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Strauss-Kahn steht weiter unter Anklage

Donnerstag, 7. Juli 2011 , von Freeman um 03:51

Da hat sich der Verschwörungs- boulevard wieder zu früh gefreut. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hält an der Anklage gegen den ehemaligen IWF-Chef wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen ein Zimmermädchen fest. Er ist noch längst nicht aus dem Schneider. Die Behörden zweifeln nicht an der Behauptung der Klägerin, dass sie angegriffen worden sei.

Was haben die Verschwörungsgläubigen alles behauptet, Strauss-Kahn wäre in eine Sexfalle getappt, es wäre ein angekartetes Spiel, er hätte nicht mehr als IWF-Chef die Befehle befolgt und ist deshalb ist reingelegt worden, er hätte entdeckt es gebe kein Gold in Fort Knox und sein Ruf musste deshalb ruiniert werden, der sichere nächste Präsident von Frankreich wäre von seinem Rivalen Zarkotzi abgeschossen worden und vieles mehr.

Alleine die letzte Behauptung ist völlig falsch, denn Strauss-Kahn hat nie seine Kandidatur für das Präsidentenamt angekündigt. Alles nur wilde Spekulationen und erfundene Geschichten.

Es ist wirklich schlimm, wie man hinter jedem Ereignis eine Verschwörung vermutet. Wenn ein Sack Reis in China umfällt, steckt sicher ein Komplott dahinter. Bei so einer inflationären Verwendung von "Verschwörungen", ist dieser Begriff wertlos und man macht sich lächerlich. Wenn man ihm wirklich eine Falle gestellt hat, um ihn aus dem IWF-Chefsessel zu stürzen und mit Lagarde zu ersetzen, dann hätte er einen "Unfall" gehabt um ihn mudtot zu machen und könnte nichts verraten. So aber kann er Interviews geben oder ein Buch schreiben und alle Insider-Informationen die er kennt veröffentlichen, speziell wenn es wüsste, er wurde reingelegt.

Wie gesagt, die New Yorker Staatsanwaltschaft hält an der Anklage gegen Strauss-Kahn wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegen ein Zimmermädchen fest. "Die Ermittlungen gehen weiter", erklärte die Staatsanwaltschaft nach einem Treffen mit den Anwälten Strauss-Kahns. Zuvor hatten die Boulevard-Blätter von New York behauptet, die Anklage werde fallengelassen, weil das Zimmermädchen "gekauft" und dafür "engagiert" wurde. Die welche ein Komplott vermuten haben das gleich nachgeplappert, fühlten sich bestätigt und frohlockten.

Sie sind auf den üblichen Trick der Verteidigung reingefallen, die Glaubwürdigkeit der Klägerin mit allen Mitteln zu untergraben. Ist doch klar, dass die Anwälte von Strauss-Kahn jeden dunklen Fleck im Leben des Zimmermädchens ausgraben und aufbauschen würden. Das ist die Strategie, die man in so einem Fall anwendet, sie als Lügnerin und Kriminelle hinzustellen, damit man ihrer Darstellung der Vergewaltigung nicht glaubt.

So soll sie auf ihren Einwanderungspapieren falsche Angaben zu ihren Erlebnissen in Guinea gemacht haben und es sollen mehrmals Zehntausend Dollar von mehreren Personen auf das Konto der Klägerin überwiesen worden sein, wobei die Strafverfolgungsbehörden den Verdacht haben, das überwiesene Geld stehe im Zusammenhang mit Drogengeschäften, was sie aber bestreitet und sagt, ihr Konto wurde ohne ihr Wissen missbraucht. Jedenfalls haben die Überweisungen nichts mit einer Bestechung für eine Falschaussage zu tun.

"Die Zeugin muss keine Heilige sein, sie muss nur aufrichtig sein", sagte die ehemalige Chefin der Einheit für Sexualverbrechen im Büro der Bezirksstaatsanwaltschaft von Manhattan, Linda Fairstein. Der Anwalt der Klägerin räumte ein, seine Mandantin habe in ihrem Leben Fehler gemacht. Sie sage aber die Wahrheit über ihr Zusammentreffen mit Strauss-Kahn. Die Darstellung seiner Mandantin von dem, was Strauss-Kahn ihr im Hotelzimmern angetan habe, sei unverändert, sagte Kenneth Thompson. Sie wird bei einem Prozess aussagen.

Strauss-Kahn steht wohl nicht mehr unter Hausarrest, darf aber die Vereinigten Staaten bis zu einem Prozess nicht verlassen. Mir sind die Behauptungen, er wäre reingelegt worden, immer als sehr fragwürdig vorgekommen. Er hat doch alles was man ihm als IWF-Chef befohlen hat ausgeführt und gehörte zum "Team". Der Typ hat es diesmal einfach übetrieben und ist endlich aufgeflogen. Jeder der ihn in Frankreich kennt weiss, er machte sich an alle Frau ran die in sein Blickfeld gerieten und bedrängte sie sexuell.

Der bekannte Serienvergewaltiger sieht sich deshalb mit einer weiteren Klage in Frankreich konfrontiert: Die Pariser Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, die Strafanzeige der französischen Schriftstellerin Tristane Banon gegen Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung sei inzwischen eingegangen. Sie wirft ihm vor, sie 2003 während eines Interviews in einer Wohnung sexuell angegriffen zu haben.

insgesamt 7 Kommentare:

  1. xabar sagt:

    Die Psychologie solcher oder ähnlicher Leute wird treffend in Balzacs Roman 'Tante Lisbeth' beschrieben. Ein Baron Hulot, der mit einer treuen Frau zusammenlebt, ruiniert die ganze Familie durch seine ständigen Liebensabenteuer- mal mit einer Schauspielerin, dann mit einer Sängerin. Schließlich werden die Frauen immer jünger und er vergreift sich an einer sechzehnjährigen, später sogar an einem fünfzehnjährigen Mädchen noch als 70Jähriger.

    Berluzconi lässt grüßen!

    Dann kehrt er 'reumütig' nach einer Auszeit ins Nest der vergebenden Familie wieder zurück. Seine Frau verzeiht ihm und man sollte annehmen: Jetzt hat er's endlich begriffen, da findet ihn seine Frau eines Tages doch wieder mit einer im Bett, diesmal ist's das pralle Dienstmädchen.

    Hulot kommt aus der französischen Aristokratie. Es sind Menschen, die alles haben, gehabt haben, Ruhm, Anerkennung, Reichtum und dennoch alles riskieren, eines sexuellen Abenteuers wegen oder einfach nur um ihren Jagdinstinkt stets neu zu befriedigen.

    Diese Leute handeln unvorsichtig und spontan, weil sie zwanghaft handeln und machen Fehler, werden immer wieder ertappt, fallen immer aber wieder auf eine weiche Unterlage, werden immer wieder durch ihre Klasse aufgefangen und aufgenommen. Ihnen wird immer wieder erneut von ihren geduldigen Frauen verziehen, und sie tun es trotzdem doch immer wieder, weil sie gar nicht anders können.

    Schon Balzac erkannte, dass dies häufig Menschen aus den obersten Schichten sind, deren Leidenschaften durch keinerlei Rücksichten, keinerlei Moral, keinerlei Bestrafungen gebremst werden - Leute, die nie im Gefängnis landen, die, auch wenn sie sich selbst finanziell und ihren Ruf ruinieren, immer wieder einen bail-out bekommen und die am Ende eine lange, traurige Spur zerstörter menschlicher Beziehungen hinterlassen.

  1. Soulgolf sagt:

    Die "Vergewaltigung"des D. Strauß-Kahn

    Nun stinkt der Fisch von beiden Seiten, vom Kopf bis zur Schwanzflosse. Und mit der erschütterten Glaubwürdigkeit des angeblichen Vergewaltigungsopfers in der Affäre Dominique Strauss-Kahn (DSK) haben sich die dramatisch aufgeladenen Muster in ihr Gegenteil verkehrt.

    Die Heilige in Gestalt des armen missbrauchten schwarzen Zimmermädchens, eben noch eine geheimnisvolle Ikone der US-Öffentlichkeit, wird laut „New York Post“ plötzlich zur Hure („Maid is a Hooker“). 

    Vor diesem Hintergrund aber wirkte die Stilisierung des angeblichen Opfers als fromme, zurückgezogen lebende Analphabetin, Muslimin und alleinerziehende Mutter zunehmend heuchlerisch, hysterisch oder von der Staatsanwaltschaft und Teilen der US-Medienöffentlichkeit instrumentalisiert.

    Also, Ruhe bewahren, Prozessende abwarten und dann urteilen, falls dies überhaupt möglich ist..

  1. redlope sagt:

    @xabar
    Superkommentar, danke!
    Den werd ich mir kopieren ;)

    Was DSK angeht... ich denke, beides ist richtig!
    Ich denke, er ist schuldig. Es ist ja nicht das erste Mal, das sowas "passiert", nicht?
    Dafür gibt es auch keine Entschuldigung, wie man sie in einigen chauvinistisch-gockeligen Foren auch lesen kann.

    Andere "normale" Menschen, die bei sowas erwischt würden, landen in der Sicherungsverwahrung. Nicht so die Herrenmenschen der Oberklasse. Die nehmen sich, was sie wollen ohne Unrechtsbewußtsein. Das einfache Volk dient eh nur zu ihrer Bedürfnisbefriedigung.

    Doch, trotzdem schließt das eine das andere nicht aus: Wenn man so einem Typen, der sich viel zu sicher fühlt, weil er seit Jahr und Tag machen kann, was er will, und immer damit durchgekommen iat, auflaufen lassen will - dann lässt man ihn eben einmal nicht mehr damit durchkommen.
    Die zeitliche Koinzidenz des "Vorfalls" mit dem Griechenland-Bailout halte ich nicht für einen Zufall. Und ich glaube auch nicht, dass es das erste Mal ist, dass er sich an den Mädels vergreift. Nur haben sonst alle weggesehen.

    Ganz und gar unverständlich ist mir allerdings, dass in Frankreich tatsächlich darüber diskutiert wird, ihn doch als Kandidaten ins Rennen zu schicken! Unglaublich. Und dann noch die "Sozialisten". Wie armseligt muss es mit deren Personal bestellt sein?
    Ich wünsche Tristane Banon viel Kraft und Erfolg.

    Und,PS... auch Dienstmädchen, die gelegentlich als "Hooker" tätig sind (wenn es denn so sein sollte), können Opfer einer Vergewaltigung werden. Es ist leicht, den Ruf einer armen schwarzen Frau aus der Unterschicht zu ruinieren.

  1. Michele sagt:

    hallo an alle

    habe ein OT, sorry freeman :-)

    hier ein kleiner vorgeschmack:

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Shutdown-in-Minnesota--ein-USBundesstaat-steht-still/story/17796049

  1. Das "perp-waölking a la USA:
    Es gibt bei der (Vor-)Verurteilung Strauss-Kahns auch eine kulturell unterschiedliche Sicht-und Vorgehensweise. Was in Frankreich undenkbar ist wird in den USA und inzwischen bei uns auch üblich, siehe z.B.Zumwinkel und Kachelmann.Doch während französische Politiker und Juristen wie die früheren Justizminister Robert Badinter und Elisabeth Guigou die Zurschaustellung Strauss-Kahns als „mediale Hinrichtung“ mit Hilfe „unglaublich grausamer und brutaler Bilder“ bezeichnen, beweist die Inszenierung vom gefallenen IWF-Chef aus z.B.Bloombergs Sicht nur, dass die Franzosen nicht verstehen, worum es geht: „Unser Justizsystem funktioniert, wenn die Öffentlichkeit die mutmaßlichen Täter sehen kann“, sagte der Bürgermeister und goss gleich noch mehr Öl ins Feuer: „Wenn Du den perp walk nicht machen willst, begeh‘ kein Verbrechen.“
    Dominique Strauss-Kahn musste auf den “perp walk“(an den Pranger stellen, vorführen,Spiessruten-laufen) vor der New Yorker Polizeistation dies mitmachen.

    „Perp“ - das ist die Abkürzung für „perpetrator“, also für Straftäter. Zum „perp walk“, zum Spießrutenlauf vor den Journalisten, eskortiert die Polizei allerdings nicht nur Täter, deren Schuld gerichtlich erwiesen ist. Das Spektakel findet vielmehr in den USA oft schon statt, ohne dass klar ist, ob genügend belastendes Material für ein Strafverfahren vorliegt. Auch werden dem Verdächtigen für den „perp walk“ routinemäßig Handschellen angelegt, selbst wenn mit Widerstand nicht zu rechnen ist.Diese perp-walking sit allerdings nur zu verstehen wenn man weiss, das Informanten aus dem "Gerichtsmilieu"(Justizmitarbeiter, Polizei etc.) inzwischen mit den Print+TV-Medien zusammenagieren.D.h. man spielt mit Informationen.Einmal nutzen Gerichte oder Verteidiger die Medien und manchmal umgekehrt.Also eine unheilige Allianz. Es geht natürlich auch hier wieder um den schnöden Mammon. Da wird die eigentliche Anklage, der Verhaftungsgrund schon mal leider zur Nebensache....
    Was DSK angeht:So wie die Dinge zur Zeit aussehen ist er einfach seiner "Jäger-Natur" erlegen und über sein "drittes Bein" gestolpert.

  1. Kassandra sagt:

    War doch zu erwarten,daß die ge-
    wieften Anwälte unter seinen Glau-
    bensbrüdern durch Demontage der
    Glaubwürdigkeit des Opfers, das
    zur sozialen Unterschicht gehört,
    den alternden Sexualprotz zunächst
    einmal aus der Haft rausgehauen
    haben.
    Darum Hut ab vor der New Yorker
    Staatsanwaltschaft, die trotz der
    miesen Tricks der Verteidigung den
    Prozeß eröffnen wird. Sollten die
    Vertreter der Justiz ausnahmsweise
    unabhängig sein, obwohl doch ganz
    N.Y. jüdisch ist?
    Vergewaltigung bzw. sexuelle Ver-
    gehen werden in den USA immer noch
    massiv geahndet; das hat mit der
    Pionierzeit der Besiedlung zu tun,
    als es zu wenig Frauen gab, die deshalb geschützt werden mußten.
    Hierzulande wäre der Fall anders
    gelaufen. Erinnert sei an den Fall
    Michel Friedman, der sich an
    Zwangsprostituierten bediente und
    für den eine Merkel ganz gefügig
    eine "Welcome-back-party" veran-
    staltete und der schon wieder mit
    eigener TV-Sendung die blöden
    Gojims verarschen darf.
    Mal abwarten, wie der Prozeß in
    N.Y. ausgehen wird!

  1. Gerd sagt:

    Ach Freeman, deine Häme seit einiger Zeit ... hier etwas von A.Hauß um drüber zu reflektieren

    Gekachelmannt:

    "Arnold war am 24. Juni 2002 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, die er ohne Strafverkürzung abgebüßt hat, weil er keine Reue für Tat zeigte. Aus diesem Grund wurde der Verurteilte nach eigenen Worten auch „zwangspsychiatrisiert“. ( http://www.faz.net/artikel/C30857/vergewaltigungsprozess-fuenf-jahre-unschuldig-hinter-gittern-30456627.html )

    Verstehen Sie das? Angesichts der tatsache, dass Männer sowieso genetisch potentielle Vergewaltiger sind, müssen sie doch auch psychiatrisiert werden - und weggesperrt. Sonst laufen sie Amok oder vergewaltigen. Die sind so.