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Buenos Aires Tag3

Donnerstag, 15. November 2012 , von Freeman um 00:05

Das argentinische Parlament hat mit 131 zu 2 Stimmen das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt, was von der Opposition als Versuch der Präsidentin Fernandez de Kirchner aufgefasst wird, die Chancen ihrer Partei bei den Parlamentswahlen 2013 zu erhöhen. Laut Umfrage soll Kirchner bei den Jugendlichen populär sein, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung. Die Regierung begründet die Massnahme, andere Länder wie Ecuador und Brasilien haben bereits das Alter auf 16 herabgesetzt.



Damit soll die demokratische Basis erweitert werden, heisst es. Eine Million Wähler sollen dadurch hinzukommen. Man muss aber weiterhin 18 sein, um Alkohol oder Zigaretten kaufen zu können oder um zu heiraten. In Argentinien gibt es von 18 bis 70 Wahlpflicht, aber für die neue Wählerschicht wird es freiwillig sein. Kritiker sagen, auch wenn die Massnahme ganz klar ein wahltaktischer Grund der Peronisten ist, wird die Jugend sich mit der Zeit gegen Kirchner wenden, wenn sie mit ihrer Austeritätspolitik so weitermacht.

Argentinien kämpft schon seit über 10 Jahren mit seinen internationalen privaten Gläubigern, als Resultat des Staatsbankrott 2001. Seit dem versucht die Regierung die Kreditwürdigkeit des Landes zu verbessern. Diese hat aber ein Schlag bekommen, da die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonität von Argentinien von B auf -B vor zwei Wochen herabgesetzt hat. S&P sagt, die Wirtschaftspolitik seit Oktober 2011 würde das Risiko in der Binnenwirtschaft erhöhen, Druck auf die externe Liquidität steigern und das mittelfristige Wachstum schmälern.

Auch die Chefin des IWF, Christine Lagarde, hat Argentinien wegen der Inflation gewarnt und mit Entzug des Stimmrechts oder sogar mit Rausschmiss aus dem IWF gedroht, sollten die abgelieferten Zahlen nicht besser werden. Lagarde sagte, der IWF hätte Argentinien die "gelbe Karte" gezeigt, da die offizielle Inflationsrate von 10 Prozent nicht stimmen kann und mindestens 25 Prozent beträgt. Argentinien hat bis zum 17 Dezember Zeit das Problem anzupacken, heisst es aus dem IWF.

Trotz dieser trüben Aussichten flüchten immer mehr Spanier nach Argentinien. 65'000 haben seit Beginn der Krise 2008 ihre Heimat für Argentinien verlassen. 25'000 sind nach Mexiko gegangen. Daran sieht man wie schlimm es in Spanien sein muss, wo eine Arbeitslosenquote von fast 50 Prozent herrscht, realistisch gezählt. Die Spanier sagen, sie ziehen eine hohe Inflation eher vor, als ohne Job zu sein. Da sie keine Sprachprobleme haben sehen sie eine bessere Chance in Lateinamerika.



Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist schon deutlich sichtbar in Buenos Aires. Man sieht Obdachlose die auf dem Trottoir im Schlafsack leben, oder unter Kartons in den Parkanlagen. Eine Frau sah ich vor dem McDonalds an der Ecke Ave. Corrientes und Ave. 9 de Julio mit drei verwahrlosten Kindern auf dem Boden sitzen. Aus verständlichen Gründen hab ich sie nicht fotografiert.

Eisverkäufer mitten auf der Strasse:



An vielen Ampeln sind Scheibenputzer:



Strassenverkäufer an den belebten Passagen:



Man sieht viele streunende Hunde:





Anderseits können sich die Betuchten eigene "Hundeausführer" leisten, die jeden Tag zweimal mit den Vierbeinern Gassi gehen, statt es selber zu tun:



Galerías Pacífico an der Ecke Florida und Córdoba. Die Preise in den Markengeschäften sind so hoch wie bei uns:

















Hier gehts zum nächsten Tagesbericht ...

insgesamt 4 Kommentare:

  1. hallo
    und vergesse nicht das sehr viele argentinier das geld im ausland anlegen.
    zb sehr beliebt bei ihnen sind in paraquay die corpativas.

    gruss aus paraquay, ja bunes aires hat was an flair, eine sehr schöne stadt.

  1. Cauac sagt:

    man wird gezwungen wählen zu gehen? das ist aber nett!

    wenn die korrumpierten und von der hochfinanz abhängigen politiker scheiße bauen, dann heisst es: "hey, ihr seid doch selbst schuld, immerhin habt ihr sie gewählt!".

    und wenn man nicht wählen geht, dann kriegt man einen an den arsch.... geile sache! ist bekannt welche konsequenzen es hat, wenn man als argentinier nicht wählen geht?

  1. Da sieht man aber auch, dass ein einzelnes Land kaum Chancen hat, sich aus den Klauen der internationalen Finanzmafia zu befreien:

    Es wäre doch zu schade (Satire!!), wenn man die argentinische Fleischproduktion, das Öl und - für die Zukunft wohl am wichtigsten - die unglaublich grossen Agrarflächen Argentiniens nicht mehr zu den international üblichen Schleuderkonditionen erobern könnte. Dann kämen womöglich noch “die Chinesen” und würden mit einem viel faireren Angebot diese Produkte und die Flächen aufkaufen. Ja wo kämen wir denn dann hin? (Satire Ende) Wie das Öl in Lybien sprudelt auch die Agrar-Naturproduktion quasi als natürliche Fruchtbarkeit nur immer weiter aus dem Boden. Politisch relativ stabil und auch mit einer kontinuierlich gewachsenen Infrastruktur ist dieses Land eine Goldgrube für Goldmann Sachs.
    Die Energie des ganzens Planeten wird so bei den Kreisen des internationalen Finanzgesindels in Form von Rechten und Finanzverträgen konzentriert!! Diese Konzentration kann doch solch ein Land nicht übergehen..... Übrigens: Auch Neuseeland und Australien sind weitere Kandidaten, dasselbe in Afrika mit zum teil gemässigten Klimaregionen (z.B. Kenia). Dies so kurz nebenbei zum Beitrag von MIKEM – es gibt kein Refugium mehr!

    Dieses internationale Finanzgesindel lässt sich doch den fetten Braten “Argentinien” nicht entgehen – und deswegen wird versucht, dass die Nationalisierung eine Übergangsperiode wird, Sprich, man wird Argentinien solange strangulieren, bis der IWF wieder mit seine Programmen bestimmen kann. Die Renationalisierung und der Protektionismus sind diesen Contras ein Dorn im Auge.

    Das lässt jegliche internationalen Freihandelsabkommen in einem anderen Licht erscheinen: In jedem steckt ein Kern der Verflechtung mit und der Abhängigkeit von Internationalen Finanzgangstern. Die Vorteile des freien Austauschs sind teuer erkauft, mit einer Hypothek, die man kaum mehr auflösen kann! Darüber hinaus werden diese Vorteile meistens nur pauschal behauptet und - sofern überhaupt einige vorhanden sind - und also ist noch die Frage, wer diese Vorteile ausnützen kann. Cui bono ist doch die Leitfrage in unserer ökonomisierten Idiotenwelt.

    Zum Ausdruck Finanzgesindel: Man kann dieses ohne weiteres so nennen, weil jemand der mit solcher Kaltblütigkeit solche “Löhne” kassiert (solch ein Begriff ist ja schon falsch, es ist Räuberbeute) also: wer sich für solche “Löhne” auch noch berechtigt fühlt, nur noch als Gesindel bezeichnet werden kann. Früher war das “Gesinde”, das “Gesindel” derjenige Teil einer ökonomischen Einheit, eines Haushalts, der hart arbeiten musste und weitgehend rechtlos war, dies macht sie trotz aller Einfachheit und Rohheit in ihrer Rolle sympathisch. Heute ist der Begriff “Gesindel” reserviert für asoziale, möglicherweise kriminelle Verhaltensweise, gleichbedeutend mit “Pack”. Nun gibt es auch das Gesindel in Nadelstreifen – dieses Finanzgesindel. Das ist niederster Gesinnung, trotz all ihrer “Kultur”: Der Anzug, das tolle Auto, der Champagner, Jacht, die Vernisage auf internationalem Niveau, die Koksnase mit der schmierigen Locke nach hinten sind nur Dress-code oder Life-style-attitude dieser Kreise und Ausdruck ihres Gesinnungslumpenpacks. Sie fühlen sich wohl auf dem internationalen Parkett, man kennt sich aus dem Libanon, den Bahamas, der Schweiz und New York ... Da lobe ich mir doch noch die “gute alte Patrongesinnung”, die mit dem persönlichen Engagement den Werkplatz Schweiz und Deutschland sichert, oft aus dem Mittelstand entstanden, das ist was anderes. Und für alle Länder stellt sich heute dringlicher denn je folgende Frage:

    Wie kann eine Wirtschaftsordnung gestaltet werden, die zuerst einmal dieses Finanzgesindel und ihre Macht überwinden muss?

    Zusammendenken: Solidarität mit Argentinien – Dank für den Link freeman, es ist eben in dieser Welt mehr als nur eine Reisebeschreibung.

  1. xabar sagt:

    @Hochstämmer juhee

    Super Kommentar!

    Solidarität mit Argentinien, aber auch Solidarität mit Gaza, das seit ein paar Tagen unablässig von den Zio-Rassisten bombardiert wird. Schon mehr als 20 Tote, darunter zahlreiche Kinder.

    Ihr mutigen Palästinenser in Gaza, ihr Kinder von Gaza: Wir denken an Euch! Ihr seid nicht allein! Haltet stand!