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Bradley Manning informierte die Medien vor Wikileaks

Dienstag, 5. März 2013 , von Freeman um 10:00

Am vergangenen Donnerstag hat der Soldat der US-Army Bradley Manning eine 35-seitige Aussage vor dem Militärgericht vorgelesen. Wie bekannt wurde er im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, Videos und Dokumente kopiert und als Whistleblower der Website Wikileaks zugespielt zu haben. Das aussergewöhnliche an seiner Aussage ist, bevor er zu Wikileaks ging hat Manning Kontakt mit den bekanntesten Medien aufgenommen, Washington Post und New York Times, und ihnen die brisanten Informationen angeboten. Beide Zeitungen reagierten nicht und zeigten kein Interesse. Das heisst, Manning war gezwungen zu Wikileaks zu gehen, weil die US-Medien nichts davon wissen wollten. Diese wichtige Tatsache haben weder sie selber später bei der Berichterstattung über die Veröffentlichung von Wikileaks, noch haben andere Medien darüber berichtet. Das zeigt eindeutig, der Begriff "embedded Journalists" bedeutet, sie sind "im Bett" mit den Militärs und Regierungen und stecken unter einer Decke.



In seiner Stellungnahme sagte Manning, er hat das Material durchsickern lassen, weil er der festen Überzeugung war, sie sind "die wichtigsten Dokumente unserer Zeit, welche den Kriegsnebel lüften und die wahre Natur der asymmetrischen Kriegsführung des 21. Jahrhunderts aufzeigen." Er erklärte, er fühlte die moralische Pflicht, die amerikanische Öffentlichkeit über die Kriegsverbrechen zu informieren, die in ihrem Namen verübt wurden.

Die wichtigsten zwei Zeitungen des Landes fühlten offensichtlich nicht diese Informationspflicht, sondern sahen die Staatsraison und das Verschweigen der Verbrechen als wichtiger an. Wie in der Vergangenheit oft mit solchen zugespielten Informationen umgegangen, reagierte die Presse nicht im Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit, sondern als Handlanger des kriminellen Staates, in dem sie die Information zensieren, aussortieren und manipulieren, um damit die öffentliche Meinung im Interesse der Mächtigen zu steuern.

Das heisst, die heutigen Medien sind reine Propagandaorgane und unterscheiden sich in keiner Weise von den Medien im Faschismus oder im Kommunismus. Sie erzählen genauso wie die Parteiorgane "Völkischer Beobachter" oder die "Prawda" oder "Neues Deutschland" nur das was der Staat und die Elite uns wissen lassen will.

Die New York Times gilt als die einflussreichste überregionale und linksliberale Tageszeitung der Welt, als "Newspaper of record", als Zeitung mit gründlicher und umfassender Berichterstattung. Dabei hat dieses Blatt "uns" den Krieg gegen den Irak 2002 verkauft, voll im Wissen, die Behauptungen der Bush-Regierung über Massenvernicht- ungswaffen von Saddam Hussein waren erstunken und erlogen. Über 2 Millionen Menschen sind deswegen getötet worden und der Irak ist eine verseuchte Trümmerwüste.

Im Mai 2004 haben Redakteure in einem Augenblick der Selbstkritik sogar zugegeben, das Blatt verlies sich zu sehr auf Berichte der irakischen Opposition und der US-Regierung die einen Angriffskrieg wollten, ohne deren Behauptungen zu überprüfen, die sich nachträglich als falsch erwiesen haben. Die Redakteure sagten, während die Originalberichte an prominenter Stelle gezeigt wurden, sind die Artikel die diese später diskreditierten auf den hinteren Seiten versteckt worden.

Was die wenigsten Leser der Zeitung wissen, nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die New York Times zu den amerikanischen Medien, welche am engsten mit der CIA kooperierten. Der New York Times-Herausgeber Arthur Hays Sulzberger erliess eine allgemeine Regel, der CIA zu assistieren, wann immer es möglich ist. So hat die New York Times beispielsweise mehrere CIA-Operationen gedeckt und darüber falsch informiert.

Bekannte Medien wie "Der Schmiergel" in Deutschland haben ebenfalls den direkten Draht zu den Geheimdiensten und werden zur Meinungs- manipulation von denen genutzt. Der Verleger Hubert Burda hat sich sogar mal darüber aufgeregt, warum die "Bildzeitung für die Intellek- tuellen" zuerst vom BND informiert wird. Obwohl, seine Blätter sind ja auch einseitige Desinformation, Gehirnwäsche und Volksverblödung. Die Springer-Presse ist noch schlimmer und kann man gleich als Informationsmüll entsorgen.

Statt Bradley Manning als Held zu feiern und für seinen Mut, die Informationsfreiheit aufrechtzuerhalten, zu verteidigen, ignorieren die Medien sein Martyrium oder stellen ihn sogar als Landesverräter hin. Der Berichtererstatter der UN für Folter, Juan Mendez, hat seine Inhaftierung als grausam, unmenschlich und als Folter beschrieben. Er sitzt in Einzelhaft schon seit über 1000 Tagen, wird regelmässig nackt ausgezogen, ist gezwungen bei grellem Licht zu schlafen, hat keine Privatsphäre und wird wie ein Tier im Käfig gehalten.

Diese Tortur als Exempel für alle anderen die meinen ein Gewissen zu haben und auch die kriminellen Machenschaften des US-Regimes aufzeigen zu müssen. Ganz schlimm ist das Wissen, er könnte zum Tode verurteilt werden, wegen "Hilfe für den Feind".

Diese Anschuldigung ist völlig absurd und paradox, denn wenn jemand den "Feind" geholfen hat, dann war es die US-Regierung, das Pentagon und die CIA selber. Wer hat denn Osama Bin Laden und die Mujahedin für Afghanistan rekrutiert, finanziert, ausgebildet und mit Waffen versorgt? Wer rekrutierte und bewaffnete die islamistischen Terroristen heute, die in Libyen, Syrien und Mali wüten? Die Al-Kaida ist doch ein Kind der USA, wird überall dort für Terror eingesetzt wo sie geopolitisch von Washington benötigt wird.

Die US-Regierung züchtet selber die Feinde die sie bekämpfen.

Nicht der kleine Soldat Bradley Manning sollten for Gericht stehen und die Todesstrafe wegen Landesverrat fürchten, sondern die wirklichen Grosskriminellen und Massenmörder wie George W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Richard Perle, Robert Zoellick, Robert Gates, George Tenet, Madeleine Albright, Condoleezza Rice ... aber auch Hillary Clinton und Barack Obama!

Über die Herausgabe der Diplomaten-Depeschen des US-Aussen- ministerium sagte Manning: "Ich dachte diese Depeschen wären ein gutes Beispiel für die Notwenigkeit einer offeneren Diplomatie. Ich glaubte diese Depeschen würden nicht die Vereinigten Staaten schaden sondern nur blossstellen."

Eines der brisantesten E-Mails zeigte auf, wie Aussenministerin Hillary Clinton den Befehl gab, alle Diplomaten der UN in New York bis hinauf zum Generalsekretär Ban Ki-moon auszuspionieren. Eine krasse Verletzung des Status der internationalen Organisation.

Nicht Julian Assange sollte in dieser Enthüllungsgeschichte im Vordergrund stehen, sondern Bradley Manning ist der wirkliche Held. Einer der Videos die er durchsickern lies zeigt den Horror des von den USA geführten Krieges im Irak. Eine Gruppe von Zivilisten die Journalisten halfen über den Krieg in Bagdad zu berichten wurde von einem Apache-Helikopter beschossen. Dabei starben 11 Iraker und der Reuters-Fotograf Namir Noor-Eldeen. Zwei Kinder wurden schwer verletzt dessen Vater den Opfern helfen wollte. Die Mannschaft lachte während sie das Massaker verübten.



Manning hatte einen noble und mutigen Grund, wie er in seinen eigenen Worten sagte, um die "interne Debatte über die Rolle unseres Militärs und der Aussenpolitik generell ins Rollen zubringen." Es ist eine Debatte die völlig von den Politikern und Medien unterdrückt wird. Der Spruch "wer nicht für uns ist, ist gegen uns" ist das Totschlagargument.

Auch in Deutschland, wo der illegale Krieg der Bundeswehr in Afghanistan und die anderen Militäreinsätze im Ausland kaum diskutiert werden, von wegen Beistandsverpflichtung für Angriffskriege und Kriegsverbrechen der Amerikaner. Ohne der Beihilfe der Bundes- regierung, ohne der Erlaubnis für die vielen US-Militärbasen in Deutschland und den Befehlszentralen wie Africom in Stuttgart, könnte Washington gar keine Kriege führen.

Bestenfalls wird Manning sein ganzes Leben im Gefängnis verbringen. Das ist ein Opfer das nicht vergeblich sein sollte. Der Kampf für offene Information und rechenschaftspflichtige Politik sollte unserer aller Aufgabe sein, denn wir wissen, jeder Krieg basiert auf Lügen! "Free Bradley Manning" bleibt ein Forderung die erst recht heute gilt.

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insgesamt 13 Kommentare:

  1. KPAX sagt:

    Natürlich ist Manning der Held,bloß wikileaks,bzw Assange,hätte das nie in die Hände bekommen sollen.
    Und natürlich wurden tlw. auch unbeteiligte gefährdet.

  1. Mir tut es einfach nur weh, wenn ich sehe wie die US-Regierung mit solch einen jungen und mutigen Mann umgeht.
    Auch bin ich immer wieder erstaunt mit wieviel hass man Julian Assange begegnet. Egal was man von ihm persönlich hält, fakt ist, er ist nur der Verleger. Gerade die Zeitungsverleger der westlichen Hemisphäre sollten gut aufpassen, denn wenn Assange der Anfang ist, wo hört die Verfolgung anders Denkender auf?

    Dieses Thema ist arg brisant, ich meine man muß sich mal auf die Zunge zergehen lassen, dass England eine Botschaft wegen einem Verleger stürmen wollte.
    Und Obama, der Friedensnobelpreisträger, hat mehr Whistelblower auf den Gewissen, als was es bisher in den Vereinigten Staaten gab.
    Erst vor kurzem ist John Kiriakou, ein ehehemaliger CIA-Whistleblower zu drei Jahren Gefängniss verurteilt worden.
    Er war derjenige, der die Foltermethoden in Guantanomo veröfentlichte.
    "Ever since I first heard the CIA had begun torturing prisoners I had a problem with it. I had a moral problem, an ethical problem with it. It's not something we were ever trained in. It's not something we were ever asked to do before September 11, indeed before we started capturing prisoners in 2002. I didn't think it was necessary".

    Und was ist, die Hollywood-Propaganda-Maschinerie macht Filme darüber, soviel zum Thema Staatssicherheit.

    Und zum Thema Presse egal ob in den Vereinigten Staaten oder der Bundes Republik, jeder der mit der "modernen" Geschichte zutun hat, weis um die Verflechtungen der Geheihmdienste und den Medien.
    Macht man sie aber publik, dann ist man ein "Verschwörungstheoretiker" oder gar noch schlimmer, man wird dann in die Rechte Ecke gestellt, und verliert dann dadurch seine Reputatin.

    Natürlich kann man es so machen wie der pseudo Historiker, Guido Knopp. Schön die Staatsagenda propagieren, dann klappt es ja mit der Karriere.

    Somit leben wir schon sehr lange in einer orwellschen Welt, nur jetzt beginnt die Fassade zu bröckeln und allmählich kommen auch die mit absicht geistig Kurzgehaltenen dahinter, dass alles nur Schein ist.

  1. xabar sagt:

    Ich finde es bedauerlich, dass in dem Artikel die 'Prawda' mit dem 'Völkischen Beobachter' in einem Atemzug genannt wird. Dahinter steckt die sog. Totalitarismus-Theorie, die von Antikommunisten ins Leben gerufen wurde, und die hier fröhliches Wiederauferstehen feiert.

    Man kann an den sozialistischen Medien (es waren sozialistische, keine kommunistischen übrigens) einiges kritisieren, und ich bin mir heute bewusst, dass die DDR-Medien oder die der damaligen UdSSR nicht perfekt waren, aber sie haben die Lügen in den westlichen Medien oft sehr gut entlarvt und eine ähnliche Rolle gespielt wie heute Wikileaks.

    Der Fall Bradley Manning zeigt einmal mehr, dass die US-Medien, wie schon immer, abgesehen von den alternativen Medien, völlig gleichgeschaltet sind. Aber sie sind es nicht erst seit heute, sondern waren es schon immer. Man sollte die Vergangenheit nicht glorifizieren, auch wenn die Berichterstattung zur Zeit des Vietnamkrieges noch etwas objektiver war, als man regelmäßig aus Vietnam 'unembedded' berichtet hat.

    Aber die Hauptmedien, die in den USA den größten Einfluss haben, wie die Washington Post, aber auch die NY-Times waren immer schon zionistische Propagandainstrumente, wenn es z. B. um die Vertuschung der wahren Vorgänge um den Mord an John oder Bob Kennedy ging. Da wollen wir uns nichts vormachen. Es ist das Verdienst von Michael Collins Piper ('Final Judgment') das aufgezeigt zu haben.

    Wenn es aber um die Wahrheit geht, müssen antikommunistische Schablonen, wie sie in dem Artikel von Freeman auftauchen, ebenfalls kritisiert werden.

    Kommunismus ist nicht gleich Faschismus. Das ist eine Desinformation, die auf einem Blog, der für die Wahrheit streitet, nichts zu suchen hat.

    Wenn man den Kommunismus, oder besser den Sozialismus (es gab keinen Kommunismus, sondern nur einen Sozialismus, der später völlig entartete) und seine Informationspolitik kritisieren will, muss dies im Detail und auf sachlicher Basis geschehen.

  1. Pescadero sagt:

    Off Topic:Im FOCUS: Umfrage. Würden sie eine Anti Europa Patei wählen? Nicht lachen, >:-) hier mit abstimmen. z.Z. über 94% ja Stimmen

    Die Website wird für Alternative für Deutschland am Donnerstag freizuschalten. Wir schaun was passiert. Hab schon mal wohlweislich nen Screeshot gemacht.< http://s1.directupload.net/images/130305/xo39uk7h.jpg>

  1. MastaFu sagt:

    Hugo Chavez is tot!

    Gestern hatte der Informationsminister Ernesto Villegas noch ausgesagt, dass der Zustand von Chavez kritisch sei und man sich auf einen eventuellen Krieg vorbereiten solle. Jetzt wird Venezuela aufgemischt...

    Mein Beileid!

    Ein anderer Punkt: Chuck Hagel hat sein erstes Gespräch mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak geführt (sowas hat symbolisch gesehen einen hohen Wert). Vor einigen Wochen wurde hier noch behauptet, dass sich mit Hagel und Kerry ein politischer Wandel abzeichnen werde. Dem ist aber nicht so! Es wird sich nichts an der US-Politik ändern. Wenn sich was ändert, dann wegen Geldmangel. Aber Hagel hat gesagt, dass die USA trotzt Geldmangels weiterhin Raketen etc. an Israel ausliefern werde...

    http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/hagel-tells-barak-u-s-will-continue-aiding-israel-s-defense-despite-fiscal-uncertainty.premium-1.507499

  1. drdre sagt:

    Free Bradley Manning ist die berechtigte Forderung. Habe auch schon mehrmals Spenden auf seiner Seite abgegeben. Wie schon richtig bemerkt sind die wirklichen Verbrecher nicht vor Gericht. U.a. ein Herr Prince von der Fa. Academi vorm. Blackwater, der für die Greuel seiner Söldner in Irak u. Afghanistan verantwortlich ist. Jetzt hat er noch einen Millionen Auftrag aus Griechenland erhalten. Der dortige Innenminister hat die Mördertruppe für Soz. Unruhen in seinem Land engagiert. Na toll. Demokratie plus. Das ist wohl die neue EU Linie. "Ja, wir wollen Europa."

  1. @Xabar

    Meiner Meinung nach ist die Gleichstellung der "Prawda" mit "Völkischen Beobachter" schon berechtigt, da beide Staats-Zeitungen waren, sie waren der Mundapparat des Staatsorgans.

    Und beide nutzten die Propaganda stets für ihre Ziele und Zwecke.
    Von daher sollte es nicht verwundern, wenn die eine Partei den Dreck des Anderen für sich als Schlagzeile verbuchen konnte.

    Im Allgemeinen sollte allen bewusst sein, dass es noch NIE eine freie Presse gab. Egal ob West oder Ost.

    Die einzige Funktion der nach gerichteten Nachricht ist, die Masse zu lenken und dumm zu halten.
    Mehr nicht.

    Somit verfügen wir nicht über die Wahrheit.
    Die vorhandenen Systemen und Politikrichtungen sind nur Paradigmen.
    Die Masse glaubt, da es ihm über die Jahre hinweg mehrfach gesagt und eingetrichtert wurde.
    Aber wissen tut er es nicht.

    Und auch hier muss ich dir widersprechen, Kommunismus und Faschismus, sind gleich.
    Sie wurden von den gleichen "Mächten" gefördert.
    Lenin kam aus der Schweiz mit Zugladungen voller monetäre Nettigkeiten. Und westliche Konzerne bauten den reinen russischen Agrarstaat zu einer Industrienation auf.
    Und mit dem Faschismus dito, ohne die Unterstützung diverser groß Konzerne hätte der Faschismus nicht existieren können.
    Somit sind diese genannten Staatsformen nichts anderes als perfide Experimente gewisser "Mächte".

    Das beide Staatsformen nicht von paradiesischer Natur waren, braucht nicht diskutiert werden. Aber wenn man schon so großzügig mit Bezeichnungen um sich wirft, dann darf der Manchester Kapitalismus in dieser Runde nicht fehlen.
    Dieser wird geschichtlich gerne als Episode betrachtet, obwohl er als Stammmutter des Kapitalismus anzusehen ist und genauso menschenverachtend war und ist, wie die oben genannten Systeme.

    All diese Systemen dienen einzig dem Zweck, dem Divide et Impera.
    Und bis heute klappt es ausgezeichnet.

    Es ist wie mit Äpfel, es gibt grüne, gelbe und rote. Manche schmecken süß andere sind sauer. Dann gibt es knackige und mehlige. Aber letzten Endes sind es nur Äpfel.
    Natürlich könnten wir jetzt hitzige Debatten führen welche Äpfel zu bevorzugen sind, ob wir jemals auf einen Nenner kommen bezweifele ich.
    Würden wir aber unisono zustimmen, dass der Apfel von einem Baum stammt, dann wäre diese Debatte in Null Komma nichts beendet.
    Von daher ob ein System Links, Rechts oder Mittig ist, ist belanglos. Es sind nur austauschbare Variablen, die einzig und alleine Macht über den Bürger ausüben.

  1. xabar sagt:

    @Daisy Schmidt

    Die Gleichsetzung des faschistischen 'Völkischen Beobachters' mit der sowjetischen 'Prawda' (Wahrheit) ist ein Überbleibsel aus dem Kalten Krieg und hält keiner genaueren Überprüfung stand. Ich meine, dass wir heute genügend Abstand haben, um die Geschehnisse von damals etwas nüchterner und objektiver und nicht mehr nur durch die Brille des Antikommunismus zu betrachten.

    Nehmen wir ein Beispiel:

    Den faschistischen Putsch in Chile am 11. September 1973.

    Ich erinnere mich, weil ich damals in linken Gruppen aktiv war, noch sehr genau an die Berichterstattung der sozialistischen Medien dazu.

    Während die 'Frankfurter Allgemeine' am Tag nach dem Putsch schrieb, es würde sich nach dem Tod von Allende nun endlich wieder lohnen, in Chile zu investieren, stellten sich die sozialistischen Medien klar auf die Seite der Allende-Regierung, die 1970 durch freie Wahlen an die Macht gekommen war und die chilenischen Kupferminen, die in der Hand eines einzigen großen US-Konzerns (Anaconda) waren, verstaatlichte. Es war ein ähnliches sozialistisches, nationalistisches Experiment wie wir es heute in Venezuela erleben - ein Umbruch, der von der 'Prawda' unterstützt wurde.

    Die 'Prawda' hat dieses sozialistische Experiment, dasvon breiten Schichten des chilenischen Volkes mitgetragen wurde,unterstützt und den Putsch,hinter dem die CIA und Henry Kissinger standen und der zur Ermordung von 3000 Anhängern Allendes führte, scharf verurteilt. Die 'Prawda' hat sich ganz klar auf die Seite Allendes und seiner Unidad Popular gestellt, und die UdSSR hat damals, ähnlich wie die DDR, viele Flüchtlinge aus Chile, die vor den Faschisten geflohen waren, aufgenommen und ihnen eine zweite Heimat gegeben.

    Während des Vietnam-Krieges unterstützten die sozialistischen Medien den Befreiungskampf der Vietnamesen, und sie berichteten regelmäßig über den neuesten Stand der Kämpfe und über die amerikanischen Verbrechen dort, was die westlichen Medien so ähnlich wie heute unterließen.

    Der sog. Völkische Beobachter der Nazis dagegen war ein rassistisches Organ, das Hass und Kriegspropaganda säte, die Prawda dagegen hat immer, bis zuletzt, den proletarischen Internationalismus und die Völkerverständigung hochgehalten. Ich glaube nicht, dass man das Eintreten für Völkerverständigung mit der rassistischen Nazipropaganda in einen Topf werfen sollte, weil es einfach zwei ganz verschiedene Dinge sind.

    Wir dürfen nicht vergessen, dass die Nazis gegen die Sowjetunion, die angeblich dasselbe System gehabt haben soll (wenn es das gleiche System war, ist dieser Angriff nicht zu erklären), einen blutigen Raubkrieg geführt haben, und es waren die sowjetischen Medien, die den Großen Vaterländischen Krieg rückhaltlos unterstützen und organisierten.

    Feuer ist nicht gleich Wasser, schwarz nicht gleich weiß, wie uns die Totalitarismustheorie, die Kommunismus mit Faschismus gleichsetzt,weiszumachen versucht.

    Der deutsche Faschismus wurde von den Großbanken und Großkonzernen finanziert; die ausländischen Konzerne und Banken wurden damals in der UdSSR verstaatlicht und in Volkseigentum überführt und eine einheitliche Staatsbank geschaffen.

    Und das soll beides gleich gewesen sein?

    Die Aggressivität des Westens gegen die sozialistischen Ländern erklärt sich ja gerade daraus, dass man diese Veränderungen wieder rückgängig machen wollte. Deshalb hat man sich nie sachlich damit auseinandergesetzt.

    Es ist Zeit, dass wir es heute tun.



  1. Falkch sagt:

    Dem letzten Artikel meine Zustimmung

  1. @Xabar

    Dein Engagement ist wunderbar erfrischend!

    Sicherlich hast du mit deinem Detail reichen Vergleich absolut recht und dagegen werde ich nicht angehen.
    Aber als Historiker lernt man „the big picture“ zu erkennen.
    Und hier haben wir ein klassisches Dilemma.
    Ein jedes menschliches Politsystem beharrt auf seine Wahrheit.
    Aber was genau ist die Wahrheit? Wer definiert die Wahrheit?
    Schau ein Bauchnabel aus der nähe betrachtet bleibt ein Bauchnabel, ob er schön oder hässlich ist subjektiv, also liegt im Auge des Betrachters selber. Und darüber zu debattieren ist gelinde gesagt belanglos.
    Nun gehe einige Schritte zurück und dann siehst du ein Bierbauch, schwabbel Bauch, ein durchtrainierten Bauch, ein schwangeren Bauch etc...
    Hmm...
    Plötzlich sieht die Welt der Bauchnabel ganz anders aus. Jedoch der Ursprung und die Funktion des Bauchnabel ist bei allen die Gleiche.

    Mit diesem visuellen Vergleich möchte ich dir veranschaulichen, das die Politsysteme in all ihrer Diversität jedoch alle in ihrer Funktion gleich sind.

    Somit hast du recht, wenn du sagst, die Prawda und der Völkische Beobachter wären gänzlich unterschiedliche staatliche Medienorgane.
    Aber im übergeordneten Gesamtkontext sind sie der Mund der jeweiligen Staatsgefüge, und deren Aufgabe ist es die staatliche Agenda aufrechtzuerhalten.
    Ergo ob ein Medium rassistische, sozialistische, freiheitliche oder libertäre Motive vorgibt ist sekundär.
    Primär ist, alle Medien dienen einzig und alleine der Manipulation.

  1. xabar sagt:

    @Daisy

    Das klingt anarchistisch, was du schreibst.

    Dann wäre auch dieses Medium hier abzulehnen, weil es wie alle 'manipuliert'.

    Ich will nicht den Sozialismus in der damaligen Sowjetunion verherrlichen und auch nicht seine Medien, worauf ich schon hinwies, aber ich möchte, dass man unterscheidet.

    Man darf es sich nicht so einfach machen und den Kommunismus (eigentlich Sozialismus) mit dem Faschismus auf eine Stufe stellen, und man darf nicht die jeweiligen Medien gleichsetzen.

    Wäre die 'Prawda' gleich 'Völkischer Beobachter' dann hätte sie den faschistischen Putsch in Chile 1973, der vom CIA organisiert wurde, begrüßen müssen. Begrüßt wurde dieser Putsch aber von den westlichen Medien, darunter der Frankfurter Allgemeinen und der Springer Presse, was zeigt, wo diese Medienhuren stehen, wenn es hart auf hart kommt.

    Das 'Neue Deutschland' der DDR hat die frei gewählte Allende-Regierung unterstützt und den Putsch scharf verurteilt, was auch zeigt, in welchem Lager die DDR damals stand: im Lager der Friedenskräfte.

    An solchen Beispielen kann man erkennen, wer wo steht, wer in welchem Lager steht.

    Natürlich - und da hast du sicherlich recht - haben auch die sozialistischen Medien gelogen, geschönt und übertrieben. Keine Frage. Ich habe damals vieles geglaubt, was sich später als falsch erwies und war darüber sehr wütend, z. B. dass man einen Mann wie Gorbatschow nicht kritisiert hat und gewähren ließ, der für den Westen gearbeitet und der sich am Krieg gegen den Iran beteiligte.

    Aber wichtig ist der Standpunkt in einer konkreten Auseinandersetzung. Wo, auf welcher Seite der Barrikade man steht:

    Stehst du auf der Seite der Kriegshetzer oder stehst du auf der Seite der Friedenskräfte? Das ist entscheidend. Wir beide stehen im gleichen Lager, müssen uns aber auch überlegen, in welchem Lager die Kommunisten oder auch andere Kräfte damals standen, die heute immer noch verteufelt werden. Dabei gibt es solche und solche. Einige haben sich völlig angepasst und sind zu Systemträgern geworden. Andere nicht, sind ihrer Sache treu geblieben.

    Wir sollten immer vom konkreten Fall ausgehen und nie verallgemeinern, nur verallgemeinern, wenn es die Sachlage erfordert und gestattet.

    Ich wünsche dir einen schönen und erholsamen Sonntag!

  1. Harald sagt:

    xabar sagt:
    10. März 2013 11:32

    "@Daisy

    Das klingt anarchistisch, was du schreibst."

    Hi xabar,

    du hättest dem "anarchistisch" noch das obligatorische "kleinbürgerlich" voransetzen sollen, dann hättest du voll ins Schwarze getroffen!
    Denn dieser kleinbürgerliche Standpunkt des sich rein subjektiv über alle (Klassen)Gegensätze sich erheben glaubenden Denkens ist uralt, wurde schon von Marx und Engels völlig desavouiert.
    Dass die einstigen sozialistischen Medien auch eine Menge Quark verbreitet haben, kann kaum ein Mensch bestreiten, vor allem aus opportunistischen Gründen, weil man ja "gute Beziehungen", vor allem ökonomischer Natur, sich so zum Imperialismus zu erbetteln hoffte.
    Insbesondere nach 1970/71, dem Anheben der "Entspannungspolitik", kannte die opportunistische Schmiere kaum noch Grenzen, bis dann der Erich H. endlich 1993 seine heißersehnten "gutnachbarlichen Beziehungen zur BRD" in einer düsteren Moabiter Gefängniszelle für einige Monate höchstpersönlich auskosten und genießen konnte, andere wanderten für ein paar Jahre gleich in Gefängnisse(Krenz, Strelitz u.v.a.)
    Was die internationalen Vorbereitungen zum Sturz der Allende Regierung in Chile 1973 angeht, zu arbeiteten daran keinesfalls nur der berüchtigte Henry Kissinger und seine CIA, sondern auch die Konrad Adenauer- Stiftung der CDU, die Naumann-Stiftung der FDP und ---- wie konnte es anders sein? - die Noske-Stftung von Wiily Brandts SPD, dessen Regierung sich sogar eifrig am Wirtschaftsboykott gegen Chile beteiligte.
    Sollte man dieser SPD, diesem ehemaligen Frontstadt-Willy niemals vergessen und verzeihen.
    Der Kampf um Wissen und Wahrheit ist keinesfalls nur eine müssige Intellektuellen-Spielerei zum persönlichen Glänzen, sondern vor allem einer um konkrete persönliche und gesellschaftliche Interessen.

  1. xabar sagt:

    @Harald

    Lieber Genosse,

    viele haben den Antikommunismus mit der Muttermilch aufgesogen, was man auch auf diesem Blog sehen kann, z. B. wenn von der EUdSSR die Rede ist. EU und UdSSR werden gleichgesetzt, obwohl die sozialen und ökonomischen Grundlagen beider Systeme völlig unterschiedlich sind. Im Grunde sind das Gedankenlosigkeiten.

    Auch ist Staat und Staat nicht dasselbe, wie Daisy unterstellt, wenn sie schreibt, dass alle Medien 'Mundorgane des Staatsapparats' sind.

    Dann frage ich: Gibt es keinen Unterschied zwischen Telesur/Venezuela und Fox News/USA, zwischen Press TV.ir und BBC.gb? Alle sind 'Mundorgane des Staatsapparates', nur der eine Staat ist fortschrittlich und sozial, während der andere ein Staat der Wall Street-Banken bzw. der City of London ist.

    Wenn man den Gedanken zuende führt, müsste man Chavez mit Bush-Bama und Tony Blair gleichsetzen: Alle sind Staatsmänner, alle sind Mundorgane von Staatsinteressen.

    Wenn man also alle Staaten unter einen Kamm schert, und sich nicht fragt, welche gesellschaftlichen Interessen er verkörpert, kommt man auch in Bezug auf andere Dinge wie Medien oder Persönlichkeiten zu völlig falschen Einschätzungen.

    Der Staat ist nie unabhängig von der sozial-ökonomischen Basis, sondern ihr Ausdruck. Das brauche ich dir aber nicht zu sagen.

    Aber das sind Einsichten, die wir haben, aber andere sich erst noch aneignen müssen. Aber auch wir können von anderen lernen, was andere Dinge betrifft.

    Grüße