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Buenos Aires Tag4

von Freeman-Fortsetzung am Donnerstag, 15. November 2012 , unter | Kommentare (13)



Ein grosses Thema in Argentinien ist das Mediengesetz, welches die Konzentration und das Monopol der Medien aufbrechen will. Es wurde 2009 vom Parlament verabschiedet und schränkt die Anzahl der landesweiten Sendelizenzen auf maximal 24 ein. Der grösste Medienkonzern in Argentinien, Grupo Clarín SA, hat 237 und der nächst grössere Uno Medios 49 Lizenzen. Klar, dass die Clarín Medienmacht die Kirchner-Regierung deswegen bekämpft und auch hinter der Demonstration von 8. November steckt.



Drei Mal dürft ihr raten, wer der grösste Aktionär von Clarín ist. Der übliche Verdächtige, Goldman Sachs natürlich. Siehe dazu Pelzigs Darstellung der Vampirkrake, die überall ihre Tentakeln drin hat.



Die Aufsichtsbehörde über die Medien hat verkündet, sie wird alle Sendelizenzen, Kabel-TV und Internet-Netzwerke versteigern, wenn die Medienhäuser nicht bis zum 7. Dezember einen Plan vorlegen, der den Verkauf der über dem Limit gehenden Lizenzen und damit verbundenen technischer Infrastruktur aufzeigt.

Die Gegner sagen, das Mediengesetz würde das Eigentumsrecht und das Recht auf freie Meinungsäusserung laut Verfassung verletzen. Das ist natürlich Quatsch, denn ein Zerbrechen von Monopolen ist in den westlichen Industriestaaten ganz normal. So etwas nennt man in Europa Kartellgesetz oder in Amerika Anti-Trust-Law. Die Firmen werden nicht enteignet, sondern der Erlös aus der Versteigerung erhalten sie ja.

Die freie Meinungsäusserung wird eher gestärkt, da ein Aufbrechen des Monopols und die Verteilung auf viele Stimmen eher die Meinungsfreiheit bzw. die Meinungsvielfalt verbessert. Medienbeobachter befürworten das Gesetz, da es auch kleineren Medienhäusern und sogar lokalen Gemeinschaften eine Meinungsäusserung ermöglicht. Dazu kommt noch, laut Gesetz müssen mehr argentinische Programminhalte gesendet werden. Die Gegner sagen, es handle sich nur um eine Zerschlagung von Clarín als grösster Regierungskritiker.

Jedenfalls ist es wieder typisch, hinter der grössten Mediengruppe, mit der auflagenstärksten Zeitung Lateinamerikas, TV- und Radiosendern, Kabel- und Internet-Netz, steckt die Krake Goldman Sachs und kann so die öffentliche Meinung in Argentinien steuern. Mal sehen wer stärker wegen der Aufteilung der Medienlandschaft ist, die Regierungsmacht oder die Medien- und Finanzmacht.

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In Buenos Aires gibt es sehr viel Kultur und Unterhaltung mit zahlreichen Museen, Galerien, Theater und Show-Bühnen. Klar gibt es deshalb auch viele Orte wo die Musik, der Tanz und auch der Gesang des Tango Argentino aufgeführt wird.



Tango auf der Bühne ...



... oder getanzt auf der Strasse:



Das Museo Nacional de Bellas Artes:



Das Museum für Filmkunst:



Das Planetarium Galileo Galilei:



Das Teatro Colón in Buenos Aires ...



... führt im November Wagner auf:



Vor dem Teatro Nacional Cervantes standen die Leute rund um den Block für Eintrittskarten:



Etwa 90 % der argentinischen Bevölkerung sind römisch-katholischen Glaubens. In Buenos Aires gibt es aber für alle Glaubensrichtungen Gotteshäuser.

Eine Christlich Orthodoxe Kirche:



Die grosse Moschee von Buenos Aires:



Die Synagoge mit jüdischen Museum:



Einer der vielen Parkanlagen in der Stadt:



Das Flor de Metal öffnet und schliesst sich während dem Tag:



Die US-Botschaft:



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Buenos Aires Tag3

von Freeman-Fortsetzung am , unter | Kommentare (4)



Das argentinische Parlament hat mit 131 zu 2 Stimmen das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt, was von der Opposition als Versuch der Präsidentin Fernandez de Kirchner aufgefasst wird, die Chancen ihrer Partei bei den Parlamentswahlen 2013 zu erhöhen. Laut Umfrage soll Kirchner bei den Jugendlichen populär sein, im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung. Die Regierung begründet die Massnahme, andere Länder wie Ecuador und Brasilien haben bereits das Alter auf 16 herabgesetzt.



Damit soll die demokratische Basis erweitert werden, heisst es. Eine Million Wähler sollen dadurch hinzukommen. Man muss aber weiterhin 18 sein, um Alkohol oder Zigaretten kaufen zu können oder um zu heiraten. In Argentinien gibt es von 18 bis 70 Wahlpflicht, aber für die neue Wählerschicht wird es freiwillig sein. Kritiker sagen, auch wenn die Massnahme ganz klar ein wahltaktischer Grund der Peronisten ist, wird die Jugend sich mit der Zeit gegen Kirchner wenden, wenn sie mit ihrer Austeritätspolitik so weitermacht.

Argentinien kämpft schon seit über 10 Jahren mit seinen internationalen privaten Gläubigern, als Resultat des Staatsbankrott 2001. Seit dem versucht die Regierung die Kreditwürdigkeit des Landes zu verbessern. Diese hat aber ein Schlag bekommen, da die Rating-Agentur Standard & Poor's die Bonität von Argentinien von B auf -B vor zwei Wochen herabgesetzt hat. S&P sagt, die Wirtschaftspolitik seit Oktober 2011 würde das Risiko in der Binnenwirtschaft erhöhen, Druck auf die externe Liquidität steigern und das mittelfristige Wachstum schmälern.

Auch die Chefin des IWF, Christine Lagarde, hat Argentinien wegen der Inflation gewarnt und mit Entzug des Stimmrechts oder sogar mit Rausschmiss aus dem IWF gedroht, sollten die abgelieferten Zahlen nicht besser werden. Lagarde sagte, der IWF hätte Argentinien die "gelbe Karte" gezeigt, da die offizielle Inflationsrate von 10 Prozent nicht stimmen kann und mindestens 25 Prozent beträgt. Argentinien hat bis zum 17 Dezember Zeit das Problem anzupacken, heisst es aus dem IWF.

Trotz dieser trüben Aussichten flüchten immer mehr Spanier nach Argentinien. 65'000 haben seit Beginn der Krise 2008 ihre Heimat für Argentinien verlassen. 25'000 sind nach Mexiko gegangen. Daran sieht man wie schlimm es in Spanien sein muss, wo eine Arbeitslosenquote von fast 50 Prozent herrscht, realistisch gezählt. Die Spanier sagen, sie ziehen eine hohe Inflation eher vor, als ohne Job zu sein. Da sie keine Sprachprobleme haben sehen sie eine bessere Chance in Lateinamerika.



Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist schon deutlich sichtbar in Buenos Aires. Man sieht Obdachlose die auf dem Trottoir im Schlafsack leben, oder unter Kartons in den Parkanlagen. Eine Frau sah ich vor dem McDonalds an der Ecke Ave. Corrientes und Ave. 9 de Julio mit drei verwahrlosten Kindern auf dem Boden sitzen. Aus verständlichen Gründen hab ich sie nicht fotografiert.

Eisverkäufer mitten auf der Strasse:



An vielen Ampeln sind Scheibenputzer:



Strassenverkäufer an den belebten Passagen:



Man sieht viele streunende Hunde:





Anderseits können sich die Betuchten eigene "Hundeausführer" leisten, die jeden Tag zweimal mit den Vierbeinern Gassi gehen, statt es selber zu tun:



Galerías Pacífico an der Ecke Florida und Córdoba. Die Preise in den Markengeschäften sind so hoch wie bei uns:

















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Buenos Aires Tag2

von Freeman-Fortsetzung am Mittwoch, 14. November 2012 , unter | Kommentare (11)



Argentinien ist das Musterbeispiel für ein Land, in der die Bevölkerung ihrer Währung und ihrer Regierung nicht traut. Wegen der Inflation von mindestens 25 Prozent versucht jeder der kann die Pesos die man übrig hat in etwas wertbeständigem umzutauschen. Die Regierung versucht mit ihrem Sparprogramm, genannt "Sintonia fina" oder "Feintuning", die fiskalischen Probleme des Landes zu lösen. Dazu gehören die Erhöhung der Gebühren für die öffentlichen Dienste, die teilweise sehr subventioniert wurden, Einschränkung der Lohnerhöhungen, Einschränkung der Importe und eine Reorganisation der Staatsbetriebe.



Mit der hohen Teuerung ist der Ruf die Löhne und Gehälter auch entsprechend zu erhöhen sehr gross. So haben Gewerkschaften in den Jahren 2010 und 2011 mit Tarifabschlüssen Lohnsteigerungen zwischen 25 und 30 Prozent durchgesetzt. Wegen dem Rückgang der Währungsreserven durch die negative Aussenhandelsbilanz hat der Wirtschaftsminister Guillermo Moreno Massnahmen beschlossen, um den Ankauf von Fremdwährungen und die Einfuhr von Gütern aus dem Ausland zu verhindern. Das heisst, die Importeure bekommen nur sehr wenige Dollars und Euros um Waren einzuführen, wenn überhaupt. So will man den heimischen Markt und die Hersteller schützen.

Auch die Argentinier die ins Ausland reisen bekommen nur geringe Mengen an Fremdwährungen. In einem Fall wurde mir erzählt, für einen Aufenthalt in Europa von 14 Tage nur 40 Euro. Wenn man eine Kreditkarte im Ausland benutzt, dann schlagen die Behörden eine Steuer von 15 Prozent auf die Rechnung drauf. Banküberweisungen ins Ausland sind fast unmöglich oder sehr schwierig geworden. Der Immobilienmarkt wird praktisch nur in Dollars abgewickelt. Die Häuser und Wohnungen werden nur gegen Fremwährung verkauft, denn niemand will grössere Beträge in Pesos halten, wegen der schnellen Entwertung.

So findet ein Kampf zwischen der Regierung und der Bevölkerung statt, in dem der Staat die Devisen im Land behalten will, den Import einschränkt und den Export fördert, und die Menschen ihr übriges Geld gegen die Inflation durch Umtausch schützen wollen. Es ist schwierig Dollar oder Euro zu kaufen, obwohl man auf der Avenida Florida, der Shoppingmeile von Buenos Aires, alle paar Meter wegen "Gambio" angesprochen wird. Die Schwarzhändler verlangen ca. 25 Prozent mehr als der offizielle Bankkurs. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht Falschgeld angedreht bekommt, denn das ist auch ein Problem.

Gold kann man scheinbar überhaupt keins mehr kaufen. Ich hab nämlich meine Bekannten hier gefragt, warum sie überhaupt Dollars und Euros wollen, diese Währungen sind ja auch im Sinkflug und verlieren ständig an Wert. Mindestens 1 Prozent pro Monat realistisch gesehen. Wenn Sicherung des Geldes gegen einen Verlust, dann doch gleich mit Edelmetall. Entweder ist ihnen diese Möglichkeit nicht bewusst oder es geht gar nicht, weil keine Bank Gold verkauft. Es wäre wenn überhaupt sowieso nur gegen Fremdwährungen möglich und da haben wir es wieder.

Jedenfalls beschäftigen sich die Menschen hier viel mehr mit dem Thema Schutz vor Inflation als in Europa. Dort hat man ja noch Vertrauen in den Euro (lach) und guckt einfach zu wie er dahin schmilzt. Was die EZB und die Bundesregierung erzählt, von wegen 2,5 Prozent Teuerung und der Euro ist stabil, ist doch voll gelogen. Alle Fiat-Währungen verlieren an Kaufkraft, die einen mehr und die anderen weniger. Wenn Draghi und Bernanke ihr "unlimitiertes" Gelddrucken wie angekündigt umsetzen, dann geht es richtig los mit der Inflation. Argentinien ist heute wie es bald bei uns aussehen wird.

Die Menschen hier sind im Zwiespalt zwischen einem Patriotismus, dem Ignorieren der Probleme und es ist nicht so schlimm, und dem Wissen, sie werden von den korrupten Politikern beschissen und müssen selber schauen wie sie überleben.

Die Skyline von Buenos Aires mit Wolkenkratzer:



nd







Alte Häuser mit dem tollsten Kabelsalat:





Das Viertel von Boca, berühmt für den Fussball:













Das Hafenviertel:







Da die argentinische Regierung den Flug von Helikoptern der TV-Sender über Buenos Aires verboten hat, um die Grösse der Demonstration vom 8. November nicht zu zeigen, haben findige Amateure ihre Drohne mit Kamera hochsteigen lassen:



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Buenos Aires Tag1

von Freeman-Fortsetzung am Dienstag, 13. November 2012 , unter | Kommentare (9)



Die Hauptstadt von Argentinien ist schon beeindruckend, von der Grösse her und was es alles zu sehen gibt. Ich kann mir vorstellen warum sie den Namen hat, gute Luft, denn sie ist tatsächlich gut und es weht immer ein Lüftchen zur Säuberung und der Himmel ist schön blau. In der ganzen Stadt verteilt gibt es viele gepflegte Parkanlagen mit für uns exotischen Bäumen. Auf den Rasenflächen liegen die Leute und geniessen das Grün. Zur Zeit blüht der Jacaranda mit wunderschönen blauen Blüten und viele Strassen sind links und rechts mit diesem Baum geschmückt.

Das Herz von Buenos Aires bildet der Plaza de Mayo (Platz des Mais oder der Mairevolution). Rund um den rechteckig angelegten Platz befinden sich die Kathedrale von Buenos Aires, die Banco de la Nación, das Rathaus, der Cabildo sowie andere Regierungsgebäude. Der Platz selbst ist durch eine Parkanlage geprägt und man sieht auf folgendem Foto einen Jacaranda in blauer Blütenpracht. Im Hintergrund ist die Casa Rosada (Rosa Haus) der Präsidentenpalast zu sehen.



Gleich am Tag meiner Ankunft (Sonntag) wurde ich von meinen Bekannten hier zu einem Asado als Begrüssung eingeladen, das typische argentinische Grillfest. Auf dem Holzkohlengrill wurden verschiedene Fleischstücke aufgelegt, wie Filet, Rippchen, Innerein, Würste und auch etwas Gemüse, wie Paprika.





Anschliessend sind wir zum "Club Amigos De Automoviles Antiguos" gefahren, wo eine Ausstellung von argentinischen Formel 1 Rennwagen präsentiert wurde. Es gab Benzingespräche über Autos natürlich mit den Klubmitgliedern und ich lernte interessante Leute kennen. Sie erzählten mir, am kommenden Wochenende findet eine Old Timer Rally über 400 Kilometer auf unbefestigten Strassen statt. Der älteste Aktive wäre über 80 Jahre und würde immer noch begeistert Rennen fahren.







Am nächsten Tag (Montag) machte ich eine Tour durch die Stadt. Was die Menschen mit denen ich bisher gesprochen habe beschäftigt ist die Inflation, der Kaufkraftverlust des argentinischen Peso. Für uns sind die Preise relativ günstig, wie zum Beispiel Benzin kostet zwischen 6 und 7 Pesos, je nach Typ, was ungefehr einem Euro entspricht. Für die Argentinier ist das aber teuer, denn wie ich gehört habe liegt der Durchschnittslohn bei nur 500 Euro im Monat und ein sehr gutes Gehalt wäre 2'000 Euro. Ich werde mich aber weiter erkundigen wie die anderen Preise für Mieten, Kleidung und Lebensmittel sind.

Die Taxis sind praktisch alle ein VW-Modell:



Als ich an der Avenida de Mayo entlang lief sah ich eine Demonstration vor dem ehemaligen Sitz der Zeitung "La Prensa", was aber seit 1996 die „Casa de la Cultura” ist. Keine Ahnung warum die mit lauten Trommeln dort ihren Unmut ausdrückten.







Als mich drei junge Männer am Fotografieren sahen, riefen sie mir zu, "hey, mach ein Foto von uns!"



Auf vielen Strassen sieht man Schuhputzer, so wie auf diesem Foto, wo ein Geschäftsmann dabei telefoniert. Ist übrigens in Spanien auch wieder zu sehen, wegen der steigenden Armut und Arbeitslosigkeit dort:



Impressionen aus der Innenstadt:







Eine andere Demonstration vor der Casa Rosada:







Die Statue zu Ehren von Christoph Kolumbus:



Um die Vorgeschichte der Krise in Argentinien nachzulesen, geht auf meinen Artikel "So sieht ein zusammenbruch aus".

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