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Buenos Aires Tag7

Donnerstag, 22. November 2012 , von Freeman um 20:00

Am Dienstag stand Argentinien teilweise still, wegen eines Generalstreik der von Gewerkschaften als Protest gegen die Regierung ausgerufen wurde. Die Gewerkschaftsführer verlangen eine erhebliche Lohn- erhöhung wegen der Inflation, die von der Regierung mit 9 Prozent angegeben wird, aber unabhängige Experten eher auf 25 Prozent für das Jahr schätzen. Ich sah wie die Demonstranten die wichtigsten Strassen in Buenos Aires blockierten und die Autofahrer über Schleichwege diese umgingen. Der Verkehr war aber relativ ruhig, da viele nicht zur Arbeit erschienen und die meisten Geschäfte geschlossen waren.



Präsidentin Fernández de Kirchner ist einem erheblichen Druck von innen und von aussen ausgesetzt und macht bei ihren fast täglichen TV-Ansprachen einen etwas hysterischen Eindruck. Kein Wunder, in New York hat Richter Thomas Griesa sein im vergangenen Monat verkündetes Urteil am Mittwoch bestätigt, Argentinien muss 1,3 Milliarden Dollar an die Aasgeierfonds zahlen. Er sagte, "Argentinien schuldet dies und schuldet es sofort." Damit steht das Land möglicherweise wieder vor der technischen Zahlungsunfähigkeit.

Argentinien hat bisher den Besitzern von Staatsanleihen Geld und Zinsen gezahlt, die 2005 und 2010 mit einer erheblichen Abschreibung der Schuldensumme einverstanden waren, was 90 Prozent der gesamten Kreditgeber ausmacht. Die Regierung weigert sich aber den Aasgeierfonds Geld zu geben, die nie selber Kredite an Argentinien gaben, sondern Anleihen billig aufkauften und die volle Summe per Gericht einklagen. Siehe Tag5 meiner Berichte. Wirtschaftsminister Hernán Lorenzino sagte nach dem Urteil, "diese Fonds sind Aasgeier, die von einem Bankrott profitieren wollen. Alles was wir jetzt benötigen ist für Griesa die Fünfte Flotte zu entsendet."

Richter Griesa sagte in strengen Worten am Mittwoch, Argentinien muss Rückzahlungen bis zum 15. Dezember an die sogenannten Aasgeierfonds im gleichen Umfang tätigen, wie mit der Mehrheit der anderen Anleihenbesitzer. Er macht keinen Unterschied zwischen den Kreditgebern die Argentinien mit Schuldenverzicht geholfen haben und deshalb auch einen Teil ihres Geldes regelmässig zurückbekommen haben und den Finanzkriminellen, die nur den grossen Profit einstreichen wollen. Die Kläger Elliott Capital Management und Aurelius Capital Management leben Hauptsächlich vom Einklagen von Schulden, die sie billig erworben haben und damit das 10-fache rausholen versuchen.

Wenn aber Argentinien durch das New Yorker Urteil gezwungen wird Geld auch an die Aasgeierfonds zu zahlen, reduziert es den Betrag an die anderen Anleihenbesitzer, was zu einer Zahlungsunfähigkeit der 24 Milliarden Dollar an ausstehenden Schulden führt. Nick Dearden, Direktor der britischen Jubilee Debt Campaign, eine Organisation die sich für Schuldenerlass und gegen Aasgeierfonds einsetzt, sagte: "Es ist völlig skandalös, dass einige Spekulanten eine souveräne Nation an den Rand des Bankrotts führen können. Diese Aasgeierfonds haben Argentinien nie Geld geliehen - sie spekulieren nur mit Krisen, die eine enorme Armut und Leiden in diesem Land verursachen."

Vor dem neuesten Gerichtsurteil hat Präsidentin Fernández de Kirchner bereits klargestellt, dass ihre Regierung nicht mit diesen Aasgeierfonds verhandeln wird. "Wir werden kein Geld auf Kosten von Hunger und der Ausgrenzung von Millionen von Argentiniern zahlen," sagte sie bei einer Rede in einem Stahlwerk in Villa Constitución am Anfang des Monats. "Wir werden nicht einknicken," fügte sie hinzu. "Wir müssen intelligent, vernünftig und ruhig bleiben und nicht auf Provokationen von denen reagieren, die ein ultrakonservatives Regime wiederherstellen wollen, welches Argentinien zerstörte."

Nach fast 10 Jahren der Erholung aus der Staatskrise und einem ständigem Wachstum der Wirtschaft, ist die Gefahr einer Stagnation jetzt gegeben. Zusätzlich zu der drohenden sogenannten technischen Zahlungsunfähigkeit, die Wall Street nach dem Urteil aussprechen kann, protestieren die Menschen im Lande gegen die hohe Inflation, dem Stillstand der Wirtschaft, der Korruption im Staatsapparat und der steigenden Kriminalität. Mal sehen ob die Regierung das meistern kann, sie hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Argentinien ist ein Beispiel wie die Schuldenwirtschaft aus der Vergangenheit, die ständige Rückzahlung von Krediten mit Zins und Zinseszins und die Abhängigkeit von ausländischen Kreditgebern, einen nicht aus der Falle entkommen lässt und die Bevölkerung erheblich darunter leiden muss. Die Lehre daraus, niemals ein Schuldensklave werden, ob im Kleinen wie im Grossen, denn dann verliert man seine Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität, genau das was die Bankster wollen.

Cristina Fernández de Kirchner bei ihrer Rede am Dienstag:


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Die Macht der Banken über die Staaten muss gebrochen werden

insgesamt 9 Kommentare:

  1. Genau dies war auch meine Beobachtung: In der NZZ (die Manager brauchen ja die relevanten Informationen) war heute eben dieser Artikel in relativ grosser Aufmachung, natürlich ohne kritischen Kommentar. Bereits vor 10 Tagen wurde berichtet (NZZ 13.11."Argentinien will Ghana anklagen"), dass die Aasgeier ein Segelschulschiff in einem ghanesischen Hafen blockiert haben als Pfand für diese "berechtigten" Schulden - soweit reichen also die internationalen Krakenarme!

    Recht wird dazu benützt, um Unrecht zu rechtfertigen - gleichzeitig wird das internationale Völkerrecht skrupellos gebrochen, wenn es opportun scheint.

    Auch hier gilt: Die Helden sind diejenigen, die in der Justiz, im Militär und bei allen den kleinen fiesen und miesen Intrigen das Maul aufmachen!!

    Breaking the silence!

  1. Wahnsinnig! Da werden Aasgeier geschützt, die

    mit dem nicht mehr vorhandenen virtuellen Geld – eine Luftauflösung von “Nichts” in “Nichts”,

    Geld, das also nur noch auf den Handelspapieren von virtuellen Fonds und in virtuellen Konten bestanden hat,

    und das dann – virtuell natürlich – auf ein Zehntel der “rechtlichen” Verpflichtungen zur virtuellen Rückzahlung
    begrenzt wurde, der sogenannte Schuldenschnitt

    das sie dann aber noch gehandelt haben – nach dem Motto: Ich kaufe virtuelle Rechte von 30 Mio für virtuelle 40 mio

    und dann die willkürliche Schuldenquote nicht mehr akzeptieren, weil sie

    das Spiel der anderen nicht mitmachen, die gesagt haben:
    Wir haben in den Jahren schon virtuell genug an Zinsen verdient und können es uns nicht leisten, das virtuelle Geld in unseren virtuellen Bilanzen als virtuelle Verluste auszuweisen

    Diese Spielverderber, die im grossen Spiel geopoly einfach nicht mitmachen, diese Spielverderber werden nun von einem Gericht geschützt, das sich im Dschungel von Rechtsystemen der internationalen Verträge bewegt und wobei die Rechtverdreher nur ihre Finesse daraufhin einsetzen, die Lücken zu finden um sich dann – ein “amerikanisches Erfolgsmodell” (Satire!) am Erfolg zu bereichern – Make money, yeah.

    Diese Schmarotzer sind mehr als Aasgeier, diese Tiere wollen nur überleben und füllen ihre ökologische Nische aus. Es ist zwar ein schönes sprachliches Bild. Sie sind aber mehr:

    Ekel pur, die Blutsauger der Welt, die Zecken der Welt, die Malaria im lebendigen Blut aller Völker, die Hakenwürmer im Fleisch, die Fäulnis einer Eiterbeule, der Wundbrand im Krieg, die multiresistenten Keime im Gebärsaal, all dies und noch mehr. Was auf der Welt alles nicht geschaffen werden kann wegen dem Zinssystem und wegen diesen charakterlichen Mieslingen muss ihnen angerechnet werden. Ihre überhebliche, arrogante Welt voll mit Koks, smarten Partys und den Appartements am central park für 50 Mio USD ist der DER ABSCHAUM DER MENSCHLICHKEIT, der Schaum auf der Kloake der Kläranlage. Ihre arroganten, ach so schönen (kotz) Frauen mit dem life-style sind Hyänen, nein dies wäre zuviel der kreatürlichen Ehre. Und sie buhlen um mehr, fühlen sich toll, make money yeah. Widerlich!

    So wird Argentinien destabilisiert, damit man in der realen Welt plündern kann. Man bedenke: Argentinien hat vor der Küste doch noch Ölvorräte und ist im Grunde ein reiches Land.

  1. Chang sagt:

    Aus welchem reichen Haus ist eigentlich die Kirchner Präsidentin? Sie wirkt mir wie eine Marionette wie sovieler auch in Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika. Wahrscheinlich ist sie aus einer stinkreichen Familie die ihren Reichtum durch Versklavung von Arbeitern, von dubiosen Papiergeschäften und Beschlagnamung grosser Ländereien herrührt - ist das nicht so @Freeman? Denn in Mittelamerika war es leider trauriger Alltag :-(( Immer die gleiche Leiher und dann gross Reden schwingen - Gott sei dank dauert das nicht mehr hunderte von Jahren bis es in Zukunft wirkliche Änderungen gibt :-)))

  1. siamfd sagt:

    Solche Leute müssten mit einem internationalen Haftbefehl gejagt und verhaft werden.
    Am Besten Argentinien suft diese Verbrecher als Terroristen als und als Gefahr für den Staat und entführt diese Leute wie es die CIA.

  1. siamfd sagt:

    Diese Verbrecher müssten eigentlich mit einem internationalen Haftbefehl gejagt und vor Gericht gestellt werden.
    Noch besser Man stuft diese Verbrecher als Terroristen ein und entführt dieses Gesindel gleich in ein Foltergefängnis.
    Was die USA müssen die anderen auch dürfen.

  1. Fatima sagt:

    Plünderungen in Argentinien!

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/argentinien-tote-und-verletzte-bei-pluenderungen-a-874459.html

  1. Harald sagt:

    Fatima sagt:
    22. Dezember 2012 20:17

    "Plünderungen in Argentinien!"

    Natürlich wird die ganze Sache bösartig verfälschend als gewöhnliche Kriminalität dargestellt, damit die in ihrer Mehrheit noch ignoranten und vollgefressenen bürgerlichen "Leister", untertänige Lohn-Kulis des Kapitals und sonstige flotte Mitverzehrer von Früchten fremder weltweiter Ausbeutung bloß keinen Zweifel über ihre persönliche Verantwortung, über ihr Mittun bei der Aufrechterhaltung dieser weltweiten, immer unmenschlicher werdenden kapitalistischen Verhältnisse bekommen.

  1. Fatima sagt:

    @Harald: Stimmt, aber manche denken eben doch etwas weiter. Mein Mann erzählte , er hätte das im Radio gehört, und da hab ich mal gesucht. Er sagte gleich: "In Argentinien werden aus Armut Supermärkte geplündert."
    Wer kriminell ist, überfällt Juwelierläden oder Geldtransporter, da sind mehr Werte zu holen. Wer Supermärkte überfällt, hat meist Hunger.

  1. Fatima sagt:

    Oh, bevor ich das vergesse: Euch allen, besonders Freeman, einen gesegneten Geburtstag Jesu (nicht etwa "Winterfest) und ein glückliches Neues Jahr. Bleibt weiterhin so aktiv.