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Die Schweiz produziert kein Benzin mehr

Mittwoch, 7. März 2012 , von Freeman um 11:00

Der schlimmste Fall ist eingetreten. Die zwei einzigen Raffinerien der Schweiz stehen still, was zu Engpässen auf dem Brenn- und Treibstoffmarkt führen kann. Die Raffinerie im neuenburg- ischen Cressier musste den Betrieb einstellen, weil Petroplus pleite ist. Auch Tamoil meldet, nach Problemen mit dem Rohölnachschub in den vergangenen Wochen hat der Raffineriebetreiber die Produktion in Collombey angehalten. Damit wird zurzeit in der Schweiz kein Tropfen Rohöl mehr verarbeitet.

Dabei macht das Tanken dezeit sowieso keinen Spass, da die Preise auf Rekordniveau gestiegen sind. Alleine seit Jahresanfang ist Benzin um 8 Prozent teuerer geworden und an vielen schweizer Tankstellen kostet Diesel mittlerweile 2 Franken pro Liter.

Wegen der Kriegshysterie gegen den Iran, dem Boykott der iranischen Öllieferungen und den Spekulanten die das ausnutzen ist der Preis für Rohöl seit Anfang Jahr auf über 124 Dollar pro Fass gestiegen, der höchste Wert seit Jahren. Auch in Deutschland meldet der ADAC lag der Benzinpreis am 28. Februar auf Rekordniveau, und da der Euro zum Dollar deutlich an Wert eingebüsst hat, ist kein Ende der Preisspirale nach oben zu sehen.

Beide Raffinerien haben bisher ca. 40 Prozent der Benzinversorgung der Schweiz abgedeckt, was jetzt entfällt. Die Lücke muss auf dem Rotterdammer Markt gekauft und per Schiff über den Rhein importiert werden, oder über die Pipeline Marseille–Genf für Fertigprodukte ins Land kommen, was den Preis zusätzlich erhöht.

Die Petroplus musste am 24. Januar 2012 das Scheitern der Verhandlungen mit den Kreditgebern bekannt geben und Nachlassstundung einreichen. Darauf hin wurde der Betrieb ihrer fünf Raffinerien in Cressier, Coryton, Antwerpen, Ingolstadt und Petit Couronne eingestellt. Bei Tamoil liegen die Probleme am Krieg gegen Libyen, denn die Firma gehört der libyschen staatlich kontrollierten Gesellschaft Oilinvest. Durch den Wegfall der Öllieferungen hat die Raffinerie in Collombey Nachschubschwierigkeiten. Dazu kommt noch eine technische Störung an den Anlagen.

Vielleicht hängen die Probleme von Tamoil mit der Meldung zusammen, der ölreiche Osten von Libyen hat seine Teilunabhängigkeit vom Rest von Libyen erklärt. Die Rebellenhochburg Benghazi will mit der Hauptstadt Tripolis nichts mehr zu tun haben. Der neue Name für den östlichen Teil des Landes soll BARQA sein. Keine sechs Monate nach der Ermordung von Gaddafi bricht das Land auseinander. Die NATO hat wieder eine Balkanisierung und damit Schwächung eines Landes geschafft.

Jedenfalls ist diese Situation bedenklich aus Sicht der nationalen Treibstoffversorgung, wenn in der Schweiz kein Benzin, Diesel und Heizöl mehr produziert wird. Auch wenn Tamoil meldet, die Walliser Raffinerie soll ihre Produktion demnächst wieder aufnehmen, ist die Abhängigkeit von diesem wichtigen Energieträger sichbar geworden. Was ist erst wenn die Kriegstreiber den Iran angreifen? Wird Zeit mein Velo wieder fahrtauglich zu machen und Gemüse anzupflanzen.

insgesamt 16 Kommentare:

  1. brunetti sagt:

    Ist ja wieder typisch! Anstatt sicherzustellen, dass die Schweiz ihr eigenes Benzin hier raffinieren kann,verplempern die Regierung und das Parlament kostbare Zeit, um unser Bankkundengeheimnis den US Justizwölfen zum Frass vorzuwerfen.

  1. Ich denke wir werden uns noch auf einiges einstellen können was die Spritpreise angeht. Aber nicht nur die leiden ja unter Rohölknappheit sondern der komplette Chemie-Sektor. Und wie wir alle sicherlich wissen so ziemlich jedes Produkt und die meisten Dienstleistungen hängen irgendwie von Spritkosten oder Öl für Verpackungen, Dünger und sonstwas ab.

    Deiner Wertung am Ende des Textes würde ich aber widersprechen. Ich bin der Meinung für die kulturell willkürlich zusammengewürfelten afrikanischen Staaten mit ihren mit Lineal gezogenen Ländergrenzen sind seperatistische Bewegungen und damit verbunden die Aufsplittung in mehrere kleinere (also nicht wie Dtl vor 200Jahren sondern eher 1/3 der aktuellen Größe)Staaten recht sinnvoll. Wenn weniger Volksgruppen zusammengewürfelt sind und dadurch die Rivalitäten eingeschränkt werden können find ich das recht praktisch, auch wenn mir die Gefahr leichter zu bekriegender und zu beeinflussender kleiner Staaten durchaus bewusst ist.

  1. 3DVision sagt:

    Was ist erst wenn die Kriegstreiber den Iran angreifen?

    Nun bei soviel Arroganz,hoch näsigkeit und Antidiplomatie hier und anderswo bei den Diktatoren muss man wirklich befürchten dass sie Iran angreifen.
    Aber dann können wir ganz einpacken.

    War vorhin noch tanken.
    Seit heute morgen 10 Cent+ pro Liter.

    Obwohl wir noch gegenüber Deutschland im Rückstand sind,sind die Preise fast nicht mehr tragbar.
    Meine Mutter....
    Dann geh zu Fuß!
    Wundert mich nicht die hat den 2wk mitgemacht dzdz
    Ja ok,aber fünfzehn Km hin und zurück ist mir aber doch zu viel.

  1. 3DVision sagt:

    Benzinpreisentwicklung seit 1950

    Noch im Jahr 1950 befand sich der Benzinpreis bei knappen 30 Eurocent. In den folgenden zwei Jahrzehnten - den 50er- und 60er-Jahren - schwankte der Benzinpreis nur unerheblich im Bereich von 20 bis 40 Eurocent. Außer einem leichten Anstieg Anfang der Fünfziger- und Mitte der Sechziger-Jahre, zurückzuführen auf den Korea-Krieg und auf den Beginn des Vietnamkrieges im Jahre 1965, weist die Benzinpreis-Statistik keine größeren Schwankungen auf.
    Der Benzinpreis schraubte sich erst Anfang der 70er Jahre kontinuierlich in die Höhe, bis er schließlich 1973 gegen die 40-Eurocent-Marke anstieg, die er letztendlich 1974 durchbrach. Grund für den raschen Anstieg des Benzinpreises in diesen Jahren war die sog. "Erste Ölkrise". 1973 drehten die Erdöl exportierenden Länder (kurz OPEC für "Organization of Petroleum Exporting Countries") aus Protest gegen die Unterstützung Israels durch westliche Länder im Krieg gegen Ägypten den Ölhahn zu. Obwohl der Lieferboykott der OPEC-Länder 1974 wieder aufgehoben wurde, pendelte sich der Benzinpreis oberhalb der 40 Eurocent Marke ein. Die nächste sprunghafte Preissteigerung erfuhr der Benzinpreis in der "Zweiten Ölkrise" 1979 als der Schah von Persien im Iran gestürzt wurde und der Iran im Folgenden seine Erdöllieferungen stoppte........

    http://www.enro-portal.de/infos/benzinpreisentwicklung.html

  1. So dramatisch das auch alles klingen mag, ich fände es nicht schlimm, wenn den Menschen der "Spass am Autofahren" vergehen und diese ihr Kraftfahrzeug nur noch für wirklich notwendige Dinge gebrauchen würden. Ich lebe in einer Grossstadt und ausser mir sehe ich kaum Fahrradfahrer, obwohl damit alles bequem erreichbar ist. Dafür eine täglich mehrmalige Blech- und Drecklawine. Über weitere Folgen will ich mich erst gar nicht auslassen.

    Auch als Rohstoff wird Erdöl grösstenteils für billige Wegwerfprodukte missbraucht, obwohl es umweltfreundliche und brauchbare Alternativen gibt. Ein Ölverknappung sehe ich daher gelassen, weil es neuen und langfristig möglicherweise besseren Technologien endlich ein Chance geben würde. Es gibt eben nichts, was nur schlecht oder nur gut ist.

    Das Szenario des anstehenden Krieges sehe ich allerdings in düsterstem Rot. Immerhin werden die Europäer es schwer haben, sich ohne Treibstoff daran zu beteiligen.

  1. Guy Fawkes sagt:

    Und am 1.03.12 wurde zum grossen Tankboykott aufgerufen! Ich fahre an vielen Tankstellen vorbei, weil ich nach Kiel musste. Ergebnis: Viele Schlangen an den Zapfsäulen! Tja, wenn wir keine Zeichen setzen, passiert auch nicht viel!

  1. Kasandroo sagt:

    Eigentlich totaler Irrsinn. Ich hab mal an einer BundesstraßenKreuzung gewohnt zwischen Chemnitz und Freiberg. Da sind früh morgens die Freiberger nach Chemnitz und die Chemnitzer nach Freiberg arbeiten gefahren. Zumindest kam es mir so vor und in dem Ort bauen die jetzt noch so eine fortschrittliche Umgehungsstraße (von der EU gefördert, von wem sonst...) damit die Chemnitzer besser nach Freiberg kommen und die Freiberger besser nach Chemnitz. Und die Bürger haben trotzdem immer noch den gleichen Lärm weil die genau durch die Stadt der Bahntrasse entlang verläuft, dann später verläuft sie durch Naturschutzgebiet, wo noch nicht gebaut wird, was aber der wichtigste Teil ist - eigentlich aber auch nur eigentlich, weil die EU zahlt schon dafür, dass eine Umgehungsstrasse durch Naturschutzgebiet führen darf...... Von mir aus darf morgen der Sprit 20,00€ der Liter kosten, da kann ich wenigstens gleich fristlos kündigen andernfalls hätte ich noch knapp 3 Monate...

    Friede

  1. furmagic sagt:

    Es ist ein ungünstger Zeitpunkt weil wir gerade noch am verdauen der letzten großen Umverteilung (Banken>Schuldenkrise)sind, aber es ist auch eine Chance das Auto etwas zurückzudrängen. Ich nutze es ja selber täglich, aber relativ kompakte Städte, die dennoch grün und ruhig sind, weil die riesigen Verkehrsflächen wegfallen wären schon eine deutliche Steigerung der Lebensqualität für alle.
    Nicht umsonst haben die Städte mit intaktem mittelalterlichen Kern eine hohe Anziehungskraft.
    Problematisch ist nur das Steueraufkommen, das dann aus anderen Quellen geholt werden müßte, den aktuell zahlt der Autofahrer nunmal 300% seiner eigentlichen Kostenverursachung.

  1. drdre sagt:

    Ich denke es wird langsam Zeit den Ölfirmen den Finger zu zeigen. Es wird Zeit sich um Alternativen zu bemühen. Denn das auf Dauer der Sprit für den Kleinverdiener nicht mehr bezahlbar sein wird ist ja abzusehen. Ich meine der Physiker Tesla hat es uns ja vor Jahrzehnten vorgemacht, dass es Antrieb ohne Kosten gibt. Aber das wollten die Ölbarone natürlich nicht. Aus gutem Grund wurden seine Erfindungen kassiert.

  1. zwroclawia sagt:

    Morgen,
    anstatt zu jammern (wir wissen doch dass eine Kriese herbeigeführt werden soll) sollten wir unsere köpchen einschalten und nach anderen Wegen suchen. Jede Kriese birgt auch eine Chance, jetzt bekommen wir die chance bessere Antribstechniken ins Spiel zu bringen. Mit Hilfe der heutigen Informationstechnik ist alles möglich.
    Bleibt POSITIV :)

  1. IrlandsCall sagt:

    Soweit ich beurteilen kann ist der Bezinpreis gegenüber echtem Geld, z.B. Gold und Silber sogar gesunken.
    Die Betrachtung des Wertes eines Rohstoffes gegeüber Falschgeld wie Euro und Dollar ist nicht fair.

  1. Harald sagt:

    Kasandroo hat gesagt...
    "Eigentlich totaler Irrsinn. Ich hab mal an einer BundesstraßenKreuzung gewohnt zwischen Chemnitz "

    Hi Kasandroo, deinem Beitrag wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, denn diesen Irrsinn gerade auch des idiotischen Berufsverkehrs kann jeder Mensch täglich sehen.
    Die heuchlerische und meist verlogene Jammerei um die Spritpreise mag ich schon lange nicht mehr hören.
    Du hast völlig Recht, 20 EUR wären gar nicht so schlecht.
    Doch fürchte ich, dass dann die Leute mehrheitlich es immer noch nicht lassen würden, affige Könige der Straße spielen zu wollen.
    Die Haltung vieler Menschen zum Auto und dessen Kosten, auch in Bezug zur Umwelt, kann man nur noch als geisteskrank ansehen.

  1. Siegfried sagt:

    @Harald:
    Ich kann dir nur zustimmen. Die Reaktion der Deutschen auf steigende Benzinpreise ist doch: "Dann muss eben gespart werden - aber bei anderen Dingen. Bloß nicht aufs Autofahren verzichten".
    "Was ist erst wenn die Kriegstreiber den Iran angreifen? Wird Zeit mein Velo wieder fahrtauglich zu machen und Gemüse anzupflanzen."
    Wir haben in Deutschland fast überall um die 10°C, es ist so oder so Zeit, Fahrrad zu fahren. Radfahren ist gar nicht so schlimm, es kann sogar richtig Spaß machen! Ich weiß das aus eigener Erfahren. Mit einem Fahrrad ist man auch unabhängiger, man kommt an Hindernissen leichter vorbei und muss nicht so oft im Stau stehen wie mit einem Auto.

  1. Libertärer sagt:
    Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
  1. das ist für mich ne milchmädchen- rechung. wenn der liter benzin 20 euro kosten würde, kann sich unsereins keine lebensmittel oder dienstleistungen,strom, heizung mehr leisten/kaufen, weil diese preise astronomisch in die höhe gehen würden.....natürlich ist es bequemer sich hinters steuer zu zwängen, im stau zu stehn, anstatt sich durch eigene kraft fortzubewegen...seid froh, das ihr noch laufen könnt, oder radfahren,
    es gibt viele menschen, die können es nicht....
    wenn der weg zur arbeit zu weit ist, ginge ja auch nen moped...das ist günstiger....oder 15km kann man auch mit nem fahrrad schaffen...
    besser wir gewöhnen uns schon langsam mal um, sonst wird das muss
    viel schlimmer...
    als ich noch arbeiten konnte, bin ich nur !! mit einem kleinen motorroller unterwegs gewesen.(jedes wochenende 100km von der arbeit ).fast 30 jahre ein und derselbe....sogar nach holland bin ich damit gefahren. es ist alles eine einstellungssache, wie wollen wir ermessen wie die wirklichkeit ist, wenn wir nicht in der lage sind, uns mal zu bescheiden vom wohlstand,und alternativen suchen.

    heute hab ich gelernt das es eine pflanze,die der kartoffel ähnlich ist,Topinambur....die wächst wie unkraut, sättigt und ist schmackhaft...habe mich mit freunden ausgetauscht, und jetzt bekomme ich knollen geschickt, die ich hier an versteckten stellen versuche einzupflanzen..freeman hat lange genug gewarnt, bereitet euch vor usw.....fangt doch lieber damit an, anstatt hinterher zu jammern wir ham hunger..bisschen an der realität bleiben, trotz des hochpolitischen phrasen schwingens...

  1. Karsten sagt:

    Vielleicht wäre es jetzt doch langsam dringenst empfehlenswert herauszufinden, wie das Tesla-Auto funktioniert hat. Denn dann braucht es keine Öllieferungen mehr. In seinem Youtubekanal hat "Segelohrenbob" dazu vor nicht allzulanger Zeit eine recht interessante Entdeckung gemacht. Und nicht nur er.. Es braucht kein Benzin um ein Auto zu fahren. Würde auch mit einem Elektromotor laufen. Energie dafür gibt es mehr als genug... Man muß sich nur mal von dem alten Denken verabschieden und endlich mal die Balken aus seinen Augen entfernen. Damit man wieder richtig sehen kann.