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Gold für Gas zwischen Türkei und Iran am Ende

Sonntag, 17. Februar 2013 , von Susi Quadro um 16:00

Die Türkei ist der grösste Kunde für Gas aus dem Iran und hat die Rechnungen dafür in türkischen Lira bezahlt, da die illegalen Sanktionen der USA eine Bezahlung in Dollar oder Euro verhindern. Der Iran hat mit den Lira, die bei der staatlichen Halkbank aufgelaufen sind, Gold in der Türkei gekauft. Iranische Kuriere haben die Goldbarren im Handgepäck nach Dubai gebracht, wo sie dann in Dollar- und Euro-Noten umgetauscht und diese nach Teheran geflogen wurden. Laut New York Times hat die US-Regierung der Halkbank verboten weiter die Energiezahlungen für die OPEC-Länder abzuwickeln, denn die Bank bekommt auch die Zahlungen der indischen Gaskäufe im Iran zum Beispiel. Auch den Goldexport aus der Türkei will die USA verhindern. Die Umgehung der Sanktionen durch Gold für Gas zwischen Türkei und Iran ist damit am Ende.


Die noch schärferen US-Sanktionen, die am 6. Februar wirksam wurden, verhindern die Umwandlung der Zahlungen für iranisches Gas in Gold und blockieren generell die Abwicklung der Zahlungen für iranische Energielieferungen. Das Ziel der Sanktionen ist es den Iran komplett von seinen Einnahmen abzuwürgen, bzw. damit das Geld nicht in den Iran gelangt. Die Goldumwandlung in Dubai war sowieso schon rückläufig, da Banken und Händler dort aus Angst vor US-Strafmassnahmen sich weigern die iranischen Barren die aus der Türkei stammen zu kaufen.

Die Befolgung des von den USA aufgezwungenen Handelsverbot wird die Türkei selber am schwersten treffen, denn die Türkei ist zum Grossteil von iranischen Energielieferungen abhängig. Der türkische Wirtschaftsminister Zafer Cağlayan hat bereits einen Rückgang des Handels zwischen der Türkei und Iran bestätigt. Denn, wenn der Iran das Geld für die Zahlungen nicht mehr aus der Türkei raus bringt, dann wird Teheran alternative Kunden und Wege suchen.

Russland kommt dabei nicht in Frage, weil die russischen Banken eng mit dem globalen Bankensystem verbunden sind und auch Nachteile mit Washington befürchten. Dazu kommt noch, Russland ist ein Konkurrent zum Iran was das Gas betrifft und wird gerne die ausfallenden Lieferungen in die Türkei übernehmen.

Wer noch übrigbleibt sind China, Indien und Japan, die viel Gas und Öl aus dem Iran beziehen. Die Frage lautet jetzt, werden diese Länder den Erpressungen Washingtons wie gegen die Türkei widerstehen? China noch am ehesten. Jedenfalls sind die Goldimporte des Iran auf 6,5 Milliarden Dollar 2012 gestiegen, mehr als das Zehnfache im Vergleich zu 2011.

Kein Wunder hat Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, einen Tag nach dem die neuen verschärften Sanktionen in Kraft traten direkte Verhandlungen abgelehnt. Er sagte bei einer Rede: "Die iranische Nation wird nicht unter Druck verhandeln." Er sagte weiter: "Die USA zielt mit einer Pistole auf den Iran und will aber, dass wir mit ihnen reden." Abschliessend sagte er: "Direkte Verhandlungen werden nicht die Probleme lösen."

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Zur Erinnerung; Ende der 30ger Jahre sahen die USA ihre Interessen in Asien durch die expansive Politik Japan in Indochina gefährdet, vor allem ihre Kolonien wie die Philippinen. Aus diesem Grund verhängte Washington ein totales Embargo auf alle Rohstofflieferungen gegen Tokyo und fror sämtliche japanische Vermögen im Ausland ein. Damals bezog Japan 80 % seines Erdöls aus den USA.

Japan hatte aus seiner Sicht als Inselstaat nur die Alternative, entweder sich Amerika zu unterwerfen oder Gegenmassnahmen einzuleiten. Ohne die Öl-Importe reichten Japans Reserven für Industrie und Militär nur für wenige Monate, daher musste die japanische Führung innerhalb dieser Zeit die Ölzufuhr wiederherstellen, wenn sie den Zusammenbruch des Reiches verhindern wollte.

Die Mehrheit der japanischen Führung hielt eine Einigung mit den USA, zu akzeptablen Bedingungen für Japan, für unwahrscheinlich. Ausserdem würde Japan auch bei einer Einigung weiterhin von ausländischen Rohstoffen abhängig sein. Man beschloss deshalb die Amerikaner mit einem Schlag aus dem Pazifik zu vertreiben und die rohstoffreichen Länder Asiens zu erobern.

Mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 trat Amerika in den Krieg ein und der europäische Krieg weitete sich zu einem Weltkrieg aus. Behauptet wird, die USA wurde völlig unprovoziert aus heiterem Himmel von Japan angegriffen. Dabei war es gewollt.

Die Geschichte zeigt, Sanktionen und Embargos waren immer die Vorstufen zu einem Krieg. Die Taktik lautet dabei, das Zielland so in die Enge zu treiben, so in einen Zustand des drohenden Untergangs zu bringen, damit es aus Verzweiflung zu einem Schlag ausholt. Genau das ist die Absicht, damit man sagen kann, man ist angegriffen worden und jetzt zurückschlagen muss.

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Spruch der Woche: "Es ist leichter Menschen zu belügen als sie davon zu überzeugen sie sind belogen worden."

insgesamt 6 Kommentare:

  1. Ich frage mich als türkischer Bürger, weshalb die wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran nicht abgebrochen wurden, da ja die Türkei gegen Syrien agiert?! Korrigiert mich, aber der Iran hat jetzt der Türkei sogar vorgeschlagen, ein militärisches Bündnis zu gründen, da diese noch fehle. Die anderen Bereiche der Zusammenarbeit seien abgedeckt. Jetzt wolle man noch Ägypten beistehen (siehe Staatsbesuche Ahmedinedschad & Erdogan). Wie kann aber die Türkei Handel mit dem Iran betreiben, da sie ebenso ein Mitglied der Nato ist? Vor kurzem hat sich Erdogan sogar mit ayatollah Chamanei getroffen, um das Atomprogramm gemeinsam fortzuführen.
    Entweder bin ich fehlinformiert oder da ist etwas im Busch...

  1. Wo ein Wille ist ist ein Weg. Iran wird ein Weg finden. Wie seit über 30 Jahren um immer stärker zu werden.

    Handel und Warenaustausch mit bzw. gegen Gold ist für den Iran auch um ein vielfaches sinnvoller als wie zuvor gegen das wertlose Papier Dollar oder Euro.

  1. julu22 sagt:

    freeman bitte komm zurück

  1. Fatima sagt:

    " Genau das ist die Absicht, damit man sagen kann, man ist angegriffen worden und jetzt zurückschlagen muss."

    Das wird aber voraussichlich kaum gelingen, denn Iran lässt sich nicht provozieren. Ich vertraue da auf die weise Führung durch Imam Khamenei.

    @ osmanli torunu: Erdogan musste Imam Khamenei nach Mashhad hinterherreisen, um von ihm empfangen zu werden. Damit hat letzterer ihm gezeigt, dass er nicht gerade mit ihm einverstanden ist.
    Von einem "militärischen Bündnis" weiß ich nichts, woher weißt du das?

  1. gwai sagt:

    Ein Standardbarren Gold wiegt 400 Feinunzen , also 12,44 kg. Ein etwas schweres "Handgepäck"

  1. Julian sagt:

    Der letzte Teil verschweigt aber einen wichtigen Punkt:

    Die USA reagierten auf die illegale Besatzung von China und der Mandschurei (1931) und die brutale Besatzungspolitik der Japaner (Massaker von Nanking 1937). Japan war zu der Zeit, bevor es in Europa losging, ein Pariahstaat und hatte den Völkerbund bereits 1933 verlassen.

    Natürlich sah man das aufstrebende Japan auch als Konkurrenten an und als Bedrohung für die eigenen Territorien in China, aber Japans international geächtete Politik (selbst die Nazis waren geschockt) war sicherlich auch ein Grund für ein Embargo.