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Vorsicht fliegende Banker!

Freitag, 10. August 2007 , von Freeman um 16:22

In diesem Fall will ich nicht Recht haben, aber die Finanzkrise die aus Amerika kommt habe ich schon seit langer Zeit angekündigt. Der Zusammenbruch der Brücke in Minnesota, die Explosion der Dampfleitung in New York usw. sind die sichtbaren Zeichen eines kollabierenden Systems. 25% aller 590'750 Brücken in den USA werden als “strukturell gefährdet” beschrieben laut American Society of Civil Engineers (ASCE). Um sie zu sanieren werden "$9.4 Milliarden pro Jahr für die nächsten 20 Jahre benötigt.” Tja, das kommt davon wenn man Präsidenten „wählt“ die Geld nur für Krieg ausgeben und nicht für die Erhaltung der Infrastruktur.

Das Amerikanische Finanzsystem ist genau so marode wie die Brücken und Leitungen des Landes und jetzt ist die ganze Welt davon betroffen, der grosse Nachteil der Globalisierung, weil alles vernetzt und miteinander verbunden ist. Wenn es in den USA kracht, löst dies eine weltweite Kettenreaktion aus. Rund um den Globus haben die Notenbanken Milliardensummen in das Bankensystem gepumpt, um die tief verunsicherten Anleger zu beruhigen. Die weltweite Angst vor einer Verschärfung der Kreditkrise veranlasste die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank sowie die Währungshüter in Tokio und Sydney zu zusätzlichen Liquiditätsspritzen. Die Anleger an den Aktienmärkten konnten die Zentralbanken indes nicht besänftigen: Die Kurse sackten in Europa und Asien deutlich ab. Auch die Wall Street hat hohe Verluste verzeichnet.

Die EZB hat dem Finanzsystem eine Rekordsumme von knapp 95 Milliarden Euro bereitgestellt, um dann nochmals weitere 61 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Es ist das erste Mal seit der Krise nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dass sich die Hüter des Euro zu solch drastischen Schritten entschlossen.

Auch die US-Notenbank pumpte rund 24 Milliarden Dollar und damit soviel wie seit knapp vier Monaten nicht mehr an einem einzelnen Tag in den Markt. Auch die kanadische Notenbank führte den Märkten mehr Geld zu als üblich. "Was die Zentralbanken hier tun, ist ein konzertierter Versuch, ausreichen Liquidität zuzuführen", sagte Jimmy Koh, Währungsstratege bei der United Overseas Bank. "Das Besorgniserregende daran ist, dass sie dies tun, wenn die Märkte nicht so funktionieren, wie sie sollten."

Auch die Zentralbanken von Japan und Australien pumpten am Freitag mit 8,45 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,2 Milliarden Dollar mehr Geld in den Markt als an anderen Tagen. In einigen asiatischen Ländern sahen sich die Notenbanken wegen der Krise gezwungen, am Devisenmarkt zu intervenieren, um die eigenen Währungen zu stützen.

Hey, das sind $155 Milliarden die an einem Tag ins System gepumpt wurden und keine Peanuts ;-) Es zeigt wie präker die Lage ist.

In Deutschland ist die Situation auch ziemlich schlimm. Die Bundesbank hält eine Krisensitzung nach der anderen, um den Zusammenbruch der IKB und weiterer Banken zu verhindern. Es gibt Gerüchte die Westdeutsche Landesbank und die SachsenLB hätten grosse Probleme. Wenn diese Grossbanken auch noch kollabieren, dann ist aber Feierabend und das ganze globale Finanzsystem bricht zusammen.

Was das Deutsche Bankensystem bedroht und eine weltweite Auswirkung haben kann sind die Asset Backed Commercial Papers. Diese Art der Finanzierung birgt grosse Gefahren wenn die Parteien zahlungsunfähig werden und dann die Ausgabebank dafür gerade stehen muss. Viele Banken haben diese ABCPs an Hedge Funds und andere Banken ausgegeben, welche theoretisch diese im Notfall einlösen können. Das Problem ist, die Banken haben viel mehr ABCPs ausgegeben als sie durften. Wenn es zu einem Massenansturm kommt, dann sind die Banken zahlungsunfähig.

Was passieren kann zeigt der Fall der IKB. Weil der von der IKB finanzierte US Hedge Fund Rhineland Funding Unterdeckung hatte, musste die IKB einspringen, diese wiederum wollte ihre ABCPs bei der Deutschen Bank einlösen, welche sich aber weigerte weil Bankchef Ackermam bereits in Panik war wegen der Bear Stearns Sache und sie schon exponiert genug sind, deshalb kollabierte die IKB. Nun versuchen die Zentralbanken die angeschlagenen Banken mit massiver Liquidität, heisst tonnenweise billigem Geld, zu retten. "Es geht um die Stabilität des deutschen Finanzmarkts", teilte der Bundesverband deutscher Banken mit. Der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, hatte vor der schwersten Bankenkrise seit 1931 gewarnt, sollte die IKB und andere zusammenbrechen. Die Sorge um den US-Immobilienmarkt belastete auch den deutschen Aktienmarkt.

Seit Jahren halten uns die Befürworter des Wirtschaftsliberalismus die boomende US Wirtschaft als gutes Beispiel vor die Nase und kritisieren unsere Lahmarschigkeit. Dabei ist ja das „Wirtschaftswunder“ und der hoch gelobte „American Way of Life“ eine Illusion, ein Luftschloss, ein leerer Ballon der jetzt platzt. Diese Konsumblase wurde nur mit Schulden finanziert, hauptsächlich von Ausländern. Man hat den sozialschwachen und armen Amerikanern Kredite nachgeschmissen, die unter normalen Unständen nie Geld bekommen hätten. Damit haben sich Menschen teure Konsumartikel gekauft, die sonst nie daran denken konnten.

Das Wachstum der Wirtschaft und der Konsumrausch auf den die US-Regierung immer so stolz verwies, war auf Pump gebaut, denn diesen Subprime Kunden mit niedriger Bonität, wurden mit Drückerkolonnen Immobilienkredite, aber auch Kredite für Autos, Boote, Wohnmobile, ja sogar Kreditkartenschulden verkauft, bei denen klar war, dass sie kaum zurückgezahlt werden können. Amerikanische Banken und Bausparkassen haben diese Kredite gebündelt und an Investoren weitergereicht, die die Darlehen in Form komplexer Pakete an den Kapitalmarkt brachten. Hier kauften dann die IKB und andere dumme Ausländer die Anteile, ohne je die Schuldner gesehen zu haben und Sicherheiten dafür zu verlangen.

Jetzt wo die US-Bürger wegen niedriger Immobilienpreise, Jobverlust und Zinserhöhung nicht mehr zahlen können, bricht das System zusammen und die Kreditgeber haben nichts Reelles in der Hand. Aufeinmal sehen die geldgierigen Financies es ist nur eine Luftnummer und kriegen die grosse Panik.

Und es geht weiter mit den Problemen, deswegen werden wir möglicherweise bald fliegende Banker sehen, wenn all das Wirklichkeit wird:

Das Französische Finanzblatt La Chronique Agora sagt: “Dieses Mal ist der Alarm auf den Kreditmärkten von noch nie da gewesener Grössenordnung. Dies ist das Ende einer Epoche, das Ende der Illusion von unbegrenzter weltweiter Liquidität. Noch eine Illusion stirbt damit, dass die Zentralbanken und Finanzministerien völlige Kontrolle über die Geld- und Kreditmengen noch haben, die über die Jahre aufgetürmt wurden.

Die Situation ist die eines Riesen mit tönernen Füssen (die Amerikanische Wirtschaft) welche auf einem gigantischen Ballon balanciert, die Immobilienblase. Oben auf dem Riesen sitzt der Kredit- und Derivativ-Markt der laufend Infusionen an neuem Geld von der Federal Reserve benötigt. Und ganz oben über diesem gefährdeten Konstrukt stehen die Weltfinanzmärkte welche Höhenangst bekommen haben.

Zuschauer dieses monströsen Spektakels sind die Investoren, welche noch auf ihren Stühlen sitzen. Sie scheinen aber bereit zu sein sofort aufzustehen, den Saal zu verlassen… vielleicht ruhig und diszipliniert… oder panisch zum Notausgang rennen, dabei die Stühle umzustossen und über die Nachbarn zu klettern bei der Flucht…


Börsenguru Cramer hat voll die Panik!

insgesamt 4 Kommentare:

  1. Marcel sagt:

    Hallo Freeman,

    Deine Artikel sind wirklich Perlen. Ich würde Deine Artikel gern möglichst weit weiterverbreiten, darf ich das?

    Kontaktiere mich doch mal, gern auch anonym:

    http://www.mein-parteibuch.de/impressum/

    Marcel

  1. Freeman sagt:

    Freut mich... ja klar kannst du meine Artikel weiterverbreiten, so lange mit einem Link auf meinem Blog zurückverwiesen wird, ist es ok. Der Sinn ist ja, so viele Leser wie möglich zu erreichen und aufzuklären ;-)

  1. Der Erhalt von Brücken ist in den USA keine Aufgabe des Bundes sondern der einzelnen Staaten (Wenn überhaupt, siehe Toll Bridges). Außerdem sind US-Bürger sehr empfänglich für "Weniger Ausgaben und Steuern runter" und sparen sich schonmal so Dinge wie Gehwege. Außerdem sollte man sich mal über das Konzept der "Toll-Bridge" schlau machen, etwas nicht direkt ungewöhnliches in einem kapitalistischen System. Das ganze also auf den US-Präsidenten zu schieben ist eine sehr eindimensionale Sicht der Dinge.

    Nach dieser Eröffnung fällt es mir schwer den Rest des Artikels glauben zu schenken. Tut mir leid, wer so im Brustton der Überzeugung über etwas schreibt sollte sich in solchen Details auch auskennen...

  1. Freeman sagt:

    Check deine Fakten besitzstandswaherer, denn was du behauptest ist komplett falsch. Selbstverständlich ist die Bundesregierung und damit der Präsident für Strassen und Brücken zuständig. Es gibt insgesamt 75'000 Kilometer Federal Highways und 77'000 Federal Bridges, welche vom Federal Government (Bund) zu 56% mit Benzinsteuern und der Rest aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Wenige Brücken und Strassen sind Mautpflichtig. Es ist sogar so, dass der Präsident durch das Zurückhalten der Finanzmittel für die Bundesstrassen dies dazu benutzt, um Gesetze die er will bei den Ländern durchzudrücken. Die Land- und Gemeindestrassen erhalten auch Subventionen vom Bund. Die National Transportation Safety Board und der U.S. Secretary of Transportation sind für die Sicherheit zuständig. Der Präsident und seine Regierung sind demnach absolut für die wichtigsten Strassen und Brücken zuständig und verantwortlich und können das Staatsbudget mehr oder weniger dafür einsetzen. Bush hat nur eine Priorität, nämlich Krieg, Waffen, Geheimdienste und Polizei, alles andere ist unwichtig für ihn.