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Die Messe der Spekulanten findet in Zürich statt

Dienstag, 25. Oktober 2011 , von Freeman um 00:05

Im Kongresshaus in Zürich findet zwischen dem 26. und 27. Oktober die "Strukturierte Produkte Messe" statt, ein Treffpunkt von Anbietern und Anlegern von Finanzinstrumente, die rein der Spekulation dienen. Passt ja prima in die heutige Zeit, wo die EU-Staatsführer sich lauthals streiten und verzweifelt einen Weg suchen, wie der Euro und überhaupt das Finanzsystem in Europa gerettet werden kann, Probleme die Grösstenteils durch genau diese strukturierten Produkte und den Spekulanten verursacht wurden.



Das ganze kommt mir vor, wie wenn die Polizei ein Treffen von Mafiabossen tatenlos zuschaut, aber gleichzeitig überlegen sich die selben Sicherheitsorgane, wie sie gegen das organisierte Verbrechen vorgehen sollen und den Schaden an der Gesellschaft eindämmen können. Ist doch absurd.

Was sind strukturierte Finanzprodukte? Ist kompliziert zu erklären, aber in Prinzip handelt es sich um ein Konstrukt bestehend aus zwei Basisprodukten, wovon eines immer ein Derivat sein muss. Nix verstanden gell? Kein Problem, das verstehen die meisten sogenannten Finanzexperten auch nicht. Als Basis können die folgenden Finanzinstrumente dienen, Aktien, Anleihen und Termingeschäfte.



Einfach erklärt, Anleger können auf gewisse Börsentrends setzen und Wetten abschliessen, mit verschieden hohen Risiken. Es ist also wie im Spielkasino, man kann sein Geld auf "Zahlen" setzen und dabei ein höheres oder niedrieges Risiko auswählen. So ähnlich wie wenn man beim Roulette auf eine Farbe setzt (niedriges Risiko) oder direkt auf eine Zahl (hohes Risiko). Enstsprechend ist der mögliche Gewinn niedriger oder höher.

Ich frage mich sowieso schon lange, warum die Finanzbranche als Betreiber von Glücksspielen nicht unter das Spielbankengesetz fällt? Ja, denn wo ist da der Unterschied, ob ich auf ein Pferd oder eine Roulettzahl setze, oder auf einen Aktienkurs, Zinssatz oder Börsenindex? Ich Dummerle, der Unterschied ist ganz klar, die Finanzelite hat sich das Privileg vom Staat erkauft, erpresst oder ergaunert, wie immer man es bezeichnen will, und darf legal Glückspiel betreiben.

Das Bankensystem ist zu einem gigantischen Spielkasino entartet, was mit dem ursprünglichen Sinn und Zeck von Banken nichts mehr zu tun hat, das Aufbewahren von Geld und die Vergabe von Krediten, sowie als Service der Allgemeinheit zu dienen. Das ist mittlerweile Kinderkram und lässtig auch noch dazu. Die Allgemeinheit dient den Banken, so sieht es aus. Sie spekulieren auf alles was irgendwie in Frage kommt und drehen riesige Räder, die dann in Spekulationsblasen enden die platzen.

Wenn die Finanzzahlen nichts mehr hergeben, dann wird auf Commodities gesetzt, oder auf Lebensmittel (völlig pervers), oder auf die CO2-Emmission und auch auf den Bankrott von Kreditnehmern (ganz zynisch), mit den berühmt berüchtigten Credit Default Swaps. Der neue Trend sind Wetterderivate, die Spekulation mit dem Klimawandel. Darüber wird bei der oben genannten Messe übrigens referiert. Warum nicht? Schliessen wir doch eine Wette ab, wie viel oder wie wenig Schaden die nächste Hurrikansaison bringt.

Und dann, welche Top-Wackelkandidaten gibt es denn noch in Europa? Ach, da wäre Belgien frei und nicht so im Fokus. Wetten wir doch, dass die Pommes-Erfinder bald pleite gehen. Ist doch lustig. Die Einschränkung gegen Leerverkäufe werden mit neuen strukturierten Produkten elegant umgangen. Coldman Sucks, die auch auf der Messe einen Stand haben, sind spezialisiert darin, haben wir ja mit Griechenland gesehen. Auch mit Staatspleiten lassen sich riesige Gewinnen einfahren. Las Vegas ist für die Prolls, wir sind die Oberzocker.

Aber neben der Erlaubnis Glückspiel zu betreiben, haben sie ein weiteres Privileg, wie zum Beispiel, die völlige Befreiung von der Mehrwertsteuer. Auf alle Waren und Dienstleistungen in der realen Wirtschaft muss eine happige Mehrwertsteuer an den Fiskus abgeliefert werden. Die Ware Geld und alles drumherum ist von dieser Pflicht befreit. Warum eigentlich? Darum halt, weil die Geldsäcke die wirkliche Macht haben. Kapiert es endlich, sie dürfen alles.

Sie können auch durch das Mindestreservesystem aus einer Währungseinheit, die ein Sparer einzahlt, das neunfache an Giralgelt aus Luft produzieren und als Kredit für Zinsen verleihen. Wer das in der echten Welt macht, eine Ware einkauft und neunmal verkauft, wird als Betrüger ganz schnell seinen Arsch im Gefängnis wiederfinden. Banker nicht, die dürfen das, völlig legal.

Zurück zu strukturierten Produkten. Das am meisten verwendete ist das sogenannte Discountzertifikat. Wie die Börse Stuttgart im Dezember 2007 mitteilte, sind Discountzertifikate mit einem Marktanteil von über 46 Prozent mittlerweile die stärkste Anlagegruppe unter den Anlagezertifikaten. Ich will gar nicht gross erklären, wie dieses Konstrukt funktioniert, aber rein rechtlich betrachtet sind es Anleihen, die ohne Zins- und Rückzahlungsversprechen von einem Emittenten vergeben werden. Das bedeutet, wenig begrenzte Beteiligung an Verlusten des Basiswerts, jedoch stark begrenzte Beteiligung am Gewinn.

Ist ja ganz toll dieses Orwellsche Neusprech, denn auf Deutsch heisst das, niedrige Gewinn- aber dafür hohe Verlustchancen. Auf so eine Verarschung können nur Banker kommen. Ausserdem ergibt sich daraus die Gefahr, wenn die Bank welche das Zertifikat herausgegeben hat während der Laufzeit pleite geht, dann erleidet man einen Totalverlust. Davon können die vielen geprellten Anleger ein Lied singen, die ihr ganzes Geld wegen dem Konkurs von Lehman Brothers 2008 verloren haben. Selber schuld ihr gierigen Spekulanten.

Die Banken versprechen mittlerweile "Garantien" für diese Konstrukte, aber die sind wertlos, wenn der "Versicherer" des Pleiterisikos selber hopsgeht. So war es ja bei AIG, dem zweitgrössten Versicherungskonzern der Welt, den die Fed und die US-Regierung insgesamt mit mehr als 182 Milliarden Dollar retten musste. Nur, solche irrsinnig teueren Rettunsgaktionen kann man nicht mehr wiederholen, die Staaten sind ja selber pleite und rufen nach Rettung.

Der Retter benötigt selber einen Retter, nur wer soll das sein? Ach ja wir, denn deshalb heissen wir Bürger, weil wir im Endeffekt für alles bürgen. Der Staatsbürger bürgt für den Staat, so ist es. Wörter haben eine Bedeutung. Das sehen wir ja an Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und jetzt Italien. Hey, ihr Bürger müsst für die Staatschulden bürgen, also den Gürtel enger schnallen. Es gibt weniger Lohn, dafür höhere Steuern und Abgaben. Das nennt man dann Austeritätsmassnahmen. Die Menschen fallen Schritt für Schritt in die totale Armut, bis man ihnen das letzte Hemd genommen hat.

Mich wundert, dass sich ganz wenige darüber aufregen. Das kann bei uns nicht passieren, wird behauptet. Diese faulen Griechen sollen endlich was schaffen, heisst es überheblich von den Blöd-Zeitungslesern. Passt auf, das was dort und in den anderen PIIGS-Ländern passiert, kommt bald auch zu euch. Wollen wir wetten? Ich erfinde jetzt ein neues strukturiertes Produkt, welches als Basis den Armutsindex nimmt, voll geleveraged natürlich. Damit kann man darauf wetten, wann die Armut bei euch eintrifft und reich werden.

Das Word "Derivative" ist nur ein Fachjargon für Wetten. Ursprünglich wurden diese Wetten als Risikoabsicherung entwickelt, aber schon länger sind sie nur noch zur gigantischen Spekulation aufgeblasen. Es wird geschätzt, dass die Summe an Derivative zwischen 600 Billionen und 1'500 Billionen Dollar beträgt. Eine unvorstellbare Zahl wenn man bedenkt, der BIP der gesamten Welt beträgt nur 65 Billionen Dollar. Demnächst platzt diese Blase, was die Weltwirtschaft zerstört und uns alle in die Armut treiben wird.

Das ist aber die volle Absicht, um ihre "Endlösung" der totalen Weltkontrolle umsetzen zu können. Sogar der Vatikan fordert jetzt eine globale Zentralbank mit weitgehenden Befugnissen, als erster Schritt auf dem Weg zu einer politischen Weltautorität. Danke ihr NWO-Marionetten und Verräter in Rom, dass ihr eine Weltdiktatur auch noch wollt.

Wie wäre es wenn man den Teilnehmern an der "Strukturierte Produkte Messe" am Mittwoch einen netten Empfang bereitet? "Wir Bürger haben es satt für eure Fehlspekulation und Gier zu bürgen".

Programmhinweis: Am Dienstagabend findet in der Sendung "Der Club" des Schweizer Fernsehens die Diskussion mit dem Thema "Occupy Paradeplatz – Mit Wut und Phantasie gegen die Banken" um 22:20 Uhr statt. Teilnehmen werden zwei Aktivisten von Occupy Paradeplatz, Julia Ritschard und Raffael Wüthrich. Eine sehr gute Gelegeheit die Anliegen der Occupy-Bewegung einem grossen Publikum zu präsentieren.

insgesamt 10 Kommentare:

  1. Man könnte dem ja entgegenhalten, dass "Investmentgeschäfte" kein Glücksspiel sind, weil es sich nicht um zufällige, sondern kalkulierbare Investitionen handelt und letzten Endes jede Tätigkeit ein gewisses, nicht kalkulierbares Risiko beinhaltet. Es kann immer etwas passieren, mit dem man nicht rechnet, bzw. rechnen kann. Dem gegenüber steht allerdings ein Projekt, in dessen Verlauf eine Horde Affen im Börsengeschäft besser abgeschlossen haben, als hocherfahrene Börsenspezialisten und -analysten, während ich mir kaum vorstellen kann, dass ein Affe erfolgreich z.B. ein Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen betreiben könnte... ausser Softwareentwicklung vielleicht. ;)

  1. Enrico sagt:

    Die Käufer solcher "strukturierten Produkte" sind aber meist nicht bewußt Spekulanten, sondern eher unwissende oder naive Anleger, die ihren "Bankberatern" vertrauen und sich von professionellem Schein blenden lassen. Da ist Aufklärung sinnvoller als moralische Empörung.

  1. David sagt:

    Nebeinbei: "die Bankster" zahlen nicht nur keine Steuern, sie leben auch "Extraterretorial" - siehe BIZ in "Basel" (aber nicht der Schweizer Gesetzgebung und Justiz unterworfen - also sind die nicht in Basel, sondern in "Basel".)
    Die dürfen alles, auch Kriege lostreten, Menschen verhungern lassen, alles kein Problem. Dafür sind sie ja die Herren der Welt, unsere Mammon-Götter. Und Götter sind doch nicht an die kleinlichen Gesetze der Menschen gebunden...

  1. m sagt:

    http://www.zerohedge.com/sites/default/files/images/user5/imageroot/2011/10/FT%20Deutschland.jpg

    FTD vom Freitag mit D-Mark Preis??? Weiß da jemand was zu?

  1. Quantum sagt:

    Strukturierte Wetten.
    Das wäre der bessere Ausdruck für eine System in dem es um Geldmachen geht.

    Einfacher gesagt: Wer zahlt schafft an. Genau unter dieser Devise werden die Spekulanten reich auf Kosten der allgemeinen Bevölkerung.
    Wer hat diese Gesetze eingeführt? Warum wurde das "alte" Bankensystem eliminiert?
    Wie sind wir ganz normalen Bürger daran beteiligt?
    Geiz ist geil, oder?
    Laß doch dein Geld arbeiten.Hast du schon jemals das Geld auf einem Feld arbeiten gesehen? Nein?
    Die Sklaven haben nur einen anderen Namen erhalten: Arbeitnehmer, werden sie genannt, und dafür erhalten sie ein Almosen, ansonsten würde man ja sagen, Arbeitgeber, das wäre auch passender, eine verkehrte Welt ist das.

  1. Freeman sagt:

    @PlanarPortals.com Glücksspiele sind ja auch "kalkulierte Investitionen". Jeder Profizocker beobachtet die Spielresultate und rechnet sich die Chancen aus. So wie die Kartenzähler im Blackjack, oder die Systemspieler im Roulette. Auch beim Pokern wird genau die Chance an Hand der gespielten Karten ausgerechnet und entsprechend gesetzt. Deine Beschönigung des Kasinos der Banken sticht nicht.

  1. drdre sagt:

    weiter bürgen, für den Bürger .. 1,2 Bill. Euro in den Rettungfonds. Der Bürger wirds schon zahlen. Schliesslich sind die Spritzen für Versicherungen und Banken wichtig um den kranken Euro weiter zu halten.
    Aber es scheint sich bei einigen Abgeordneten langsam die Überzeugung durchzusetzten , dass wir alle PIIGS Staaten wohl nicht retten können. Ausserdem wollen diese ja auch wiedergewählt werden, und eine Mehrzahl der Bürger ist schon schlecht drauf, was Banken und Konzerne angeht. Ja, eine böse Zwickmühle in der sich unsere Vertreter des Kapitals befinden. Wie sag ichs meinem Bürger. Da ist guter Rat billig.
    Na ja irgenwas wird denen schon einfallen , da bin ich sicher. Erstmal haben wir ja jetzt von H. Schmidt gehört, das ihm sein Freund Kissinger grünes Licht für Steinbrück als Kanzlerkandidat gegeben hat. Der geht jetzt mit grossen Sprüchen gegen die Banken vor. Diese hat er noch 2004 steuerlich begünstigt. Ja, der Mann ist ein echtes Chamälion. Schauen wir uns also diese Schmierenkomödie weiter an.

  1. desperado sagt:

    @m

    Nach tel. Auskunft der Financial Times Deutschland steht auf der Titelseite unten was es mit dem DM-Preis auf sich hat.

    Da mir die Ausgabe nicht vorliegt, wäre es nett wenn Du uns darüber informieren würdest.

    Im übrigen hättest Du diese Info auch selbst unter 040/3703-0 erfragen können.

    Etwas weniger Bequemlichkeit, dafür etwas mehr Aktivität ist bestimmt nicht zuviel verlangt.

  1. m sagt:

    @desperado

    Mir liegt die Ausgabe leider selber nicht vor, sonst würd ich vermutlich gar nicht fragen. Ich habe eine fragwürdige Rundmail bekommen, in der es heißt, am 04.11 würde die D-Mark wieder eingeführt werden.

    Darauf hin habe ich nach der Titelseite der Ausgabe gesucht und nichts besseres als diesen Shot gefunden.

    Natürlich hätte ich auch bei der FTD anrufen können... Aber wir wissen jetzt immernoch nicht mehr, oder?

    Hier ist übrigens der Leitartikel:
    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-krise-es-gibt-kein-zurueck-zur-d-mark/60118880.html?page=1

    Konnte ich mir allerdings noch nicht durchlesen. Die FTD schreibt ja ausdrücklich, warum es kein zurück gibt und dennoch drucken die nen DM-Preis drauf. Mhmhmh.. Ich glaube nicht daran, dass die D-Mark wieder eingeführt wird. Zumindest noch nicht jetzt. Erst wenn wir alle richtig ausgesaugt wurden...

  1. @Freeman Vielleicht habe ich es nicht deutlich genug gemacht, aber die erste Hälfte meines obigen Kommentares war durchweg ironisch gemeint. Ich dachte, der Affenvergleich, welcher praktisch aussagt, dass selbst zufällige Aktionen effizienter sind, als die sog. Profis, würde das klar genug darstellen. Oben die Behauptung, unten die Fakten.

    Nicht uninteressant ist in dem Zusammenhang auch folgende Studie: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1563504/