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Reise durch den Iran - Tag3 (Teil2)

Montag, 24. September 2012 , von Freeman um 23:11

Zwischen Terminen bin ich auch an der berühmt berüchtigten ehemaligen US-Botschaft in Teheran vorbeigefahren. Zur Erinnerung, am 4. November 1979 wurde die amerikanische Botschaft von Studenten besetzt. Es gab zwei Gründe dafür. Die US-Botschaft war während der diktatorischen Regentschaft des Schah die wirkliche Regierung des Iran und musste deshalb diese Tätigkeit beenden. Dann verlangten die Studenten die Auslieferung des Schah, der sich in den USA aufhielt. Washington weigerte sich aber dies zu tun. Im Gegenzug ordnete am 11. November der damalige US-Präsident Jimmy Carter die Ausweisung aller illegal in den USA lebenden Iraner an und verfügte ein Importstopp für iranisches Erdöl. Drei Tage später folgte als weitere Massnahme das Einfrieren der Geldguthaben des Irans bei US-amerikanischen Banken. Das war der Anfang der Sanktionen die bis heute in immer verschärfter Form andauern.



Die Besetzung der Botschaft ging weiter bis in der Nacht vom 24. zum 25. April 1980 die Amerikaner eine Geheimoperation zur Befreiung durchführten, die aber in einem Desaster endete. Mehrere C-130 Transportflugzeuge zusammen mit acht RH-53D Sea Stallion-Hubschraubern landeten mitten im Iran in der Grossen Salzwüste. Zwei der Hubschrauber fielen wegen eines Sandsturms aus, ein dritter wurde bei der Landung beschädigt. Daraufhin wurde die Mission abgebrochen, doch beim Start der Flugzeuge berührte ein Hubschrauber eine Lockheed C-130 und stürzte ab. Dabei starben acht amerikanische Soldaten und mindestens vier weitere wurden verletzt. Die Mitarbeiter der Botschaft wurden in den folgenden Tagen in verschiedene Städte im Iran gebracht, um einem erneuten Befreiungsversuch vorzubeugen.



Bereits Tage vor dem militärischen Eindringen in den Iran beschloss der EG-Ministerrat am 21. und 22. April 1980 in Luxemburg umfassende Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Am 26. Oktober 1980 begann die Debatte im iranischen Parlament zur Lösung der Geiselfrage, die am 2. November 1980 in einem Beschluss des Parlaments mündete. In diesem Beschluss wurden die vier Bedingungen für die Freilassung der Geiseln offiziell verkündet; keine Einmischung in innere Angelegenheiten, Freigabe der blockierten Guthaben, Verzicht auf Ansprüche gegen den Iran und Auslieferung des Schah Vermögens. Am 3. November 1980 bestimmte der Iran Algerien zum Vermittler und Verhandlungsführer für ein Abkommen mit den USA. Am 1. Dezember gab der iranische Staatspräsident Mohammad Alī Radschāʾī bekannt, dass die Botschaftsbesetzer die Geiseln an die iranische Regierung überstellt hätten.



In der Zwischenzeit fanden US-Präsidentschaftswahlen statt, die massgeblich von der Geiselaffäre beinflusst wurden. Carter verlor wegen dem gescheiterten Befreiungsversuch und langen dauer der Besetzung wahrscheinlich deshalb die Wahl. Am Tag der Vereidigung von US-Präsident Ronald Reagan wurden die Gefangenen im Gegenzug zur Freigabe des iranischen Vermögens am 20. Januar 1981 freigelassen und konnten mit einer Boeing 727 von Teheran über Athen und Algier nach Frankfurt am Main fliegen. Damit war die Botschaftsbesetzung nach 444 Tage beendet. Der Iran erhielt im Gegenzug am gleichen Tag über algerische Treuhandkonten bei der Bank of England die vorher eingefrorenen Gelder in Höhe von fast 8 Milliarden US-Dollar zurück.

Seit dem gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran. Das ehemalige Botschaftsgebäude wird als Veranstaltungsort verwendet.

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Ich hatte die Gelegenheit zwei der grössten Verlagshäuser des Iran zu besuchen und traf micht mit den Verlagsleitern und Chefredakteuren. Wir besprachen wie die jeweiligen Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit sind. Sie erzählten mir, da sie nicht finanziell vom Staat abhängig sind, sondern von den Einnahmen aus den Inseraten leben, sind sie mehr oder weniger frei die Regierung und das Parlament zu kritisieren, was auch heftig stattfindet. Sie registrieren die Briefe und Kommentare der Leser und richten sich nach den Sorgen der Bevölkerung. Schwerpunkt sind die sozialen Probleme. So gibt es zum Beispiel einen hohen Drogenkonsum mit allen möglichen Folgeschäden, weil der Iran mit Drogen aus Afghanistan überschwemmt wird.



Sie sagten mir auch, klar gibt es eine rote Linie die nicht überschritten werden darf. So zum Beispiel die Tatsache, der Iran ist eine islamische Republik und hat eine entsprechende Verfassung die Staat und Religion als Einheit sieht. Sie meinen, es wäre wie im Westen, wo man den Kapitalismus auch nicht in Frage stellen darf oder die Funktion des Finanzsystems.



Ich wurde durch die Readaktionsräume geführt:



Mindestens die Hälfte der Journalisten sind Frauen:



Männer und Frauen arbeiten selbstverständlich zusammen:



Auch die Technik wo die Druckplatten für die Zeitung produziert werden durfte ich besuchen:



Am Montag erschien zu meiner Überraschung ein Artikel über unser Gespräch in der Zeitung Iran Daily auf der ersten Seite:



Es werden ausländische Internet-Seiten blockiert, das stimmt, die welche von den Behörden als Verbreiter von Lügen die gegen den Iran gerichtet sind eingestuft werden. Die ASR-Seite ist frei zugänglich im Iran. Trotzdem sage ich bei jeder Gelegenheit, mit so einer Zensur bin ich nicht einverstanden. Mir wird dann als Antwort gegeben, die Bevölkerung muss von diesem Giftmüll geschützt werden. Dabei wissen die meisten Internet-Benutzer wie man die Blockade umgeht und trotzdem alles anschauen kann. Ich habe das Gefühl, diese Politik dient mehr dem Anschein einer Kontrolle, denn effektiv ist sie nicht.

Was die neuste Meldung wegen Google betrifft, wird es wohl wegen dem Anti-Islam-Film sein, den die Google-Tochter Youtube zeigt und sich weigert zu entfernen. Die Iraner sagen, jedes Video wird wegen den geringsten Gründen blockiert, aber hier wird er trotz weltweiter Proteste auf dem Netz gelassen. Sie sagen, der Westen demonstriert wieder seine typische Doppelmoral. Die Nacktfotos der Prinzessin Kate sind was ganz schlimmes, ihre Rechte werden sofort verteidigt und die Bilder aus der Öffentlichkeit entfernt. Auf der anderen Seite werden die Rechte und Gefühle der Moslems aufs gröbste verletzt, man zeigt den Propheten Mohammed in sexuellen Handlungen, aber man beruft sich auf Meinungsfreiheit.

Hier geht's mit dem nächsten Bericht weiter ...

insgesamt 4 Kommentare:

  1. Dersimtrack sagt:

    Danke freemann.
    Und übrigens der bart steht dir verdammt gut.
    Viel spass noch!

  1. LinQ sagt:

    Also nichts mit Zensur wie in EuSSR.
    Der neueste Geniestreich heisst Clean-IT und beinhaltet absolute Internetkontrolle und willkürliche Zensur ohne Rücksprachen oder Urteile sowie Überwachung sämtlicher Internetverbindungen.
    Hierzu werden u.a. Privatfirmen eingesetzt.

    http://netzpolitik.org/2012/clean-it-die-eu-kommission-will-das-internet-uberwachen-und-filtern-ganz-ohne-gesetze/

    Was wir nicht alles bezahlen dürfen. So sieht also "Sparkurs" aus.
    Sparkurs? Wo, im Oberstübchen?




  1. kopfdunkel sagt:

    Danke für den Geschichtsteil. Über Zensur braucht man eigentlich gar nicht zu reden, die gibt es hier auch mehr als genug, das finde ich zwar auch nicht richtig, aber es ist eine Tatsache. Interessant finde ich das Frauen und Männer gemeinsam arbeiten, denn hier wird es ja immer so dargestellt als wenn es im Iran und anderen islamischen Ländern gar keine Möglichkeit für Frauen gibt, l G Regina

  1. Marcus Rein sagt:

    Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen. GO FREEMAN GO!!!