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Die neue kirgisische Regierung ist auf der Seite Russlands

Freitag, 9. April 2010 , von Freeman um 00:05

Für einen Tag war es nicht klar, in welche Richtung die neue Regierung in Kirgisien, oder Kirgisistan, wie es offiziell heissen soll, sich orientieren wird, nach dem der durch die USA gestützte Präsident Kurmanbek Bakijew vom aufgebrachten Volk verjagt wurde. Jetzt hat sich aber die neue Regierung geäussert und sich bei Russland für die Hilfe bedankt und gesagt, Ziel ist es das Land aufzubauen und die US-Luftwaffenbasis in Manas zu schliessen, welche die US-Truppen in Afghanistan hauptsächlich versorgt.

Kaum hatten die Präsidenten Obama und Medwedew das Abkommen zur atomaren Abrüstung in Prag am Donnerstag unterzeichnet, um die Beziehungen zwischen beiden Staaten zu verbessern, sagte ein Mitglieder der russischen Delegation, die neue Regierung in Kirgisistan sollte die US-Basis schliessen, denn Bakijew hätte sein Versprechen dies zu tun nicht eingehalten.

Omurbek Tekebayev, der ehemalige Oppositionsführer, der jetzt für Verfassungsfragen zuständig ist sagte, “Russland spielte seine Rolle in der Entfernung von Bakijew."

Diese Aussage widerspricht völlig der Behauptung des Offiziellen der Obama-Regierung, Michael McFaul, der sagte, Russland hätte nichts mit dem Sturz der bisherigen Regierung zu tun und die USA und Russland wären in Gesprächen, um die Situation zu beruhigen.

Das ist kein anti-amerikanischer Coup. Das wissen wir ganz sicher und es ist auch nicht ein Coup der von Russland unterstützt wird,“ sagte er.

Ministerpräsident Wladimir Putin, der eine Beteiligung Russlands an den Unruhen dementierte, war der erste ausländische Staatsführer, der das Mitglied der Opposition, Rosa Otunbajewa, als neue Führung von Kirgisistan anerkannte und telefonierte mit ihr, als sie meldete, sie hätte die Kontrolle übernommen.

Otunbajewa, die als Aussenministerin unter Bakijew vorher mal gedient hatte sagte, die Übergangsregierung hätte die Kontrolle über das ganze Land, ausser in Osh und Jalalabad im Süden, der Hochburg von Bakijew, wo er sich jetzt abgesetzt hat und sie hätten die Unterstützung des Militärs und der Grenzwachen.

Sie sagte, die Situation in der kirgisischen Wirtschaft sei „ziemlich alarmierend“ und das Land bräuchte ausländische Hilfe. Putin hätte sie gefragt, wie Russland helfen kann.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass mein erster Stellvertreter und der ehemalige Premierminister, Almaz Atambayev, nach Moskau fliegen, um unsere Bedürfnisse vorzutragen.

Putin hat nichts konkretes versprochen, sagte sie, “aber die Tatsache, dass er angerufen hat, nett mit mir sprach, nach Details fragte, hat mich bewegt. Es ist ein Signal.

Was wir gestern getan haben, war unsere Antwort auf die Repression und Tyrannei gegen die Bevölkerung durch das Bakijew-Regime," erzählte sie Reportern.

Man kann das eine Revolution nennen. Man kann es eine Revolte der Bevölkerung nennen. Egal wie, es ist unsere Art zu sagen, wir wollen Gerechtigkeit und Demokratie.

Zur Erinnerung, Washington benutzt die Luftwaffenbasis in Manas, um die US- und NATO-Truppen nach Afghanistan einzufliegen und um sie zu versorgen, nach dem sie eine ähnliche Basis in Usbekistan verloren haben. 35'000 Soldaten sind dort im Transit jeden Monat, auf ihrem Weg von und nach Afghanistan.

Ausserdem hat US-General David Petraeus die kirgisische Regierung letzten Monat getroffen, nach dem die USA sagte, sie würde ein Antiterror-Zentrum im Land aufbauen.

Übrigens, Deutschland hat auch eine eigene Basis in der Nähe der Stadt Termez in Usbekistan, um die Bundeswehrsoldaten und militärisches Gerät nach Kunduz zu bringen.

Das kirgisische Parlament beschloss im Februar 2009, die US-Basis in Manas Mitte 2009 zu schliessen und Bakijew versprach das Moskau ebenfalls, um dafür eine Krisenhilfe von 2 Milliarden Dollar für das Land zu bekommen. Aber er hielt dieses Versprechen nicht ein und lies sie weiter offen, nach dem die US-Regierung ihn mit 180 Millionen Dollar bestochen hat.

So kam die russische Hilfe der kirgisischen Bevölkerung bisher nicht zu Gute, sondern nur der korrupte Bakijew sackte die Dollars aus Washington privat ein. Deshalb revoltierten die Kirgisen jetzt und verjagten ihn aus dem Amt.

Die Vereinigten Staaten haben noch nicht entschieden, ob sie die neue Regierung von Otunbajewa anerkennen werden.

Das Pentagon sagt, eingeschränkte Operationen würden auf der Basis stattfinden und die Unterstützung für den Krieg in Afghanistan wäre noch nicht ernsthaft gefährdet.

Der gestürzte Präsident Bakijew wurde selber durch eine “Farbrevolution”, die vom Westen finanziert und gesteuert wurde, 2005 an die Macht gebracht. Die CIA führte die "Tulpenrevolution" durch und George Soros finanzierte sie. Bakijew hat nach den anfänglichen Protesten sich geweigert zurückzutreten, ist aber jetzt in den Süden von Kirgisistan geflüchtet, wo er sagte, er hätte keine Kontrolle mehr über das Land.

Wegen der aufgestauten Wut auf ihn und der schlimmen Not, haben Teile der Bevölkerung Geschäfte geplündert und die Lebensmittelregale leergeräumt, wobei zahlreiche Menschen durch die Polizei getötet wurden.

Die Hauptstadt Bischkek war am Donnerstagmorgen durch brennende Autos und zerstörten Läden gekennzeichnet. Das Regierungsgebäude, welches Bakijew nach seiner Machtergreifung "Weisses Haus" nannte, stand in Brand und die aufgebrachten Menschen stürmten die Büros. Man hörte Schüsse in der Stadt, als die Plünderungen sich fortsetzen.

Der Aufstand wurde ausgelöst, durch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wegen der Korruption, Vetternwirtschaft und den stark gestiegenen Preise für Strom und Gas.

Bei seinem Besuch des Landes in diesem Monat, hat der UNO-Generalsekräter Ban Ki-moon dazu aufgerufen, die Menschenrechte zu schützen, nach dem Demonstranten riefen, "hilf uns", als er zum Parlament fuhr.

Ein Drittel der Kirgisen leben unter dem Existenzminimum. Die Zahlungen der 800'000 Kirgisen, die in Russland arbeiten und Geld in die Heimat schicken, machen 40 Prozent des BIP des Landes aus.

Otunbajewa sagte, sie würde den Strompreis wieder senken und das ganze Staatseigentum welches durch ihren Vorgänger “illegal privatisiert” wurde zurücknehmen und meinte damit zum Beispiel die beiden Elektrizitätswerke.

Der Sturz der pro-amerikanischen Regierung von Bakijew, ist eine neue Chance für das Land, damit die Bevölkerung eine bessere Zukunft bekommt. Und es ist der nächste Schritt, die Umklammerung Russlands durch die USA und der NATO wieder zu öffnen und es bedeutet auch, dass der Krieg in Afghanistan möglicherweise viel schwieriger zu führen sein wird. Nach der Ukraine ist jetzt eine weitere korrupte Marionette, die nur dem Westen diente und gegen das eigenen Volk regierte, entfernt worden.

Eine Revolution gegen die NWO ist eben doch möglich, wenn eine Mehrheit es will und die Not nicht mehr auszuhalten ist.

UPDATE: In der Zwischenzeit hat das US-Militär alle Truppentransporte von und nach Kirgisistan eingestellt und wird stattdessen die NATO-Soldaten über Flufhäfen in Kuwait nach Afghanistan bringen, sagte US Central Command am Freitag.

insgesamt 11 Kommentare:

  1. Langsam wird klar: Eine Alternative zur imperialen Hegemonie der USA unter Beteiligung - nicht Führung! - Russlands nimmt Gestalt an. Das tut einem Gleichgewicht der Kräfte nur gut. Russland erschliesst nun auch mit Venezuela eines der größten Ölfelder der Welt. China und andere Länder tanzen ebnfalls nicht nach der Pfeife der Amerikaner. Amerika bekommt wieder Grenzen gezeigt.

  1. Kesselhaus sagt:

    Gestern gab es in der Talkshow "Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich" ein Interview mit Uwe Dolata, Experte für Wirtschaftskriminalität.
    Dieser erzählte, dass auch in Deutschland in allen Bereichen die Korruption gang und gebe ist: Politik, Justiz, Gesundheitswesen...
    Insbesondere unterstelle er der Pharma-Industrie öffentlich mafiöse Strukturen die er, im Rahmen seiner Ermittlungen, aufdecken möchte.
    Dem reformwilligen Gesundheitsminister Rösler prognostizierte er diesbezüglich ein Scheitern vor der Pharmalobby als "..." (= exakte Bezeichnung vergessen)

    Wiederholung am Freitag, 16. April, 22.30 Uhr [Bayerisches Fernsehen]. Oder bald auf Youtube ?

    www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/aufgemerkt-pelzig-unterhaelt-sich/index.xml

  1. lemming23 sagt:

    Es bleibt abzuwarten was diese Revolution wirklich bringt...
    Eine Bekannte von mir hat Familie dort, man sieht es doch recht kritisch.

    Korruption ist an der Tagesordnung. Hohe Kosten, geringes Einkommen, hohe Kriminalität, den Verwandten und Bekannten vom Präsident wurden lukrative Posten zugeschoben. Da müsste man erst einmal aufräumen - ob man das schafft und will?

    Die Energieversorgung wurde für eine Appel und ein Ei verkauft, die Kosten gingen hoch, so sieht es auch bei Mieten und Telefon aus.

    Zudem sind dort andere "demokratische" Strukturen etabliert als bei uns. Demonstrationen gegen Geld. Bei Wahlen werden Sach- und Geldgeschenke an die Bevölkerung verteilt (Mehl, Kartoffeln, Zigaretten).

    Wie will man das ändern?

  1. Pescadero sagt:

    @Freeman.Danke für den hervorragenden und umfassend informativen Bericht der schwierigen Lage in Kirgistan/Kirgisien.
    OffToppic:Gesten Abend bei Maibrit Ilner gesehen: Beste Reklame für "allesschallundrauch" und ähnliche Blogs.http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1015940/Bessere-Informationen-aus-dem-Internet%253F#/beitrag/video/1015940/Bessere-Informationen-aus-dem-Internet%3F
    LG, und pass auf Dich auf, Arno

  1. argligsurgel sagt:

    Zu diesem Tehma möchte ich auf einen Artikel aufmerksam machen:

    http://www.mein-parteibuch.com/blog/2010/04/03/eingekreiste-einkreiser/

    Ich denke wir weden in Zukunft noch öfters von der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit hören..

    Mehr dazu auf:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit

  1. Jul sagt:

    Freeman, ich bin dir äußerst dankbar über deinen Artikel! Ich bin nämlich in Kirgisien geboren worden und habe dort noch sehr viele Verwandte.

    Ich werde zur Zeit von allen Seiten mit Informationen versorgt, vor allem, weil meine Eltern einen kirgisischen Nachrichtensender empfangen. Ich hoffe, dass das mit Russland wirklich funktioniert. Aber große Hoffnungen hege ich nicht wirklich, weil es nicht das erste Mal ist, dass dort solche Aufstände stattfinden. Es ist immer wieder das selbe Problem dort:

    Raffgierige, korrupte Schweine kommen an die Macht! Diese werden dann immer reicher und reicher! Man fährt dort durch eine Straße und sieht nur zerstörte Häuser und verarmte Leute. Und zwischendurch steht dort auf einmal eine prächtige Villa, die komplett abgeschottet ist und bewacht wird! Die Spaltung zwischen arm und reich ist unerträglich!
    Die Bevölkerung wird einfach fallen gelassen. Menschen müssen teilweise verhungern, weil sich niemand mehr um sie kümmert. Mich wundert es überhaupt nicht, dass die Bevölkerung durchdreht! Ich hoffe, dass sich dieses Mal endlich etwas tut und nicht einfach nur Versprechungen gemacht und letztendlich nicht eingehalten werden. Denn so ist es bisher immer abgelaufen!!!

    Aber ich bin positiv darüber überrascht, dass das Ganze nicht schon wieder "tot-geschwiegen" wird! Danke Freeman!

  1. Die welt teilt sich wieder in zwei grosse einflusszonen. In der dualität ist nichts anderes möglich. Diktatur, Monarchie oder eine wirkliche Demokratie. Eine seite wird evolutionieren die andere zerfallen.

  1. martin50 sagt:

    Danke für den Bericht aus Kirgisien

  1. Freemedia sagt:

    Nunja, es gibt da militärisch das OVKS-Bündnis und es gibt die neue Zollunion mit Russland, Weissrussland und Kasachstan im Boot. Kirgisien ist in der WTO, im Rahmen der Zollunion wollen die anderen gemeinsam da rein. In welchem Boot will man jetzt rudern? Erst recht wenn grosse Teile der Bevölkerung in der GUS arbeiten um Geld rein zu bringen, zu überleben. Und China hat doch jetzt auch schon diese neue ostasiatische Zollunion gegründet. Davon haben wir in den Medien nichts erfahren. Das sind aber riesige Wirtschaftsblöcke. Jetzt sitzt dieses kleine Land also zwischen 2 riesigen Wirtschaftsmachtblöcken, dem eurasischen und dem ostasiatischen und haben eigentlich nur die Chance mitzumachen oder unterzugehen. Allein die historischen Verbindungen / GUS bestimmen den Ausgang. Amerika ist weit und hat für die einfachen Bürger dieses Landes keine reale Bedeutung. Wie Freeman und Jul schreibt ist das eher nur die Minderheit der Superreichen die sich die US-Bestechungsgelder auszahlen lassen und das kleine Volk muss mit der Realität vor Ort überleben.

  1. Föhnix sagt:

    @Kesselhaus:
    Kann ich nur bestätigen und die Sendung wärmstens empfehlen. Nicht nur, aber v.a. Uwe Dolata war Klasse. Hut ab vor diesem Staatsbediensteten, der sich (trotz mehrfacher Drohungen) nicht den Mund verbieten lässt!

    @Hartmut Beyerl,
    @lemming23,
    @Jul:
    Wahrscheinlich habt Ihr Recht, wenn ihr den Nutzen für die Bevölkerung anzweifelt; wenn überhaupt, könnte es höchstens mittel- bis langfristig Verbesserungen geben.

    Aber für das nach 1989 aus der Balance gekommene geopolitische Kräfteverhältnis ist diese Revolution schon jetzt ein Segen. Viele meinten damals wohl, dass die USA immer die Guten seien, die halt nur mal ab und zu der guten Sache wegen etwas über die Stränge geschlagen hätten, ein wenig John-Wayne-Selbstjustiz gegeüber (vermeintlichen) Schurken hätte ja noch nie geschadet - so hatte es uns schließlich ihre PR-Abteilung "Hollywood" jahrzehntelang eingetrichtert. Deshalb ging im Eifer rund um den Zerfall der UDSSR die Tatsache fast völlig unter, dass die USA entgegen allen Absprachen die Turbulenzen skrupellos dazu ausnutzen, um ihren Machtbereich massiv auszudehnen. Für diese Arglosigkeit bezahlt die Welt einen hohen Preis und trotzdem haben es die meisten bis heute nicht kapiert, dass hier eine skrupellose Bande die Neue Weltordnung aufbaut, die uns alle zu unterdrückten Verlieren machen wird.

    Ich halte die "alte" bipolare Welt bestimmt nicht für einen idealen Zustand zu dem man zurück kehren müsste, aber nachdem die USA das Ende des Ostblocks so schamlos für ihre Zwecke ausgenutzt hat, ist es - zumindest als Ersthilfe, um Schlimmeres zu verhindern - wichtig, dass den beinahe allmächtigen Amis ein stärkeres Gegengewicht gegenüber steht.

  1. Eckart sagt:

    Mit Hinsicht auf Afghanistan ziehen Amis und Russen doch am gleichen Strang.
    Die Amis fliegen schon wieder das volle Programm als sei nicht geschehen.

    Bakijew wird angeboten unter freien Geleit das Land zu verlassen.
    Das war ein Machtwechsel ohne einen gravierenden revolutionären Ansatz oder Inhalt. Da hat sich nur Unmut entladen.
    Die Armen werden wieder erkennen: So much sucking for so little Honey.