abheben. Und genau diese Eliten werden die Evolution weiter vorantreiben (es haben sich ja auch nicht alle Menschenaffen zum Homo Sapiens weiterentwickelt)

    Was spricht für eine zentrale Steuerung von Systemen als evolutionäres Ziel?
    Ein Atom ohne Atomkern ist ein Quark-Gluon-Plasma
    Eine Zelle ohne Zellkern (DNA) ist organisches Material
    Ein Mensch ohne funktionsfähiges Gehirn ist ein dahinvegetierender Organismus
    Eine Menschheit ohne Elite ist eine Ansammlung von mehreren Milliarden unkoordinierten Einzelindividuen

    Aus diesen grundsätzlichen Erkenntnissen leite ich daher ab, dass es über kurz oder lang zu einer zentralen Steuerung und Selektion der Weltbevölkerung kommen wird.
    Übrig bleiben werden - meiner Meinung nach - nur jene Menschen, welche sich in diesen neuen elitengesteuerten Superorganismus Menschheit einordnen und dafür nützlich sind.

  1. @SKEPTIKER
    Nun, da bin ich ganz anderer Meinung als du:
    Die Systemtheorie ist vielleicht eine interessante Betrachtung der momentanen Wirklichkeit und weist auch auf langfristige, sogar auch endzeitliche Betrachtungsmöglichkeiten hin. Aber:
    Der Mensch lebt in kurzen Generationen, als Individuum betrachtet ist er sogar nur ein Wind (Sprich Furz) in der Geschichte des Planeten. Da sind deine evolutionären Betrachtungen eine intellektuelle Spielerei. Das wäre ja legitim, das kann ja jeder “so rein intellektuell” für sich so machen. Aber nun schliesst du auf gesellschaftliche Entwicklungen und propagierst das Prinzip einer
    Elite, welche die Welt regiert und !! vorwärts!! bringen soll.

    Natürlich aus der Sicht deiner Gesamtevolutionären Betrachtung immer mit dem Selektionsprinzip.

    Vorsicht mein Freundchen:
    == Wenn du nun noch in irgendeiner Form eine Vererbungstheorie dazunimmst, landest du - bei Aktion Lebensborn
    == nimmst du eine religiöse Weltanschauung dazu – die des Judaismus - landest du in der sog. “gerechtfertigten Landnahme des auserwählten Volkes Israel”.
    == Nimmst du eine sozialpolitische Förderung des Elitegedankens hinzu landest du – bei der Euthanasie
    == Nimmst du den ökologischen Gedanken dazu landest du – bei der Eliminierung des Grossteils der Menscheit “zugunsten der Mutter Gaia”- der Ökofaschismus mancher Grünen liesse grüssen.

    Ich denke nun nicht, dass du dieses willst, es braucht auch keine Verteidigung deiner Position, aber solche intellektuellen Gedankenspielereien können den Boden bereiten für passende elitäre Gesellschaftsvorstellungen: “Ich denke, das waren sie wert” sagte Madelaine Albright damals. Unter Verlust jeglicher menschlichen Selbstverständlichkeit, eine genauso ekelerregende Haltung einer Polit-Intellektuellen, die wie viele andere auch

    wegen Entfesselung eines Angriffskrieges vor den internationalen Gerichtshof gehört hätte!
    Dass die letzten NATO-Kriege gegen internationales Recht verstossen haben, ist geklärt, es fehlen die Richter und die Macht, dieses durchzusetzen.
    Die Menschheit hat, konkret mit dem Roten Kreuz, mit der UNO, ideell mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, mit der Fähigkeit aus der Geschichte und der Ideengeschichte zu lernen, andere Möglichkeiten, als jeglicher intellektueller, pubertärer und narzistischer Spielerei nachzuhängen.
    Sorry, aber hier halte ichs mit MIKEM und XABAR:
    Mensch denk mal.

  1. Skeptiker sagt:

    @ Hochstämmer juhee

    == Wenn du nun noch in irgendeiner Form eine Vererbungstheorie dazunimmst, landest du - bei Aktion Lebensborn -> unabhängig davon: die Vererbung und die gesellschaftliche Prägung bestimmen die Eigenschaften eines Individuums in etwa zu gleichen Teilen.

    == nimmst du eine religiöse Weltanschauung dazu – die des Judaismus - landest du in der sog. “gerechtfertigten Landnahme des auserwählten Volkes Israel” -> in meine Überlegungen fliessen überhaupt keine religiösen Weltanschauungen ein.

    == Nimmst du eine sozialpolitische Förderung des Elitegedankens hinzu landest du – bei der Euthanasie -> Fakt ist, dass in China und Indien hauptsächlich Mädchen abgetrieben werden, jedoch nicht von den Eliten.

    == Nimmst du den ökologischen Gedanken dazu landest du – bei der Eliminierung des Grossteils der Menscheit “zugunsten der Mutter Gaia”- der Ökofaschismus mancher Grünen liesse grüssen.-> Stell dir vor, was es für unseren Planeten bedeuten würde, wenn zukünftig 10-12 Milliarden (derzeit sind es 7 Milliarden) Menschen Häuser westlichen Standards, Klimaanlagen bzw Heizungen, Autos, Flugzeuge, E-Herde, Kühlschränke, Waschmaschinen, TV, Computer, Handys, usw nutzen würden.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/wp-content/uploads/2012/12/World-Population1.jpg