Nachrichten

Nach Pro-Assad Demo gleicht Antakya einem Schlachtfeld

Montag, 17. September 2012 , von Freeman um 12:05

Am Sonntag kam es in Antakya in der Türkei zu heftigen Auseinander- setzungen zwischen der Polizei und Demonstranten, die gegen die Syrienpolitik der Erdogan-Regierung protestierten. In der Hauptstadt der Provinz Hatay verlangten die Demonstranten die Schliessung der Lager, die von der türkischen Regierung eingerichtet wurden, da sie zur Ausbildung und Bewaffnung von Terroristen verwendet werden, die dann in Syrien wüten. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummi- geschosse gegen die Menge vor.

Die Demonstranten riefen dazu auf, die "Flüchtlinge" sollten nach Hause geschickt werden und man sollte die Lager schliessen, die entlang der türkisch-syrischen Grenze sich befinden. Sie bekundeten Solidarität mit Syrien und zeigten Plakate mit dem Abbild von Präsident Bashar al-Assad, um die guten Beziehungen zwischen der türkischen Bevölkerung und den Syrern zu betonen. Gleichzeitig riefen sie in Sprechkören "Syrien ... Türkei ... Solidarität" und "Schliesst die Terrorlager".

Nach dem Polizeieinsatz sah Antakya wie ein Schlachtfeld aus. Trotz Verbot durch den Gouverneur der Provinz strömten Tausende Menschen auf die Strassen und zogen durch die Stadt. Die Polizei setze Tränengas, Wasserwerfer, Gummigeschosse und Schlagstöcke ein, jagte die Menschen durch die Plätze und Parks, aber der Widerstand lief bis spät in die Nacht. Die Demonstranten reagierten mit Steinen und Stöcken und verlangten auch den Rücktritt des Gouverneur. Zahlreiche Verletze wurden in die Spitäler eingeliefert.









Wie mir Augenzeugen vor Ort berichtet haben, gab es in der Vergangenheit schon mehrere Protestaktionen gegen die Politik von Erdogan und für Assad. Das türkische Fernsehen soll dabei aber Pro-Assad-Demos als Anti-Assad-Demos dargestellt haben. Die Plakate auf arabisch wurden den Zuschauern falsch übersetzt, weil man meinte sie sind der Sprache nicht mächtig. So drehen die Regierung und die Medien was die Bewohner von Antakya wirklich wollen völlig auf den Kopf, die Schliessung der Camps und das Ende der Bewaffnung der Terroristen.

Demonstration auch in Ankara

Am Sonntag kam es in der türkischen Hauptstadt ebenfalls zu Protestaktionen gegen den anti-Islam-Film und gegen die Politik der Amerikaner, die nach der Meinung der Teilnehmer Hetze in der Region betreibt. Sie verbrannten die US-Flagge vor der amerikanischen Botschaft und verurteilten die Politik Washingtons gegen Syrien.

Die Demonstration wurde von der türkischen Arbeiterpartei organisiert und es gab auch lautstarke Kritik an der Regierung Erdogan, für deren Unterstützung der Politik von Präsident Obama gegen Syrien. Auf Plakaten stand "Killer Amerika, verschwinde aus der Türkei" oder "Vereinigte Staaten, euer Ende wird fürchterlich sein".



Einsatzkräfte der Polizei sperrten die Strasse die zur US-Botschaft führt und hielten die Demonstranten 100 Meter von der Mauer entfernt, welche das Gelände umgibt. Anschliessend wurden Wasserwerfer eingesetzt, um die protestierende Menschenmenge aufzulösen.

Beobachter haben darauf hingewiesen, die Protestaktionen fanden gleichzeitig mit dem Besuch von General Martin Dempsey in der Türkei statt, dem Vorsitzenden aller Stabschefs aller Waffengattungen und damit oberster Chef des Pentagon. Was wird er wohl mit dem türkischen Militär und der Regierung besprochen haben? Einen Angriffskrieg?

insgesamt 11 Kommentare:

  1. Imparator sagt:

    Ich komme auch noch aus Antakya.

    Schade, dass wir solch einen Regierungssprecher haben, ohne Eier.

    Antakya ist bekannt in der gesamten Region für seine Multikulti Ausprägung. Juden, Türken, Aleviten, Kurden, Syrier, Iraker, alle leben dort friedlich. Die erste Kirche der Christenheit steht dort, eine Moschee neben einer orthodoxen Kirche.

    Schade, schade

  1. Rolf Bent sagt:

    Danke für Übermittlung der Vorgänge dort in der Türkei.

    Gerade habe ich zu einem anderen Beitrag hier die Ansicht geäußert, dass ich die Türkei für den größten Verlierer in diesem Konfliktgemenge halte.

    Sollte es den Demonstranten gewahr werden, dass es nicht genügt den Rücktritt eines Gouverneurs zu fordern, sondern in ihren Reihen erkannt wird, dass das türkische Volk sich vor noch schlimmeren Auswirkungen bewahren kann, indem es die (Kriegs-)Regierung ERDOGAN stürzt, wäre ein Sidepunkt erreicht.

    Dass Pro-Assad Demos anhaltend in Anti-Assad Demos von den Medien umgelogen werden müssen, zeigt dass damit ein sehr wunder Punkt getroffen ist. (Vielleicht sind solche Demos auch Belegt dafür, dass es der Assad Regierung inzwischen besser gelingt, Ihre Possition nach Außen zu vermitteln).

    Wir sehen also die Zunahme des Widerspruchs innerhalb der Türkei. Die Spannungen werden sich mit der Zunahme der Flüchtlingszahlen Richtung Türkei eher noch verstärken. Und die Söldnerhorden auf tükischen Gebiet sind mittelfristig für die Türkei (hinzu PKK, Kurden)selbst eine ernsthafte Gefahr betreff ihrer eigenen innenpolitischen Stabilität.

    Saudi-Arabien wird aus der Kriegsallianz vermutlich nicht offen ausscheren, jedoch wird Saudi-Arabien eher kurzfristig innenpolitische Probleme, vielleicht mit Ausschreitungen, wie es sie im Inneren in der Schärfe noch nicht gab, erfahren, sodass die Möglichkeiten die kriegerichen Handlungen gegen Syrien fortzuseten, wohl eingedämmt werden.

    Bleibt (neben USA/NATO) Katar, als ein Hauptfeind Syriens, der aus wirtschaftlich gegebenen Dilemma nicht von seinem Ziel, die Assad Regierung stürzen zu müssen, ablassen kann. Syrien liegt auf dem Transportweg des katarichen Erdgases nach Europa.

    Der US-Nato Imperialismus wird sich einen bösen Ausgleich dieser für Ihre imperialen Intressen nachteiligen Entwicklung überlegen müssen.

  1. Dersimtrack sagt:

    Eines der wenigen momente, wo ich als kurde stolz auf das türkische volk sein kann.
    Danke für die info freeman!!!

  1. Freenet sagt:

    @Rolf Bent

    Deine These von Saudi-Arabien und ähnlichen Ländern welche den Terror ja erst richtig Ressourcen liefern und plötzlich selbst in Flammen stehen, finde ich interessant. Was passiert eigentlich wenn in Saudi Arabien, also dem Land an dem sich quasi der Petrodollar in erster Linie manifestiert, eine Revolution ausbricht?

    Haben die Deutschen jetzt eigentlich die 200 Leopard-Panzer geschickt? Nun, soviel ich weiss sind die nicht gegen Revolutionen, sondern für Weltkriegsszenarien gebaut, oder? Aber so fern von diesem Ansatz sind wir ja inzwischen auch nicht mehr. Nur so weiter, UIsrael mit Türkei im Bunde zündet schon noch die ganze Welt an.

  1. Ernst sagt:

    Hallo Freenet

    Habe vor einiger Zeit auf Phönix eine Doku über den neuen Leopard Panzer gesehen.
    Laut dieser Doku und Herstellerwerbung ist die Zeit der Panzerschlachten vorbei.
    Die neuen Panzer sind für den Einsatz in "urbanen" Gegenden (spricht Städten) gebaut worden.
    Dazu wurde der Schutz gegen Bomben/Molotow Cocktails u.s.w. verstärkt.
    ZUdem hat die Besatzung nun die totale Rundumsicht und Kontrolle über die Umgebung und die Bewaffnung ist um eine mittlere Kanone erweitert worden damit man nicht immer mit großem Kaliber alles platt machen mu0ß sondern gezielter und "schonender" Widerstandsnester beseitigen kann erweitert worden.

    Ist aber auch klar.
    gegen wenn sollten die saudischen Panzer rollen?
    Iran?
    Da müssten sie und die gesamte Versorgungsstruktur erst mal über den Golf.

    Nein, die Dinger sind für Unruhen und Einsätze im eigenen Land und z.b. im Jemen gedacht.

    ZU Syrien nur soviel.
    Dort begann heute das neue Schuljahr.
    22000 Schulen stehen den Schülern zur Verfügung.
    600 können nicht genutzt werden weil sie zerstört b.z.w. von den Terroristen besetzt sind.

    Genau wie zu den Demos in der Türkei kein Wort darüber in unseren Medien.

    Immerhin aber geht der Spiegel (das usraelische Amtsblatt)auf die ERkenntnisse der UNO ein (Immer mehr Dschihadisten und Al Kaida Banden in Syrien die immer brutaler foltern und morden und Bürger vertreiben oder entführen.
    Ähnliches gibt auch die der US Regierung nahe stehende HRW bekannt.
    Wenn die schon Alarm schlagen dürfte was drann sein an den Berichten des britischen Reporters Fitch der ähnliches über die AL Kaida und Dschihadisten Banden berichtet.
    Er wie auch der Arzt Jack Beres (mit Begründer von Ärzte ohne Grenzen) berichtete von seinem Einsatz in einem von Rebellen kontrollierten Krankenhaus in Aleppo (vorletzte Woche zurück) und sagte das mehr als die Hälfte der Verwundeten Kämpfer aus dem Ausland waren und das sie gekommen sind um die Scharia einzuführen und um einen islamischen Staat zu errichten.
    Assad ist ihnen dabei vollkommen egal und ihr letztes Ziel liegt hinter den Golanhöhen - so Allah will.

    Das berichtet auch Fitch der von Rebellen sprach die glaubten sie seien bereits dabei Palästina zu befreien.

    Ich denke in Israel bekommt man langsam Angst ob der Versammlung von Dschihadisten, Salafisten, Wahabisten und Al Kaida Banden rund um seine Grenzen.

    Es fällt ja auf das man von dort kaum was zum Thema hört.
    Das liegt nicht nur an klammheimlicher Freude ob der Schwächung Syriens sondern wohl auch daran daws man um den Aufmarsch der Armeen von Dschihadisten aus dem gesamten islamischen Raum weiß und befürchtet das die absehbar von allen Seiten in Israel einsickern und plötzlich eine gemeinsame Sache mit der Hisbollah, der Hamas und auch aus Ägypten u.s.w. machen.
    Gegen diese flexiblen und gut bewaffneten Banden nützten dann keine Raketen und Bomben die nur das eigene kleine Land zerstören würden.
    Wie schwer es ist diese todesmutigen brutalen Banden zu bekämpfen zeigt ja aktuell Syrien.

    Das Video hat zu dieser plötzlichen UN und HRW Erkenntnis bestimmt seinen Teil beigetragen und dazu grünes Licht aus den USA und Israel erhalten.
    Man ahnt das die Sache aus dem Ruder laufen könnte und das man von den Despoten und Banden gelinkt worden sein könnte.

  1. Rolf Bent sagt:

    @Freenet
    Zudem stünde dann, die im Moment nicht zu beantwortende Frage, in personell WESSEN Hände gelangen die 200 Leopard-Panzer in Saudi-Arabien? Vorstellbar ist, die Trohnfolge spaltet die Machtstruktur dort. Welche Kräfteverhältnisse dann aus solcher Spaltung (noch nicht des Landes selbst, sondern erstmal lediglich der Machtstruktur) hervorgehen, wir eben davon abhängen, welche Gruppe Zugriff auf das legale millitärische Arsenal hat. Oder gibt es gar einen Putsch einer zukurz gekommenen Person, die ausreichend Verbündete ins Boot holen konnte, um einen Putsch zu starten. Ginge wohl kaum ohne ausländische Absicherung.

    Setzen vielleicht russische Überlegungen auf solche Karte und auf Zeit um dann den Syrienkonflikt wieder in eine diplomatische Klärung zurück zu führen?

    Sollte jedoch in Saudi-Arabien ein Bürgerkrieg ausbrechen, steht die Frage eines Israel/US/Nato-Überfalls auf Iran neu zu bewerten.

    Und was wird dann aus Katar?

  1. Siegfried sagt:

    Mich würde mal folgendes interessieren: Wenn es wahr ist, dass die „Flüchtlingslager“ in der Türkei von Terroristen besetzt sind, die dort ausgebildet und mit Waffen versorgt werden, um dann wieder über die Grenze nach Syrien zu gehen um dort unschuldige Zivilisten zu verfolgen, zu foltern und zu töten….Wo sind dann die wirklichen Flüchtlinge, die vor diesen Rebellen-Terroristen-Mörderbanden fliehen?

  1. Freeman sagt:

    Es gibt beides. Lager mit Flüchtlingen die wegen der Kämpfe in Syrien fliehen und Lager wo angeheuerte Terroristen aus verschiedenen Ländern ausgebildet und für ihren Einsatz in Syrien vorbereitet werden.

  1. Rita sagt:

    Ich weiß nur, das die meisten Flüchtlinge aus
    Terroristen und deren sippschaft bestehen.

    In Syrien herrscht derzeit ein sehr starker Zulauf an jungen Menschen die der Armee beitreten wollen um ihr Vaterland zu schützen.

    Was ich sehr interessant Finde: vor dieser Krise wollten viele meiner Verwandten/ Freunde aus Syrien raus, weil sie dachten es wäre super toll im Ausland.inzwischen bekomme ich dazu nur noch die Antwort: warum sollten wir raus, der Westen zerstört unser heimatland, zu solchen verrätern wollen wir nicht. Es gilt unser Land zu schützen, koste es was es wolle. Viele die vorher alles getan haben um um den Wehrdienst rumzukommen, melden sich nun freiwillig.

    Gestern habe ich wieder mit einigen Verwandten gesprochen, alle die vorher in homs gelebt haben sind geflohen oder wurden von Terroristen aus ihren Häusern geworfen um diese ihren Familien Zu geben. Jedoch geht in anderen Städten das Leben ganz normal weiter. Es wurde auch bestätigt das viele Christen in aleppo eine BürgerWehr aufgestellt haben und Waffen von der Armee erhalten haben um sich selbst zu verteidigen.
    In banias haben sich ebenfalls Menschen zusammengetan die abends aufpassen und sobald sie jemanden schnappen der da nicht hingehört bzw. "Ärger" macht wird dieser festgehalten,verprügelt und dann der Polizei übergeben.

    Ich denke der Westen hat seine Rechnung ohne das stolze syrische Volk gemacht, denn statt auseinanderzubrechen, sind die Menschen noch weiter zusammengerückt und haben einen Nationalstolz entwickelt der bemerkenswert ist und arbeiten gemeinsam daran ihr Heimatland zu schützen.

  1. Fatima sagt:

    Eben, es gibt auch "echte" Flüchtlinge, die einfach zwischen die Fronten geraten sind, und die soll man nicht einfach abschieben, damit die "Freie" syrische Armee sie umbringt.
    Schade, was aus dem ehemaligen Antiochien geworden ist...

  1. Unknown sagt:

    Ein paar Aussagen, die ich so klar bisher noch nicht im deutschen Fernsehen gehört habe:
    http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=32748