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Reise durch den Iran - Tag7

von Freeman-Fortsetzung am Donnerstag, 27. September 2012 , unter | Kommentare (16)



Mir ist bei meiner Reise durch den Iran aufgefallen, der Basar einer Stadt liegt meistens in der Nähe der Hauptmoschee. Basar ist das persische Wort für Markt und ist eine Aneinanderreihung von Geschäften die oft die gleichen Waren anbieten. In Teheran findet vor dem Basar im Freien auch ein Treffen der Geldwechsler statt, die dort Banknoten kaufen und verkaufen.





















Ich wollte unbedingt die Menschen und Einrichtung besuchen, welche am meisten durch die Sanktionen des Westen leiden. Zum Beispiel wie die private Wohltätigkeitsorganisation MAHAK und die krebskranken Kinder die dort betreut und behandelt werden. MAHAK wurde von einer Mutter vor 20 Jahren gegründed, die selber ein Kind hatte, welches unter Krebs gelitten hat.

Durch diese Erfahrung entschloss sie sich eine Hilfsorganisation zu gründen, welche sich speziell um diese Kinder kümmert. Durch freiwillige Spenden aus der iranischen Bevölkerung und von Sponsoren konnte ein modernes Spital 2007 gebaut werden. Bisher wurden über 18'000 krebskranke Kinder behandelt, die Hälfte erfolgreich.

Mittlerweile habe ich erfahren, es sind nicht unbedingt die Pharmahersteller die den Iran boykottieren, sondern der Iran kann die Medikamente nicht bezahlen, weil der Westen iranische Banken vom SWIFT-System abgeschaltet hat. Es können keine Zahlungen und Geldüberweisungen vorgenommen werden.

Das heisst, wenn man bei den westlichen Regierungen reklamiert, eine Boykott von Medikamenten verstösst gegen die UN-Charta und ist illegal, dann wird geantwortet, Medikamente fallen nicht unter die Sanktionen. Das stimmt, nur wenn der Iran sie nicht bekommt, weil kein Geld zu den Lieferanten transferiert werden kann, dann kommt es aufs gleiche raus.

Ein fieser Trick die Menschen im Iran auf diese Weise leiden zu lassen.

Besuch des MAHAK-Spital in Teheran:













Es leiden aktuell 8'000 Kinder unter Krebs, die von der MAHAK behandelt werden. Viele davon kommen aus Nachbarländer, denn die Wohltätigkeitsorganisation betreibt das grösste medizinische Zentrum für diese unter Krebs leidenden Kinder im Mittleren Osten. Das besondere ihrer Mission ist, die Eltern werden mit den Kindern zusammen betreut. So können zum Beispiel die Mütter im Zimmer des Kindes wohnen und bei den Behandlungen immer dabei sein.

Obwohl die Sprecherin des Spital nicht auf meine Frage wegen der Ursache der Krebserkrankungen eingehen wollte, ist für mich klar, die ständige Umweltvergiftung durch die Kriege in dieser Region muss eine schlimme Wirkung auf Gene der Eltern und damit auch auf ihre Nachkommen haben. Der Iran litt acht Jahre durch den Angriffskrieg des Irak und grosse Landstriche wurden mit Chemikalien verseucht.

Das gleiche gilt für Afghanistan im Osten und Irak im Westen des Iran, wo die Amerikaner und die NATO Tausende Tonnen Uranmunition verschossen und zur Explosion gebracht haben. Der radioaktive Staub liegt in der ganzen Gegend herum und die Menschen nehmen es mit dem Trinkwasser und der Nahrung auf.

Gibt es noch was verbrecherischeres, als diese Form der Kriegsführung des Westens? Eine die nicht nur die Gegner im Kampf tötet, sondern für die nächsten Jahrhunderte ganze Generationen von Zivilisten erheblich schädigt. Es kommen missgebildete Babys zur Welt oder sie erkranken in jungen Jahren an den schlimmsten Krebs. Das kleine Mädchen, welches ich oben zeige und besucht habe, leidet unter Leukemie.

Die speziellen Medikamente für die Chemotherapie werden laut MAHAK wegen der Finanzsanktionen immer schwieriger aus Europa zu beschaffen sein. Ich fragte, ob sie auch alternative Behandlungsmethoden anwenden und sie sagten ja, wenn die Eltern das wünschen. Es gibt eine deutsche Organisation, die der MAHAK hilft: Iranische Kinderkrebshilfe e.V. Webseite: www.ikkh.de

Ihr könnt gerne den Team der MAHAK einige netten Zeilen zur Aufmunterung für die tolle Pflege der kleinen Kinder durch die Organisation senden und auch dafür, dass sie mir ihre Arbeit mit den Kinder im Spital gezeigt haben. Info@mahak-charity.org

Antwort der Firma Küschall AG in der Schweiz auf die Frage, warum sie keine Rollstühle mehr in den Iran für querschnittgelähmte Menschen liefern:

Sehr geehrter Herr xxxx

Vielen Dank für Ihre email. Am 10. August wurden die Handelsgesetze in den USA geändert, wodurch ausländische Tochtergesellschaften von US- amerikanischen Unternehmen in ihrem Verkauf in den Iran eingeschränkt werden. Insbesondere muss das Gesetz "Iran Treat Reduction" und "Syrien Human Rights Act" 2012 beachtet werden, welches in Kraft getreten ist.

Küschall ist eine Tochtegesellschaft der Invacare Corporation, deren Hauptsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika ist. Aufgrund dieser neuen Gesetzgebung dürfen Küschall und andere Invacare- Unternehmen aus rechtllichen Gründen nicht mehr in den Iran liefern.

Es ist unsere Mission, unseren Kunden, die unsere Produkte nutzen die Erfahrungen des Lebens zu ermöglichen.

Wir sind aber auch ein gesetzestreues Unternehmen und wir sind verantwortlich dafür, dass die Gesetze der Länder in denen wir arbeiten eingehalten werden.

Da wir einem US- amerikanischem Unternehmen angehören müssen wir dieses Gesetz befolgen und nach diesem handeln.

Mit freundlichen Grüssen,
Küschall AG

Das ist wohl die unverschämteste Ausrede die ich je gehört habe, "wir sind ein gesetzestreues Unternehmen". Ja, die Gesetze können aber auch illegal sein, weil sie die Menschenrechte verletzen. Die Nürnberger Rassengesetze waren auch Gesetze mit denen die Juden "legal" verfolgt wurden. Was soll diese Antwort? Nur weil das kriminelle US-Regime ein Gesetz beschliesst, muss sich eine Schweizer AG daran halten? Habt ihr kein Gewissen, querschnittgelähmte Menschen deshalb leiden zu lassen? Pfui, schämt euch!!!

Hierhin könnt Ihr Eure Meinung senden: jott@invacare.com

Möge der Shitstorm auf sie niedergehen!

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Reise durch den Iran - Tag6

von Freeman-Fortsetzung am Mittwoch, 26. September 2012 , unter | Kommentare (20)



Hab mir den Kyros-Zylinder im Nationalmuseum in Teheran angeschaut. Dieses Tongefäss mit Keilschrift versehen soll die "erste Menschenrechts- charta" der Welt sein, die der altpersische König Kyros der Grosse 538 v. Chr abfassen liess. Darin werden Grundrechte wie Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit den eroberten Menschen von Babylon bereits vor 2'500 Jahren zugestanden.



Dann hab ich die Schah-Paläste besucht. Schah ist das persische Wort für König und wurde in Persien bzw. im iranischen oder iranisch beeinflussten Raum bereits im Altertum, zur Zeit der Achämeniden, Parther und Sassaniden (bei Kyros dem Grossen in altpersischen Texten: xshâya), verwendet und blieb dann auch in islamischer Zeit weiterhin in Gebrauch.

Übrigens, der Name des Schachspiels leitet sich vom Wort Schah ab und Schachmatt wird zurückgeführt auf den Ausdruck schah mat (šāh māt – „der König ist hilflos/geschlagen“).

Hier Aufnahmen des Golestan Palast, oder Palast der Blumen, der von verschiedenen Schah-Dynastien benutzt wurde, dessen Ersterbauung ins Jahr 1524 zurückgeht:































Dann habe ich den Sommerpalast des letzten Schah Mohammad Reza Pahlavi besichtigt, der
1941 seinen Vater ablöste, der durch Zwang der Besatzungsmächte Sowjetunion und Grossbritannien zurücktreten musste, weil sie meinten, er würde mit den Deutschen kooperieren. Die beiden Mächte marschierten einfach in den Iran ein, obwohl das Land seine Neutralität verkündete. Später kamen die Amerikaner mit Soldaten noch dazu.

Mohammad Reza wurde ab 1953 durch einen Putsch der CIA und der Geheimpolizei Savak bis zum Sturz durch die Islamische Revolution am 11. Februar 1979 an der Macht gehalten:













Reza Kahn, der später sich Schah Reza Pahlavi nannte, stieg aus einfachen Verhältnissen bis zum Schah empor. Zuerst war er Soldat, dann Offizier, wurde Armeeführer und dann Verteidigungsminister und Premierminister. Wegen der Staatskrise nach dem I. Weltkrieg und der Besatzung beschloss das Parlament 1925 den in Europa immer abwesenden Ahmad Schah abzusetzen und durch Reza Kahn zu ersetzen. So begann die Pahlavi Dynastie, die nur zwei Mitglieder hatte.

Da er Mustafa Kemal Pascha in der Türkei als Vorbild sah, der die Republik ausgerufen und das Kalifat abgeschafft hatte, wollte Reza Kahn ebenfalls grundlegende Veränderungen im Iran durchführen. So beauftragte er den Justizminister ein bürgerliches Gesetzbuch auszuarbeiten, welches vom Parlament verabschiedet wurde.

Die Rechtsnormen waren nach dem Vorbild des Code Civil unter Beachtung des islamischen Rechts schiitischer Ausprägung gestaltet worden. Das Gesetzbuch war offensichtlich so gut gelungen, dass es mit kleineren Ergänzungen auch heute noch im Iran nach der Islamischen Revolution von 1979 Gültigkeit hat.

Er veranlasst das Verbot des Tschador und lies dann die Zwangsentschleierung der Frauen ab 1936 durchführen, die sich nicht daran hielten. Er schickte die Polizei in alle Dörfer und wer nicht freiwillig sich entblöste und einen Hut stattdessen trug, wurde mit Schlägen dazu gezwungen:



Hier eine historische Aufnahme auf der man sieht, wie Reza Schah Pahlavi mit seinem Sohn, den späteren Schah Mohammad Reza Pahlavi, eine Zwangsentschleierung persönlich vor Ort auf dem Land beaufsichtigt:



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Reise durch den Iran - Tag5 (Teil3)

von Freeman-Fortsetzung am Dienstag, 25. September 2012 , unter | Kommentare (22)



Hatte die besondere Gelegenheit den Chef von PressTV und seinen Nachrichtenchef im Sender zu treffen. Press TV ist der erste iranische internationale Nachrichtensender der 24 Stunden am Tag die Themen bringt, die von den westlichen Mainstreammedien ignoriert oder falsch dargestellt werden.

Wir haben unsere Meinung über das Nachrichtengeschäft ausgetauscht und darüber gesprochen, wie wir eine zukünftige Zusammenarbeit gestalten könnten. Danach wurden mir die Studios, die Regie, die TV-Redaktion und die Online-Redaktion gezeigt. Es war beeindruckend wie professionell gearbeitet wird und wie die Technik auf den neuesten Stand ist.

Auch hier, wie über die Zeitungsredaktionen von mir berichtet, sind die Hälfte der Medienschaffenden im Sender Frauen.









Anschliessend wurde ein Interview mit mir gemacht:





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Reise durch den Iran - Tag5 (Teil2)

von Freeman-Fortsetzung am , unter | Kommentare (10)



So jetzt wird es für die Damen unter den ASR-Lesern interessant. Wie sieht es mit dem Shopping aus. Es gibt in Teheran alle Arten von Geschäfte und Einkaufszentren genau so wie bei uns. Klar ist die Mode auf die Regeln zwecks Bedeckung des Körpers in der Öffentlichkeit ausgerichtet. Manche Frauen sind sehr traditionell ganz in Schwarz gekleidet, speziell die älteren. Junge Frauen sind oft sehr modisch angezogen, mit verschiedenen Farben, tragen Makeup, Handtaschen, lange Fingernägel und Pumps. Im privaten Bereich kann man sowieso machen was man will.



























Selbstverständlich dürfen Frauen im Iran Autofahren. Und das können sie sehr gut bei dem unglaublichen Verkehr in Teheran:





Überall gibt es Stände mit frisch gepressten Orangensaft:



Ich hab mir überlegt, das Alkoholverbot muss ja sehr viele Probleme die wir haben dort gar nicht entstehen lassen. Es gibt keine betrunkenen AutofahrerInnen die Leute totfahren, keine Besoffenen die sich am Morgen vor den Kioske schon volllaufen lassen, keine Schlägerreien die durch Akohol ausgelöst werden, keine kaputte Lebern und keine Ehemänner die den ganzen Lohn versaufen und zu Hause die Frau und Kinder schlagen.

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