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Clint Eastwood sprach mit dem unsichtbaren Obama

Montag, 3. September 2012 , von Freeman um 11:11

Keine Frage, ich respektiere Clint Eastwood als Schauspieler und als Filmregisseur, aber was er bei der Parteiversammlung der Republikaner abgeliefert hat war wirklich mehr als peinlich. Ich dachte, nein, bitte nicht Clint, hör auf so eine lächerliche Figur abzugeben. Nicht um meinetwillen, sondern um sein Image nicht zu zerstören. Er sprach mit einem unsichtbaren Obama bei seiner Rede.



Eastwood wurde anlässlich des Nationalen Konvents der Republikaner in Tampa Florida am vergangenen Donnerstag als Überraschungsgast angekündigt. Er stotterte und stolperte bei seinem Vortrag, na ja er ist auch 82, sprach mit dem imaginären Präsident Obama auf einem leeren Stuhl und kritisierte dabei seine Politik.

In diesem Monolog gab er Sachen von sich, welche die Parteileitung der Republikaner zusammenzucken lies, da einige Aussagen gegen das Parteiprogramm von Mitt Romney gerichtet waren und er ihn als Präsidentschaftskandidat praktisch gar nicht erwähnte.

"Ich habe Mr. Obama der hier sitzt und ich will ihn einige Fragen stellen. Aber ihr wisst, ich erinnere mich 3 1/2 Jahre her als Mr. Obama die Wahl gewann, und nein, ich war kein grosser Unterstützer," sagte Eastwood als er den leeren Stuhl anschaute der neben ihm stand.

"Ich schaute zu in der Nacht als er dieses Ding ablies und sie über Hoffung (hope) und Wandel (change) sprachen," sagte er. "Yes we can ... es war nett, die Leute zündeten Kerzen an, sie sagten sie dachten das ist grossartig. Alle haben geweint, Oprah weinte, und sogar ich weinte. Seit dem habe ich nicht mehr so geweint, bis ich herausfand, es gibt 23 Millionen Arbeitslose in diesem Land."

Der Schauspieler, der offiziell Romney unterstützt, gab eine Tirade von sich, in dem er Obama vorwarf, er hätte seine Versprechungen nicht eingehalten. Er fragte den unsichtbaren Obama:

"Wie kommen sie damit zurecht? Was sagen sie zu den Leuten? Aha, sie antworten nicht. Ich weiss, einige Leute in Ihrer eigenen Partei waren enttäuscht, als sie nicht Gitmo (Guantanamo) geschlossen haben. Ich dachte, warum es schliessen? Wir haben so viel Geld dafür ausgegeben ... Was meinen Sie mit, halts Maul? ... Ich dachte es war weil einer die dumme Idee hatte, Terroristen in New York vor Gericht zu stellen."

Moment, will Eastwood nun Guantanamo geschlossen haben oder nicht? Konnte man aus seinen Sätzen nicht klar deuten. Aber so wie ich sein Gelaber verstand will er das Foltergefängnis doch noch in Betrieb haben. Dabei hat ja der Republikaner Bush den karibischen "Ferienort" für mutmassliche Terroristen in der Enklave auf Kuba bauen lassen. Aber es ging weiter mit den Peinlichkeiten.

"Ich weiss, Sie waren gegen den Krieg im Irak, aber Sie dachten der Krieg in Afghanistan war ok. Sie dachten es wäre es wert dort einen zu führen. Wir haben die Russen nicht gefragt, wie sie damit zurechtgekommen sind in den 10 Jahren wo sie dort waren," sagte Eastwood.

Wie? Die Republikaner unter Bush haben ja den Krieg in Afghanistan 2001 angefangen und Romney war immer dafür. Kennt Eastwood die eigene Geschichte und Parteilinie nicht?

Das schlimme eigentlich war, wie die Parteimitglieder im Zuschauerraum reagierten. Eastwood sprach mit einem leeren Stuhl und sie klatschten und jubelten zu seinem unverständlichen Gestottere.

Dann sagte Eastwood über Obama, "ich war immer schon dagegen, dass Anwälte Präsidenten werden. Anwälte werden ausgebildet über alles zu argumentieren und beide Seiten abzuwägen."

Ja Clint, es ist "schlimm" beide Seiten eines Arguments zu betrachten, und ja, Anwälte sind ungeeignet für das Präsidentenamt. Aber wie peinlich, ratet mal wo und was Mitt Romney studiert hat? Er besuchte die juristische Fakultät von Harvard mit Abschluss als "Juris Doctor", genau wo auch Obama sein Studium absolvierte. Beide sind Anwälte. Uups!!!

Wie ich oben sagte, die Parteiführung hinter den Kulissen reagierte vermutlich mit "Oh nein, er tritt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen." Der designierte Vizepräsident und Romney Mitstreiter Paul Ryan verzog sein Gesicht pikiert und klatschte nur widerwillig.

Keine Ahnung warum die Republikaner der alternden Schauspieler- legende einen Auftritt ermöglicht haben. Dabei wollen sie von diesem Klischee weg, sie wären die Partei der konservativen alten weissen Männer. Dazu noch, mit seinem Dialog hat Eastwood den "unsichtbaren Obama" zum Star des Republikanischen Konvents gemacht.

Nur 5 Minuten waren in seiner Ansprache vergangen, da wurde bereits auf Farcebook eine Seite für den "unsichtbaren Obama" eröffnet und hat bereits über 1'400 "likes".

Jedenfalls liefert dieser Auftritt von Eastwood jetzt genug Lacher und Munition für die Demokraten, die für die Wiederwahl von Obama sich einsetzen. In den Kernfragen gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Obama und Romney, deshalb heissen sie Obamney und es spielt keine Rolle wer gewinnt. Obwohl für mich ist klar, diese Pseudowahl wird so ausgehen: Obama wird weitere vier Jahre im Amt bleiben und Romney ist der designierte Verlierer.

Ich sag euch auch warum. Die Führung der Republikaner hat einen riesen "Fehler" gemacht, in dem sie Ron Paul so schäbig behandelt haben und nicht zu Wort kommen liesen. Hinter ihm steht aber eine grosse Anzahl an jungen Wählern, dann die Occupy Bewegung, Tea Party etc., die jetzt vor dem Kopf gestossen sind und sicher nicht Romney als Ersatz wählen. Sollte Ron Paul entscheiden als unabhängiger Kandidat anzutreten, dann gehen diese Stimmen zu ihm. Wenn nicht, dann eher zu Obama.

Übrigens, gegen Mitt Romneys Ex-Firma laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Bain Capital könnte den US-Fiskus um über 200 Millionen Dollar geprellt haben. Das ist nur einer von vielen Skandalen die jetzt hochkommen.

Hier die ganzen 11 Minuten von Clint Eastwood:

insgesamt 12 Kommentare:

  1. Bane sagt:

    Wirklich Freeman? Denkst du Obama macht es nochmal? Schließlich stand Romney schon vor der Klagemauer und hat den Zionisten den Hintern abgeleckt. Obama hat sich hingegen in letzter Zeit bei den Zionisten nicht soviele Freunde gemacht.

  1. xabar sagt:

    Romney hat eine ganze Phalanx von ziokonservativen Beratern um sich herum, darunter John Bolton, George Dabbeljus ehemaligen Vertreter bei der UN, der den Vorschlag machte, den 'Laden einfach zu schließen'.

    Bolton ist ein hundertfünfzigprozentiger Zionist und tritt für einen Militärschlag gegen den Iran ein.

    Wer die Wahl gewinnt? Wer will das wissen? Es gibt inzwischen solche und solche Umfragen. Je nach Umfrageinstitut ist es mal Romney, mal Obama. Es wird aller Wahrscheinlichkeit sehr knapp werden, ob Pepsi oder Coke gewinnt.

    Traditionell gewinnt in den USA angesichts des völlig korrupten Wahlsystems derjenige die Wahl, der den größten Batzen an Wahlkampfgeldern von den großen Korporationen erhält.

    Und das ist Romney.

  1. Danke für diese Auseinanderlegungen, Freemann, aber für meinen Geschmack beachten wir die Schauspieler und Medien-Marionetten in USA und wie sich die Leute dort manipulieren lassen etwas zu viel und die allgemeine politische Lähmung der Menschen aufgrund allgemeiner Überforderung mit dem Globalismus zu wenig. Wer auf der Welt kann schon die ganzen Informationsmengen wirklich verdauen, die global anfallen und für ein angemessenes Engagement für eine fair handelnde, sozial gerechte und umweltfreundliche Welt-Rechts-Ordnung zu verdauen nötig wären? Nicht mal die CIA oder die UNO kann das! Beschäftigen wir uns doch lieber damit, mehr auf unser Inneres als auf alles Äußere zu hören!

  1. LinQ sagt:

    Der NRA-Lobbyist Eastwood ist wieder mal ein Beweis, das sich Schauspieler von Politik fern halten sollten.
    Sicherlich hat er in einigen Punkten Recht was Obama betrifft, aber das ist hinlänglich bekannt.
    Wie will Romney die versprochenen 12 Mio. Arbeitsplätze schaffen?
    Durch Aufstockung der Streitkräfte und Privatarmeen?
    Klingt aber nicht nach Schuldenabbau.
    Whatever, Obamney wird nichts ändern, sondern nur die Agenda weiter fortführen.
    Das ist zumindest das einzig Sichere.
    Was können wir tun?
    Nichts, nur uns weiterhin vorbereiten und immer mehr Menschen informieren.
    BTW:
    Dutzende J.P. Morgan-Manager verlassen das sinkende Schiff. Da ist was im Busch und riecht verdächtig nach Supergau.

  1. xabar sagt:

    @LinQ

    Schauspieler sollten sich von Politik fernhalten, zumindest von einer Politik des Neoliberalismus, des Sozialabbaus, der ständigen Kriege, der steigenden Arbeitslosigkeit, der Bankenrettungen oder der Hausenteignungen.

    Schauspieler - und es gibt wirklich gute davon - sollten sich der Politik zuwenden und sich einmischen, wenn sie etwas für die einfachen Menschen tun wollen, wenn sie ein ehrliches Anliegen haben, wenn sie für eine alternative, sozial orientierte Politik sind, für eine Politik der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Beendigung von Kriegen.

    Hollywood bringt leider nicht viele solcher 'alternativen' Schauspieler hervor. Wir erinnern uns an Ronald Reagan, der als erster Präsident der USA (1981-88), die Goldmänner direkt einlud, in sein Kabinett der Neoliberalen und Neocons einzutreten, und das erste, was er tat, bestand darin, die Steuern für Großunternehmen und Banken zu senken und die Rüstungsausgaben anzuheben. Star Wars wollte finanziert werden.

    Als junger Mann verpfiff er Anfang der fünfziger Jahren, in den Jahren der antikommunistischen Hexenjagden in den USA (McCarthie-Ära), als Vorsitzender der Schauspielergewerkschaft fortschrittliche Schauspielerkollegen an das FBI wegen 'unamerikanischer Umtriebe'.

    Es waren liberale, teilweise sogar sozialistisch orientierte Schauspieler, eben die anderen, die es Gott sei Dank auch noch gibt - Schauspieler, die nie Präsident werden.

  1. LinQ sagt:

    @Xabar:
    Hast Recht, ich hätte "manche Schauspieler" schreiben sollen. Damit meinte ich auch Reagan, Schwarzenegger und Eastwood als Werbeträger.
    Mos Def zum Beispiel könnte ich mir gut in der Politik vorstellen. Charlie Sheen z.b. hat zwar die korrekte pol. Einstellung, ist aber zu naiv und zu angreifbar.

  1. MarKus sagt:

    Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich (prominente) Künstler jeder Art, egal ob nun Schauspieler, Musiker oder Schriftsteller, endlich mal verstärkt kritisch zu politischen Themen äußern würden.
    Wo war denn beispielsweise in Deutschland ein Solidaritätsaufruf für Günther Grass, als der nach seiner Israel-Kritik medial "geschlachtet" wurde? Da haben leider fast alle Autoren-Kollegen die Schnauze gehalten. Warum bloß? Ich denke aus Sorge, dass sie dann bei Erscheinen ihres eigenen neuen Buches im Feuilleton von der "Zeit", "Süddeutschen" etc gnadenlos verrissen werden. Immer das gleiche traurige Spiel...)

  1. werner70 sagt:

    Politiker,Schauspieler,Wissenschaftler...etc....die die Kohle haben oder eben das Charisma werden es machen.
    Die die labern können sowieso.....
    begeistern können, überzeugen....
    es werden bessere zeiten kommen, weil ich an die junge Generation glaube, die durchschauen wenn sie wollen schneller.
    Das ist meine Hoffnung.
    Oder ist alles schon scheißegal?
    Oder ist alles schon scheissegal

  1. MastaFu sagt:

    Die Internetseite PolitiFact.com hat herausgefunden, dass Mitt Romney und Barack Obama bei ihren Wahlkämpfen eindeutig mehrmals gelogen haben und weiterhin lügen. Das ist uns alles sowieso bewusst, aber hier sieht man eine schöne Auflistung der Lügen.

    Es wird gemunkelt, dass sie so oft lügen, weil in den USA der investigative Journalismus fast nicht mehr vorhanden ist und Obama, Romney etc. daher davon ausgehen, dass ihre Lügen nicht ans Tageslicht kommen. Außerdem schrauben die Zeitungen und Nachrichtenagenturen die Anzahl der Journalisten auf ein Minimum, sodass keine ausreichenden Ressourcen vorhanden sind, um diese "Fakten" zu recherchieren.

    PolitiFact zählt u.a. die 10 eingehaltenen und 10 gebrochenen Versprechen von Obama auf. Die Seite wird Obama und Romney weiterhin bis zu den Wahlen "beobachten".

    http://www.politifact.com/

  1. humanity sagt:

    hier mal ein video von George Carlin, wie er über wahlen denkt...habe dies auf der C. Eastwood-stuhl-gesprächs-seite gefunden:
    http://www.youtube.com/watch?v=SC_wjQtfhZQ#t=2m52s

  1. silvasurver sagt:

    sorry Leute, abgesehen von seiner fragwürdigen Unterstützung des politischen Establishements dort, das war ein brillanter Auftritt.
    Es ist natürlich von vorteil wenn man des englischen mächtig ist, nur dann erkennt man auch den brillanten pointierten Humor. Zumindest das Publikum dort hat es doch erkannt. Stehende Ovationen hat Glint für seinen Auftritt geerntet. die Diffamierung dieses Auftritts auch in den deutschen Medien ist rein politisch motiviert und absolut unsachlich und lächerlich.

  1. LinQ sagt:

    @ Markus:
    Das Thema Israelkritik ist ein Schleudersitz in Deutschland.
    Ich hab mir das Interview ebenfalls angesehen und fand keinen Fehler in Grass´ Argumentation, trotz der vielen Versuche des Interviewpartners, Grass ständig aufs Glatteis zu führen.
    Ich halte Grass für sachlich, treffsicher und klug.
    Wenn ich Politiker oder Publizist wäre, wäre ich hiermit arbeitslos.